Speeding Cars

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Ich war zu einem einzigen angespannten Nervenbündel geworden, was nur darauf wartete, dass alle Stricke rissen und ich eskalieren würde. Nachdem ich BamBam alles erzählt hatte, hatte ich mühe ihn davon zu überreden, dass er sich nicht anmerken lassen sollte, dass er über alles Bescheid wusste, da dieser widerliche schwarze Audi mittlerweile überall lauerte und mich bei allem verfolgte. Doch das schlimmste war, dass ich seit zwei Wochen kein Wort mehr von meinem Sohn gehört hatte und nicht mal wusste, ob er überhaupt noch atmete. Er nahm keinen Anruf an, sah nicht mal meine Nachrichten.

Taemin meinte, dass es ihm gut ginge, doch sicher war ich mir da nicht, schließlich hing er damals mal eine Weile mit den Ssang Young Pa zusammen, so wie sein Freund. Jia wusste Bescheid, dass ihr Bruder abgehauen ist, allerdings hatte er es ihr erst geschrieben, als er vor zwei Wochen im Flieger saß, doch auch ihr schrieb er nicht. Wir versuchten sie damit zu vertrösten, dass er bestimmt viel unterwegs sei und viel sah, so wie mit der Zeitumstellung zu kämpfen hatte, was sie und mehr oder weniger glaubte, doch auch ihr war anzusehen, dass sie ihr Gegenstück vermisste und sich sorgen um Jumgsoo machte.

"Schon was neues von Zico gehört?" fragte BamBam Jaebum und ließ sich zu ihm auf das Sofa fallen. Ich stand an der Glastür und schielte auf den Strand. In Gedanken hoffte ich, dass Jungsoo jeden Moment hier irgendwie auftauchen würde oder wenigstens ein Lebenszeichen von sich geben würde, doch nichts. "Kein Ton." murmelte Jae und seufzte. "Das ist neu, sonst kommt nach zwei Tagen ne Nachricht, dass er alles Erledigt hat." seufzte er.

"Offensichtlich nicht." meinte ich kalt, als ich das schwarze Auto wahrnahm, was fast fünfzig Meter entfernt vom Haus stand und sich hinter einer Ansammlung an Palmen versteckte. Seit neustem stiegen die beiden Insassen aus, blieben aber dennoch auf Abstand. "Theresa, ich versichere dir und BamBam, dass alles geregelt wird." schwor Jae und sah unauffällig zu dem Audi.

"Ich kann das jetzt auch gut und gerne alleine regeln." grummelte mein Mann und wollte aufstehen. Jaebum hielt ihn zurück. "Wenn du somit das Leben deines ungeborenen Kindes und deiner Frau riskieren willst, dann bitte." merkte er an und deutete mit seinem Kinn auf mich und meinen Bauch. BamBam riss sich aus dem Griff an seinem Handgelenk los und stürzte zu mir, um mich in eine Umarmung zu ziehen, die ich sofort erwiederte. "Dir, euch, uns wird nichts passieren. Auch wenn ich dich hier anketten muss und dich nicht mehr raus lasse." sprach er zu mir.

"Genau darauf waren sie, dass Theresa anfängt einen Schutzschild aufzubauen. Die Methoden die die Ssang Young Pa heute an den Tag legen, wie das gezielte und erkennbare stalking dienen nur dazu einen Menschen kaputt zu machen. Luhan meinte er will deine Familie zerreißen. Das wird er nicht, weil er selber eine hat, er will dir Angst machen, in dem er Jungsoo von dir weg lockt und ihn von dir und Kunpimook abschottet. Du sollst anfangen Wahnsinnig zu werden und genau ab diesem Punkt werden sie eigenhändig einschreiten und dir den letzten Stoß versetzen." erkläre Jae todernst, da er sonst nie den richtigen Namen meines Mannes in den Mund nahm.
"Es ist wichtig, dass du die nerven behälst und dich wie immer verhälst,als wäre alles wie immer auch wenn es dir schwer fällt." riet er mir an.

Ich löste mich aus der Umarmung und nickte. "Aber woher weiß du das?" wollte ich wissen. Jae lachte leise auf und seufzte. "Du weißt ich habe, wie Bam, selber ewig im Underground gelebt. Bei den Chil Ssong Pa wendet man die gleichen abgefuckten Methoden an, um eine Person in die Enge zu treiben, nur noch etwas geschickter." Erklärte er mir und warf einen Blick auf sein Handy. "Ich muss los. Amber und Jia abholen." verabschiedete er sich eilig und verließ das Haus.

Die beiden hatten sich einen Nachmittag in einem ziemlich angesehenen SPA in der Stadt gegönnt, den Jaebum den beiden letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte. BamBam hatte Jia und mir auch so einen Gutschein geschenkt, nur wussten wir noch nicht wann wir ihn einlösen wollten, oder ob wir ihn je einlösen würden, bei dem was hier grade alles geschah.

"Tai, starr da nicht so hin. Sonst merken die, das was nicht stimmt." flüsterte Bam mir von hinten ins Ohr und ließ seine Hände auf meinem Bauch ruhen. Ich warf einen letzten Blick auf die beiden in dem Audi und wendete mich von dem Fenster ab. "Jia ist in ihrem Zimmer?" wollte ich von meinem Mann wissen. Er nickte. "Bevor Jae da war hat sie versucht Soo nochmal zu erreichen." seufzte er und fuhr sich durch die dunklen Haare. "Sie meinte da war nichts, als ob sein Handy aus wäre."

Ich lief an BamBam vorbei zu den Treppen und den Zimmern unserer Kinder. Jungsoos Zimmertür war geschlossen. Ohne dass ich mich kontrollieren konnte steuerte ich auf seine Tür zu und betrat sein Zimmer. Überall lagen Klamotten verstreut auf den Boden, als hätte er die, die er mitgenommen hatte nur eilig und wirr zusammen gesammelt. An den Wänden hingen überall Bilder von ihm und Yuhan oder Jia und Kira auf dem ein oder anderen auch mal BamBam und ich mit ihm.

Jungsoo hatte sich nie was zu Schulden kommen lassen. Er war ein Musterbeispiel von einem Jungen, doch Yuhan hatte anscheinend einen größeren Einfluss auf ihn, als gedacht, wenn er Soo sogar dazu brachte einfach so abzuhauen und dann auch noch auf eine Welttournee. Jungsoo war doch reif genug um zu wissen, dass das verdammt falsch ist und alles andere als richtig. Doch anscheinend hatte sein Freund ihn komplett ihn seinem Bann.
Seufzend verließ ich das Zimmer wieder und schloss die Tür hinter mir leise. 

"Mom?" Jia tauchte vor mir auf und sah mich nahezu mit den selben Augen ihres Vaters an. "Habt ihr schon was von SooSoo gehört?" fragte sie mich mit hoffnungsvollem Funkeln in den Augen. Ich musste sie leider enttäuschen und schüttelte den Kopf. "Leider nicht Jia. Aber mach dir keine Sorgen, es geht ihm bestimmt gut." versuchte ich sie aufzumuntern. Auch wenn die beiden nicht verschiedener hätten sein können, konnten sie einfach nicht ohne einander und auch Jungsoo müsste das irgendwann klar werden und dann würde er sich hoffentlich bei einem von uns melden.

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