Trauma

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Meine Tochter kauerte zusammen mit Kira im Gang der Intensivstation, während Amber verzweifelt zusammen mit meinem Mann versuchte sich über den derzeitigen stand um Jaebum zu bemühen. Was wir wussten, war, dass sein rechter Arm, so wie seine Beine übel gequetscht worden und er ein ernsthaftes Schäde-Hirn-Trauma hatte, was ihn ins Koma fallen ließ.

Ich reichte Kira ein Taschentuch, was sie mit einem verweinten, aber dennoch dankbarem Gesichtsausdruck annahm. Die letzten Stunden mussten für sie der blanke Horror gewesen sein, sie wusste nicht wie genau es nun um ihren Vater stand, oder ob er je wieder aufwachen würde. Jia wich nicht einmal von der Seite ihrer besten Freundin und hielt sie die ganze Zeit tröstend in ihren Armen, während auch ihr hin und wieder Tränen über die Wangen liefen. Yuhan hatte mir vor bestimmt anderthalb Stunden über Soos Handy geschrieben, dass mein Sohn in seinen Armen eingeschlafen war und schickte mir zum Beweis ein Foto, was ich mit einem schwachen Lächeln betrachtet hatte. Er sorgte sich unglaublich um Jungsoo, schrieb er mir über die Nummer seines Freundes, doch ich versuchte ihn zu beruhigen, als ich ihm schrieb, dass Soo unglaublich sensibel und harmoniebedürftig sei und es ihm bestimmt schnell wieder besser gehen würde, was meine Sorgen als Mutter jedoch nicht wirklich minderte.

BamBam kam mit einer völlig zerstörten Amber wieder, die angstrengt mühe hatte sich ruhig zu halten. Mein Mann setzte sie vorsichtig auf den Stuhl neben ihrer Tochter und setzte sich schließlich neben mich. "Es steht schlimmer um ihn, als sie dachten." flüsterte er mir leise und nur für meine Ohren bestimmt zu. "Sein Kreislauf klappt immer wieder ab. Die Ärzte sind sich nicht mal sicher, ob er die Nacht hier überleben wird." meinte er bedrückt. Auf den Weg, vor Stunden, nach hier oben auf die Station hatte BamBam mir erzählt, dass die anderen verletzten in ein anderes Krankenhaus gebracht wurden, da die Verletzungen nicht all zu ernst waren, wie bei Jae. "Er saß einfach im Studio, kaum zu glauben, dass die Wellen der Explosion es bis da hoch geschafft haben, wir können mehr oder weniger von Glück reden, dass keiner der Sänger die Studios belegt hatten." meinte er vorhin und fuhr sich durch die dunklen Haare.

"Dann sollen sie Amber zu ihm lassen. Was bringt es ihm zu kämpfen, wenn er seine Familie nicht um sich spürt." merkte ich leise an und erinnerte mich daran zurück, als BamBam ins Koma verlegt wurde, da seine Verletzung zu schlimm gewesen. Er hatte kaum spürbar nach meiner Hand gegriffen und sein Herzschlag wurde schneller, als ich mit ihm redete, oder meine Hand auf seiner hatte. "Das habe ich versucht den Ärzten klar zu machen, aber sie sind der Ansicht, dass es nichts bringen würde." sprach er zu mir. Ich seufzte. "Wäre Claudette noch hier, hätte sie diese Deppen bis auf ihre letzte Socke verklagt." lachte ich in Erinnerung daran, dass sie bestand, dass ich bei BamBam damals im Zimmer bleiben durfte. "Ja. Das dachte ich mir auch grade. Sie hätte nicht mal mit der Wimper gezuckt und die Typen wären ihr hab und gut los gewesen." spinnte er weiter und legte einen Arm um mich. Die plötzliche Ruhe auf dem Ganz wurde von einem Piepen gestört, was alle diensthabenden Ärzte aufschrecken und losrennen ließ, doch zu unserem Glück stürmten sie nicht in das Zimmer von Ambers Mann, sondern in ein völlig anderes.

Der Gang war aufeinmal wie leergefegt und auch wieder diese unausstehliche Ruhe herrschte wieder. BamBam und ich sahen uns an und grinsten, als hätten wir die selbe Idee. "Du hast nicht auch grade daran gedacht, dass sich Am und Kira jetzt in Jaebums Zimmer mogeln können?" fragte er meine Gedanken aus. Ich nickte leise lachend und sah zu den beiden. Kira lehnte mit dem Kopf gegen die Schulter unserer Tochter, die ihr über den Rücken strich und Löcher in den Boden starrte. Amber hatte sich an die Schulter ihrer Tochter gelehnt und hatte beide Arme um sie gelegt, als würde sie ihr Kind nie wieder gehen lassen wollen.

Mit einem Blick zeigte ich BamBam, dass er auf den Gang gehen sollte um zu schauen, ob die Ärtze wieder auftauchen würden. Er verstand und verschwand aus der Sitzecke, aber nicht ohne sich einen Becher Wasser aus dem Wasserspender zu nehmen, der bei ihm stand. Ich erhob mich von meinem Stuhl und lief zu den Sitzen mir gegenüber von den drei anderen. Kira sah mich mit großen Augen an und sah zu ihrer Mutter, die wieder mal eingeschlafen war vom vielen weinen, hoffen und bangen. "Wir gehen zu deinem Vater." flüsterte ich ihr zu und nahm vorsichtig Ambers Arme von ihr, die dadurch wach wurde und mich verwirrt anblinzelte. Kira nickte und stand von ihrem Stuhl auf. "Wo... wo wollt ihr h...hin?" nuschelte meine beste Freundin. "Zu Jae." teilte ich ihr mit und half ihr vom Stuhl.

"Jia?" meine Tocher sah mich sofort an. "Du gehst zu deinem Vater auf den Gang und klopfst an die Tür, wenn die Ärtze aus dem einen Zimmer kommen okay?" bat ich sie. Sie nickte und lief zu ihrem Vater, aber auch nicht ohne sich etwas zu trinken zu holen. Ich lächelte ihr hinterher. Sie und BamBam hätten nicht gleicher sein können. Amber harkte sich bei mir ein, wähend Kira bereits auf dem Weg in das Zimmer war, in dem ihr Vater lag. Sie hielt uns die Tür auf und mied es erstmal zu dem Bett zu sehen, in dem ihr Vater, angekettet an tausenden Geräten lag, die Blutdruck, Herzschlag und Dinge wie Hirnströme im Auge behielten.

Amber krallte sich an meinen Arm fest, als sie ihren Mann sah. Die Haut blass, nahezu durchsichtig. Seine dunklen Haare klebten an seiner Stirn. Es wirkte als ob er schlafen würde, wäre nicht die Maske in seinem Gesicht und die lebensnotwendigen Maschienen um ihn herum, die um sein leben kämpften und das, um Gottes willen nicht vergebens. "Paps?" wimmerte Kira verzweifelt, schritt zum Bett und ließ sich daneben auf die Knie fallen. "Paps. Du musst wieder kommen bitte. Du hast mir versprochen mit Jia und Soo uns Yuhan zu Tomorrowland zu gehen, wenn es nächstes Jahr hierher kommt, weil wir noch nicht Volljährig sind. Du willst mir doch noch zeigen wie man selber Musik macht, weißt du nicht mehr? Das hast du mir schon total lange versprochen. Außerdem will ich dir irgendwann meinen Freund vorstellen wenn ich einen habe." sprach sie bei ihm und nahm die gesunde Hand ihres Vaters. Amber ließ von meinem Arm ab und kniete sich zu ihrer Tochte, die ihren Kopf auf das Bett gelegt hatte und mit den Fingern ihres Vaters spielte.

"Jae. Wir lieben dich, wirklich. Denke an all die Zeit die wir noch vor uns haben und daran, dass wir eines Tages irgendwann sehen, wie unser kleines Mädchen das erste mal mit einem Baby zu uns kommt und es uns als unseren ersten Enkel vorstellt. Du wirst wieder aufwachen, daran glauben wir, auch wenn es Jahre dauert, was Jahre währt wird gut heißt es doch." sie lachte leise und fuhr Jaebum durch die Haare. Als hätte er beide gehört fing es im Raum aufeinmal an schneller zu piepen. Ich wischte mir die Tränen weg, die drohten meine Augen zu verlassen und besah die herzzerreißende Szene vor mir. "Appa?" erklang Kira hoffnungsvoll, doch die Augen ihres Vaters blieben fest geschlossen, bis auf sein verschnellerten Herzschlag ließ nichts darauf deuten, dass er spürte seine Familie bei sich zu haben, doch man sah den beiden bei ihm an, dass es ihnen als Beweis reichte, dass Jaebum es schaffen würde zu überleben. "Zeig dem Tod deinen verdammten Dickschädel und lasse ihn in der Hölle dumm aus der Wäsche gucken, weil der Teufel immer noch auf bei seiner Familie auf der Erde bleiben will." ermutigte Amber ihren Mann. "Mom. Seine Hand." Kira hielt ihre und die ihres Vaters hoch, die sich wie von Geisterhand verschränkten. Wunder waren also doch tatsächlich möglich und geschahen immer wieder. Widerwillig ließen Amber und Kira Jaebum zurück, als Jia leise gegen die Tür klopfte und uns das Zeichen gab wieder zu gehen.

Unauffällig schafften wir drei es aus dem Zimmer und wieder in die Sitzecke zu gelangen, ohne dass uns einer der Ärzte auf dem Gang sah. Meine beste Freundin viel mir in die Arme und bedankte sich dafür, dass Bam und ich den Einfall hatten, sie in das Zimmer zu bringen. Es gab ihr, so wie uns allen die Zuversicht, dass Jae wieder zurück kommen würde, was an diesem merkwürdigen und schrecklichen Tag der allergrößte Lichtblick war.

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