Der Außenseiter

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Tom

Wie es aussah, standen die Chancen,  auch in der Schule zunächst möglichst unauffällig zu bleiben, äußerst schlecht. Ich senkte meinen Zauberstab, denn es war nicht mehr nötig, Kampfbereitschaft zu demonstrieren. Wie auf Kommando waren alle, bis auf Hermine, einen Schritt zurück gegangen. Bei ihr schien es jedoch keine Geste des Mutes zu sein; sie war lediglich zu überfordert, um sich zu bewegen. Sie starrte mich mal wieder nur mit offenem Mund an.

"Bist du dir sicher, Ginny?", hörte ich jemanden flüstern.

Bevor sie etwas sagen konnte, schob sich Professor McGonagall durch die Menge. "Auseinander!", rief sie und blieb stehen, als sie mich sah. "Was ist hier los?"

"Der Huffelpuff hier hat einen Schüler bedrängt", ergriff ich das Wort. "Ich habe ihn nur verteidigt."

"Professor, wissen Sie, wer das ist?", fragte eine Schülerin spitz.

Das hatte sie nun davon, meine Identität lieber geheim zu halten. Egal, was sie jetzt sagen würde, die Leute hatten sich schon ihre eigenen Geschichten zusammengesponnen.

"Ein Schüler von Hogwarts", sagte sie. "Mehr hat Sie nicht zu interessieren."

Ich trat einen Schritt auf die glotzende Menge zu. "Ist schon okay."

Wie zu ertwarten, wichen sie wieder zurück.

"Mein Name ist Tom Riddle." Ich ließ die Worte verhallen und lauschte genüsslich dem kollektiven Schnappen nach Luft. "Von meinem Vater habt ihr sicherlich schon mal gehört."

Hasserfüllte und zugleich staunende Blicke trafen mich.

"Das reicht, Mr Riddle!", schallt mich Professor McGonagall. "Gehen Sie sofort in ihren Schlafsaal." Sie drehte sich um. "Das gilt für alle hier! Na los!"

Schweigend löste sich die Menschentraube langsam auf. Doch auch diesmal bewegte Hermine sich nicht von der Stelle.

Ich blickte ihr direkt in die Augen, bevor ich einfach durch die Menge, die Treppen hoch ging. Niemand stellte sich mir in den Weg, niemand fragte nach einer Erklärung. Ich spürte, wie Angst in der Luft lag. Zurück im Gemeinschaftsraum der Slytherins bemerkte ich ein paar Schüler aufgeregt murmeln. Am Ende des großen Raumes befand sich die Tür zu meinem Zimmer, wo zwei Slytherins auf mich warteten.

"Ist es wahr?", fragte einer gerade heraus. Er war so groß wie ich und hatte hellblondes Haar. Seine grünen Augen funkelten auf, als ich ihn ansah und nickte.

"Beweise es!", rief der andere. Er war etwas kleiner als ich, streckte seinen Rücken durch und hob das Kinn, schaffte es dennoch nicht, mit mir auf Augenhöhe zu sein.

Ich schenkte ihm nur einen müden Blick und hob eine Augenbraue.

"Und wenn schon?", rief jemand. "Was soll das schon über ihn aussagen? Wir kennen ihn nicht."

Ich hatte das Gefühl etwas verpasst zu haben. Das gefiel mir gar nicht. Diese Schüler hier kannten sich offensichtlich schon. Sie sahen aus, als würden sie in das sechste oder siebte Schuljahr gehen. Allerdings konnte ich gerade nicht einschätzen, wofür sie standen. Würden sie mich einfach nur mit einer Sensationsgeilheit betrachten oder waren sie an jemanden interessiert, der auch nach dem Krieg noch dieselben Werte vertritt und dieselben Ziele verfolgt? Es lag an ihnen sich zu beweisen, nicht an mir. Ich konnte keinen von ihnen vertrauen, nur weil sie im Krieg vielleicht auf der richtigen Seite standen. Ich drängte mich an den beiden vorbei und schlug die Tür vor ihren Nasen zu. Noch an der Tür übte ich einige Schutzzauber aus, damit mich niemand belauschen oder ungefragt eindringen konnte.

Am nächsten morgen ging ich nicht zum Frühstück in die Große Halle sondern ließ mir etwas von einem Hauselfen auf das Zimmer bringen. Ich merkte, dass das kleine jämmerliche Etwas schreckliche Angst vor mir hatte. Dementsprechend gut war der Tee zubereitet. Dieses Privileg als gleichermaßen Gefürchteter und Geächteter würde ich noch einige Male in anspruch nehmen.

Mein erstes Fach heute würde Zaubertränke sein. Erst kurz nach Beginn der Stunde betrat ich den Raum und merkte promt, wie alles verstummte. In diesem Moment spürte ich zu meinem Schrecken, wie sehr Anteile von Harry ihre Spur bei mir hinterlassen hatten. Wo ich früher die Aufmerksamkeit, egal ob sie positiv oder negativ war, genossen hatte, spürte ich nun auf einmal, wie mir die Röte ins Gesicht schoss. Neben dem ungewohnten Gefühl der Schahm machte sich auch Wut breit. Wut über Harrys Schwächen, über all die dummen Kinder, die mich anglotzenund über mich selbst. Kurz überlegte ich den Raum wieder zu verlassen, bevor es jemand bemerken könnte und hielt meinen Zauberstab in der Tasche meines Umhangs fest umschlossen, falls es jemand wagen sollte, zu lachen.

"Ah Mr Riddle", rief Professor Slughorn. "Wir dachten schon, Sie hätten es sich anders überlegt."

Slughorn gaffte mich wie immer wie ein Erdmännchen auf Hinterbeinen an. Wahrscheinlich erhoffte er sich, mich doch noch für seine Sammlung zu gewinnen.  Was im Moment  gar keine so schlechte Idee war.

"Die Teams sind alle schon aufgeteilt und da wir eine ungerade Anzahl von Schülern haben, ist für Sie niemand mehr übrig geblieben", sagte Slughorn.

"Das ist völlig in Ordnung für mich." Ich versuchte nicht zu erleichtert zu klingen. Einen minderbemittelten Schüler mit durch das Jahr zu ziehen, konnte ich nicht gebrauchen. Allerdings war es auch nicht besonders klug, gar keinen Anschluss zu suchen. Ich musste früher oder später herausfinden, wer auf meiner Seite war.

"Schließen Sie sich soch einfach einem der Teams an. Dann gibt es eben eine Dreiergruppe."

"Ich sagte, es ist schon okay", sagte ich mit mehr Nachdruck.

"Sie werden den Kurs nicht bestehen, wenn sie sich nicht gegenseitig assistieren. Ich bestehe also darauf." Slughorn sah mich wartend an.

Unter anderen Umständen hätte ich mich einfach alleine in die letzte Reihe gesetzt. Doch der Harry-Anteil in mir ließ mich das unangenehme Gefühl eines Außenseiterdaseins spüren. Es war kein reines Gefühl der Exklusivität mehr. Voldemort war sein ganzes Leben lang ein Außenseiter gewesen. So wie Köinige nunmal alleine und über anderen stehend regieren. Nicht so wie ein neuer Schüler, der rot wird, sobald er einen Klassenraum betritt und keinen Partner findet.

Ich blickte in die Klasse und sah Hermine und Ginny vorne sitzen. Ginny sah aus, als würde sie sich sich gleich übergeben. Hermine schaute gar nicht erst zu mir, sondern streichelte Ginnys Arm und flüsterte ihr etwas zu. Auf einmal wusste ich, was meine Stimmung heben würde und ging auf die beiden zu.

Geblendet - TomioneGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt