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Einige Stunden verbrachte ich noch bei Rose.

Ihre Mutter bot mir an, mit ihnen zu Abend zu essen und aus Höflichkeit sagte ich zu, obwohl mir der Gedanke zu Hause in meinem Bett zu sitzen und meine heißgeliebten Cini Minis zu löffeln, deutlich angenehmer erschien.

So nett ihre Familie auch sein mag und das war sie- wohl fühlen tat ich mich nicht. Aber sie konnten nichts dafür, dass ich nicht gerne unter Menschen war. Vor allem, wenn ich diese kaum bis gar nicht kannte und dann noch in der Situation steckte, dass ich mich im Gespräch einbringen musste. So ungern ich das auch tat, kam ich diesmal nicht drum herum, da jeder zweite Satz an mich gerichtet war.

Nachdem ich mich für das Essen bedankt und mich bei ihren Eltern verabschiedet hatte, begleitete Rose mich zur Tür, da es bereits dunkel geworden war und ich meiner Mum versprochen hatte, vor neun zu Hause zu sein.

Ich wollte gerade zur Tür hinaus gehen als sie mich unvermittelt zu sich zog, um mir zum Abschied einen Kuss auf die Lippen zu drücken. Keine Ahnung wie andere Menschen damit umgangen- mit all diesen großräumigen Gefühlen im Körper. Denn selbst, wenn ich rein gar nichts fühlte, spürte ich den Zustand, das Vakuum in mir mit Herz und Seele.

"Bis morgen.", sagte ich und löste mich kurzerhand aus ihrem Griff. Ich zwang mich zu einem Lächeln ehe ich mich wieder der Tür zuwandte und schließlich rausging. Es war schrecklich, jemanden zu küssen, ohne auch nur das Geringste für diese Person zu empfinden.

Daheim fand ich statt meiner Mutter ein Post-It am Klemmbrett vor als ich gerade dabei mir meine Ankle Boots auszuziehen.

SCHATZ, MEIN BÜRO HAT ANGERUFEN. ES GAB IRGENDWELCHE PROBLEME BEI EINIGEN LIEFERUNGEN, UM DIE ICH MICH KÜMMERN MUSS. WARTE NICHT AUF MICH, ES KÖNNTE SPÄT WERDEN.

Mir kam es ganz gelegen, da ich mir gerade nichts Schöneres vorstellen konnte als einfach allein zu sein und laut Musik zu hören. Ich ging ohne Umwege in mein Zimmer, tauschte mein Outfit gegen eine bequeme Sporthose und ein Freddie Mercury Shirt, das mir einige Nummern zu groß war. Flott bugsierte ich mich ins Bett, um mich gemütlich hinzulegen und griff nach meinen Kopfhörern. Ich setzte sie mir auf und fing an durch meine Playlist zu scrollen. Auch wenn mir meine Augen bereits hier zufielen, hatte ich es noch geschafft einige gute Lieder in die Warteschlange zu packen ehe die Erschöpfung mich einholte und ich schließlich einnickte.

Herr Webber schreibt willkürliche Buchseiten inklusive Aufgaben an die Tafel und sein Blick fällt auf den leeren Platz neben mir während er erklärt, dass die Aufgaben bis Donnerstag zu erledigen seien. Die Schulklingel beendet den Unterricht und ich fange an meine Sachen einzupacken, nachdem ich das Tafelbild abgeschrieben habe. "Harry, würde es Ihnen Umstände bereiten, Rose die Hausaufgaben mitzunehmen?", fragt Webber als ich mit geschultertem Rucksack am Lehrerpult vorbeigehe. Ich ersticke mein Seufzen. "Kann ich machen."

Er drückt mir die Arbeitsblätter der Stunde in die Hand und bedankt sich bevor er anfängt, die Tafel zu wischen.

Ich gehe schnellen Schrittes aus dem Gebäude und biege an der Straßenkreuzung links statt wie gewohnt rechts ab, um zu Rose zu gelangen.

"Endlich." Ich befinde mich kurz später in ihrer Straße und entdecke ihr Haus wenige Meter vor mir. Mein Blick fällt auf den Briefkasten, den ich einige Sekunden erwägend mustere ehe das große Wohnzimmerfenster meine Aufmerksamkeit erregt.

Ich verharre in meiner Position und schlucke als mir die Blätter entgleiten, so dass sie vor mir auf den Boden fallen und schließlich vom Wind auf die Straße geweht werden.

Ein Schattenriss. Sie greift am Saum ihres Shirts, streift es sich über. Er tritt in mein Blickfeld, packt ihre Hüften, hebt sie hoch. Ihre Beine schlingen sich um ihn, stürmisch drückt er seine Lippen gegen ihre.

Er taumelt nach vorne und die Wand verschluckt die Silhouetten.

Ich röchelte, keuchte und rang nach Luft.

Meine Brust zog sich zusammen und ich spürte ein Stechen, einen enormen Druck auf meinen Gliedern, der es mir unmöglich erscheinen ließ, zu atmen. Ich bin keine Illusion. Ich bin keine Illusion.

Kerzengerade saß ich in meinem Bett und drückte mich gegen die Lehne, hoffte dadurch dieses regellose Chaos abzuschwächen, meinen Puls zu regulieren.

Ich fragte mich, wie sich Ersticken anfühlte. Instinktiv fuhr meine Hand zur Brust und sie kribbelte, dass ich kurz nicht wusste, ob es meine war. Ich verstand rein gar nichts.

Ich tat mein Bestes, versuchte alles, um mich irgendwie zurechtzufinden. Ich versuchte den Menschen zuzuhören, ich versuchte, mehr über mich zu erfahren, in meinen Alltag zurückzukehren. Ich tat alles, um dieses Loch in meinem Kopf zu füllen mit Erinnerungen, aber es war nichts wert.

Ich vergaß ständig den Abgrund, der sich direkt vor meiner Nase befand und dem ich mich von Sekunde zu Sekunde näherte.

Ich war am Leben und doch weit davon entfernt. Da war so viel Leere und nichts womit ich sie befüllen könnte.

Das Vakuum war weder Teil meines Körpers noch der Eigentümer - ich selbst war das Vakuum.

Mein Herzklopfen spürte ich bis in den Hals hinauf, mein Ohr pulsierte.

Es war ein Traum. Ich war keiner. In diesem Moment spürte ich die Panik, die Angst und das vollständige Ausgeliefertsein.

Mein Verstand, das Denken hatte mich unter Kontrolle und ich wusste nicht, wie ich das Steuer wieder übernehmen konnte- besser gesagt, ob ich es je schaffen würde.

Jede meiner Überlegungen und vergeblichen Versuche der Besitzergreifungen waren Sprengsätze. Jeder Gedanke schien wie ein Kampf, jede Errungenschaft war letztendlich ein Krieg meiner selbst. Jeder Verdienst entlarvte sich im Endeffekt als Hirngespinst.

Da waren so viele unausgesprochene Dinge, für die mir das Repertoire an Worten fehlte. Ich bin keine Illusion.

Ich wollte das nicht mehr, dachte ich und fing plötzlich an zu schreien.

Remember You I Larry StylinsonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt