22.

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"Ich liebe es den Übergang des Blaus ins Orange.", bemerke ich während ich den Kopf in den Nacken lege, um den Himmel anschauen zu können. "Es wirkt friedlich, meinst du nicht?" Louis stützt sich mit den Händen auf dem Boden ab und ein Lächeln legt sich auf seine Lippen.

"Es ist definitiv schön.", murmelt er und ich senke meinen Blick, um sein Profil erhaschen zu können.

"Da fragt man sich, wieso niemandes Lieblingsfarbe Orange ist.", seufze ich und lehne mich gegen den Baum hinter mir, um in der Ferne bereits pinkliche Farbschimmer zu erkennen. "Orange erinnert mich immer an den Herbst. Ich finde es gibt nichts Schöneres als die Zeit, in der sich die Blätter anfangen zu färben. Ich wünschte, wir hätten es Herbst."

Er lacht rau auf und dreht sich grinsend zu mir.

"Schade, dass wir im Frühling sind.", merkt er amüsiert an, was auch meine Mundwinkel unwiderruflich nach oben zog.

"Muss ich halt noch ein halbes Jahr warten."

"Was ist deine allerliebste Lieblingsfarbe?", fragt er da, nachdem wir kurzzeitig unseren Gedanken nachzugehen scheinen.

"Orange."

"Du überraschst mich immer aufs Neue.", neckt er mich amüsiert, woraufhin ich schmunzelnd meinen Kopf schüttel.

"So bin ich. Bunt wie das Orange der Abenddämmerung."

"Dem kann ich nur zustimmen." Ich ertappe ihn beim Beobachten, doch er hört nicht auf, mich anzuschauen. Nachdenklich fahnden seine Augen nach meinen und ich grinse.

Ich drehe mich vollständig zu ihm und frage, was denn seine Lieblingsfarbe sei.

"Grün.", sagt er geradewegs, ohne eine Sekunde zu grübeln. "Ebenfalls eine gute Wahl."

Er und ich verschwammen zu einem schleierhaften Gemisch wahlloser Nuancen als das Gefühl des Schwindelns mich ergriff und ich im nächsten Moment zusammenfuhr.

Mir wurde schwarz vor Augen- und da war wieder das Geräusch, dieser quälende Ton.

Ich spürte eine Schwere im Bereich meines Bauches, die sich langsam auf meinen ganzen Körper ausbreitete. Hitzewallungen schienen mich zu durchströmen und erst da schaffte ich es, nach Luft zu schnappen.

Ich riss meine Augen auf und erkannte die orange-blonde Haarpracht, die mir entgegengestreckt wurde.

"Ist alles okay?", vernahm ich Roses Stimme und brauchte einige Sekunden, um zu verstehen, dass wir uns gerade auf ihrem Sofa befanden. Ihr Kopf lag auf meiner Brust, durch die mein Herz gerade ausbrechen zu wollen schien. Ihre Hand hing schlaff an meiner Hüfte herab. Ich fragte mich, was für ein Unmensch ich gewesen

sein muss, dass mein Unterbewusstsein mich schikanierte, indem es mir Louis Gesicht immer und immer wieder vorgelegte. Karma sieht alles.

Nachdem ich nicht antwortete, versuchte sie sich ohne ihre Position radikal zu ändern, zu mir zu drehen. Ich trieb ihr eine geschwungene Sorgenfalte auf ihr faltenloses Gesicht. Rose berührte sanft meinen Kiefer und sah mich mit ihren großen, braunen Augen an, die vor Kummer fast rauszufallen schien. Ehe sie ihre Bedenken aussprechen konnte, schnitt ich ihr das Wort ab.

"Was ist meine Lieblingsfarbe?", wollte ich unvermittelt wissen. Ich verließ mich darauf, dass mein Gehirn lediglich die Personen zu den Geschichten verwechselte. Wenn wir zusammen waren, sollte sie jedoch auch wissen, was meine liebste Farbe war, hoffte ich zumindest. Vielleicht war meine Vorstellung einer Beziehung auch schlicht und einfach surreal.

Irritiert hielt sie meinem Blick stand als sie anfing, ernsthaft darüber nachzudenken und ab genau diesem Moment war es für mich gänzlich abgetan.

Ich kannte die Gestik in Kombination der zusammengekniffenen Augenbrauen. Ich war mir sicher, dass Rose selbst wusste, dass sie gerade probierte, einer Sache über die sie keinerlei Informationen besaß, nachzugehen.

Direkt in ein Fettnäpfchen zu treten, wäre blamabel. Also ließ ich es ihr, wenigstens so zu tun als würde sie in irgendeiner letzten Hinterkopfkammer nach der einen Information suchen- "Du magst Blau." Und mich von einer willkürlichen Vermutung überzeugen zu wollen. Auch wenn ich Orange intuitiv lieber mochte als Blau.

"Deswegen ist ja auch dein Zimmer blau.", fügte sie hinzu, was mich letztendlich doch skeptisch werden ließ.

Ich erklärte ihr, dass mein Zimmer grau gestrichen war.

"Zugegeben ein gräuliches Blau.", sagte Rose, um nicht diejenige zu sein, die danebenlag.

Ich hasste mich dafür, aber ich war felsenfest davon überzeugt, dass Louis Orange gesagt hätte.

Remember You I Larry StylinsonWo Geschichten leben. Entdecke jetzt