Herr Jones fing gerade an den aeroben und anaeroben Energiestoffwechsel anhand sportlicher Beispiele zu erläutern während mein Blick von ihm zu der digitalen Uhr an der Decke wich. Gedankenversunken senkte ich den Kopf und perplex legten sich Falten auf meine Stirn als ich das Aufeinandertreffen mit Louis wiederholt Revue passieren ließ. Es war der eine Satz, der mich irremachte. Wieso hast du ihnen zugehört und mir nicht, Hazza? Ich wusste nicht, wieso er so etwas zu mir sagte und noch weniger hatte ich eine Ahnung, warum um Gottes Willen er mich so genannt hatte. Kein Mensch hatte mich bisher Hazza genannt, nicht meine Mutter und auch nicht meine Freunde. Die ganze Welt nannte mich Harry, einfach Harry. So etwas wie Spitznamen besaß ich nie. Ich versuchte mir einzutrichtern, dass ich mich vermutlich einfach verhört oder Louis zu undeutlich geredet hatte derweil ich Jones dabei zusah wie er demonstrativ einige Übungen im Stand vormachte. Gleichzeitig fragte ich mich, wieso mich solche Kleinigkeiten so sehr beschäftigen mussten, denn im Endeffekt tat es nichts zur Sache und ich zerschlug mir unnötig den Kopf.
Abwesend nahm ich das Gemurmel einiger Mitschüler wahr während wiederum andere gelangweilt auf ihren Smartphones rumtippten - statt mich wieder in die Realität zu holen, schien mich mein Umfeld in dem Moment nur noch mehr aus dem Konzept zu bringen.
Ich strengte mich an, alles in mir zum Schweigen zu bringen und dachte, gleich würde ich einfach umfallen. Ich würde umfallen, weil die Gedanken in meinem Kopf anfingen sich zuzuspitzen. Wortfetzen und Sätze schossen unkontrolliert umher - ich beneidete all die lustlosen und aufmerksamen Gesichter, dessen Gedankengebäude so leer erschienen und fühlte mich gleichzeitig wieder so fremd.
Gerade wollte ich meinen Arm heben, um zu fragen, ob ich kurz an die frische Luft gehen könne als meine Sicht verschwamm und meine Hörfähigkeit sich augenblicklich verabschiedete.
Ich sitze auf der morschen Bank im nahgelegenen Park und scheine die Bäume vor mir zu begutachten. Meine Hände wandern in meine Hoodietasche während sich meine Mundwinkel etwas in die Höhe ziehen.
"Der Platz hat's dir angetan, hm?", vernehme ich eine Stimme hinter mir und zucke impulsiv zusammen als mein Kopf nach links schnellt und ich direkt in Louis lächelndes Gesicht schaue. "Ein wenig.", gebe ich zu und mein Lächeln wird breiter, woraufhin er auf den freien Platz neben mir deutet und bedacht fragt, ob ich was dagegen hätte, wenn er sich setze. Ungeniert frage ich "warum sollte ich?" und beobachte ihn dabei wie er sich neben mir niederlässt. Ich bemerke wie auch er seinen Blick durch die Gegend schweifen lässt ehe er hörbar ausatmet und erklärt, dass man manchmal lieber allein sein wolle.
"Aber du bist okay.", entgegne ich und entlocke ihm ein raues Lachen sowie einen kurzen Seitenblick. "Das wollte ich hören."
Ich schmunzel als ich erwidere, dass mir das klar ist und eine Weile herrscht eine Stille zwischen uns in der lediglich das Zwitschern der Vögel zu hören ist.
Irgendwann nehme ich sein Flüstern wahr. "Ich liebe es hier.", sagt er. "Dieser Platz schreit schon fast nach Entspannung und Ruhe." "Etwas paradox, meinst du nicht?", frage ich ihn amüsiert und er zuckt mit den Schultern. "Meinetwegen."
"Es ist schön hier zu sein.", murmel ich auf einmal und sehe wieder geradeaus. "Es ist schön mal nicht im Getummel zu sein." Perplex höre ich Louis stöhnen. "Ich verstehe nie wie man sich wohlfühlen kann, wenn man mittendrin ist - ich weiß nicht."
"Naja, manchmal hat es was.", rechtfertige ich es, füge jedoch hinzu, dass ich das auf Dauer auch nie könne.
Ein schiefes Grinsen legt sich auf seine Lippen als er meint, dass das wohl der Unterschied zwischen uns beiden sei. "Unterschiede ziehen sich an.", kommentiere ich ironisch und erneut fängt er an zu lachen."Du hast es also auch gespürt?", hakt er scherzhaft nach, woraufhin ich mir pathetisch ans Herz fasse und antworte: "Tief in meinem inneren, ja." Gespielt erleichtert fährt er sich durch die Haare. "Das beruhigt mich.", gibt er zu.
"Jetzt wo wir das geklärt haben, können wir nun beruhigt sterben."
"Solange ich dich nicht vorher umbringe.", behauptet er und zieht süffisant eine Augenbraue hoch. "Wer weiß, vielleicht bin ich der Kettensägenmörder bin, der seine Opfer an stillen Orten sucht?"
Ich schüttel den Kopf und kontere lachend: "Dafür bist du zu knuffig... und klein." Er öffnete den Mund gerade, um mir gekonnt etwas entgegenzuhalten als sein Gesicht empört verzieht. "Ich bin nicht klein, Hazza.", widersprach er perplex und seine Augen wurden um einiges größer. "Nur weil du vielleicht etwas größer bist als ich, heißt das nicht automatisch, dass ich klein bin... Und wer sagt denn, dass Serienmörder riesig sein müssen? Es gibt bestimmt welche, die sogar kleiner sind als 1,72. Ich meine, das ist eine Durchschnitts-", redet er weiter als ich ihn in seinem Redewall unterbreche. "Wie hast du mich gerade genannt?", frage ich überrascht und sehe ich weiter an. Kurz scheint er verwirrt als auch er mir in die Augen sieht ehe sich wieder ein Lächeln auf seine Lippen legt. "Du bist unfassbar gut darin, Themen zu wechseln, Hazza."
"So wurde ich noch nie genannt."
"Ich mag es Menschen, die ich kenne, einen Spitznamen zu geben.", erklärt er. "Volle Namen sind langweilig und unpersönlich."
Ich bewege meine Lippen als die Bilder ruckartig die eines Stummfilmes ähnelten. Die Erinnerung verlor an Farbe bis meine Sicht komplett schwarz wurde und ich plötzlich japsend die Augen aufschlug und auf meine Mitschüler sah, die anfingen kreuz und quer durch die Halle zu laufen. "Was zur Hölle.", entwich es mir während ich mir erschüttert an den Kopf fasste und versuchte meinen Puls runterzufahren. Dafür musste es bestimmt eine logische Erklärung geben, redete ich mir ein und verwies dabei auch auf die letzte Erinnerung, die vermutlich auch nicht der Wahrheit entsprach. Denn ich sah keinen triftigen Grund dafür, je ein so freundschaftliches Gespräch mit Louis geführt zu haben. Mein Unterbewusstsein hasste mich, dachte ich. Am besten wäre es, wenn ich diese ganzen Irrungen und Wirrungen streichen und versuchen würde, ihnen keinen Glauben zu schenken. Mein Gehirn spielte mir einfach einen echt widerlichen Streich und -
"Harry.", drang Jones nicht sehr erfreute Stimme zu mir durch, der wie aus dem Nichts vor mir stand. "Was sitzen Sie hier noch so tatenlos rum, hab ich mich missverständlich ausgedrückt?"
Ertappt sah ich zu ihm als ich mich kurzerhand aufrappelte. "Nein.", entwich es mir, woraufhin ich anfing zu laufen während ich diesmal wirklich dachte, gleich umzufallen.
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Remember You I Larry Stylinson
FanfictionEs ist schwer, jemanden zu vergessen, der dir so viel zum Erinnern gab. geschrieben von @ItsDizzy und @emuliert
