31.

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Am nächsten Tag nahm ich mir vor, mit keinem meiner Freunde ein Wort zu wechseln. Ich bemerkte ihre Blicke und war mir absolut sicher, dass sie alle Bescheid wussten- und das, vor mir. Ich sah es ihnen an. Alles von Schuldbewusstsein über Verleumdung bis hin zu aufgesetzter Objektivität. Ich erkannte, wie sie es mit ihrem langlebigen, abgefuckt charmanten Lächeln versuchten zu überspielen und ich hätte wirklich kotzen können.

In Deutsch setzte ich mich um, damit ich nicht neben Zayn und Alec sitzen musste und tatsächlich redete ich sogar mit meiner Sitznachbarin. Gut, mein Repertoire an Wörtern lag in einem überschaubaren Rahmen und war wohl weitaus erweiterbar, allerdings war ich stolz auf mich, es trotzdem gemacht zu haben. Darüber hinaus, empfand ich Jaqueline als eine weitaus charmantere Gesprächspartnerin als es einer von ihnen je gewesen ist (- verrückt, oder?). Vielleicht sollte ich mir einen neuen Freundeskreis schaffen.

Beim Klingeln zur ersten Pause packte ich extra langsam meine Sachen in den Rucksack, um es zu vermeiden mit den Zweien in Kontakt zu kommen und ich nun wohl keinen Platz am Tisch freigehalten bekomme, was, wenn man es so ausdrückt irgendwie nicht richtig klingt. Besser gesagt, wollte ich gar keinen Platz freigehalten bekommen. Bloß fühlte ich mich nicht ganz wohl dabei, mich gleich neben irgendjemanden zu setzen. Ich war kurz davor, Jaqueline zu fragen, ob es okay wäre, wenn ich mit ihr an einen Tisch setzen könne, allerdings schien mir das doch zu überholt. Zudem war sie bereits die Erste, die aus dem Klassenraum gestürmt ist und so schnell wäre ich beim besten Wille nicht mit größter Mühe gewesen. Also verließ ich mit Miss Edwards, welche mir zum Abschied noch ein ermutigendes Lächeln schenkte als letztes den Kursraum.

Zögerlich zog ich den Gurt meiner Tasche enger während ich ohne die geringste Spur von Eile den Schulflur entlang schlenderte. Fokussiert starrte ich auf die übervolle Cafeteria und vermied es, jemanden direkt anzusehen. War es paranoid zu glauben, dass die ganze Schule mich angaffte? Ich fühlte mich bereits in den ersten zwei Stunden so ähnlich wie in der Woche, in der ich mir meine Haare abgeschnitten hatte - furchtbar.

"Hey Harry.", nahm ich eine gehetzte Stimme hinter mir wahr und zuckte unmerklich zusammen, da ich nicht damit gerechnet hätte, angesprochen zu werden. Durcheinander drehte ich mich, so dass ich geradewegs in Ashtons Gesicht sah. Ich schluckte derweil sich ein Runzeln auf meine Stirn legte und ich nicht recht wusste, wie ich mich gegenüber von ihm verhalten sollte. Bevor sich mein Schweigen in die Länge ziehen konnte, sagte er, dass er reden wollte. "Und ich denke, du brauchst gerade auch wen.", fügte er eindringlich hinzu und schaute mir tief in die Augen, was mir den Magen umdrehte.

Zwar hatte ich auch auf ihn einen Hals, aber je länger ich dort, desto präsenter wurde die Frage, wieso überhaupt. Ashton wirkte mir von Allen am vernünftigsten, ich meine, dass ich ihm, soweit ich zumindest dazu imstande war, zu beurteilen, vertrauen konnte und vielleicht war ich ja auch zu voreilig mit dem Entschluss, in niemanden von ihnen einen richtigen Freund gehabt zu haben. Und so verdonnerte ich mich dazu, meine zuerst aufkommende Antwort "Nein brauche ich nicht" zu unterbinden. "Ja.", erwiderte ich zu wohl jedermanns Überraschung und Ashton atmete auf binnen seine Mundwinkel sich ein klitzekleines Stückchen in die Höhe zogen. Er hatte sicher damit gerechnet, dass ich nicht wollen würde.
"Rede.", forderte ich ihn mühsam, aber hart auf und wurde Zeuge davon wie der Ansatz eines Lächelns zunichte gemacht wurde.

"Ich hatte ihnen gesagt, dass sie damit aufhören sollen. Ich habe ihnen so oft gesagt, dass ich es nicht toleriere.", sprudelte es aus ihm heraus. Es fiel mir schwer, seinem Blick standzuhalten aufgrund seiner ausgeprägten Armbewegungen. "Ich wollte es dir sagen als ich es erfahren hatte- wirklich, aber die Ereignisse... sie überschlugen sich und ich dachte spätestens jetzt, nach Alldem, würden sie es lassen." Nachdem ich vier Monate nicht bei Bewusstsein gewesen bin und mein Erwachen laut meinen Arzt an ein Wunder grenzt, dachte er, sie können sich beherrschen und seien verflucht nochmal in der Lage, sich nicht vor meinen Augen mit Blicken auszuziehen. "Luke hatte Alec deswegen beinahe einen Kinnhaken verpasst. Du musst mir glauben, dass ich nicht wusste, dass das zwischen den Beiden immer noch aktuell ist." Ashton packte mir an die Schulter und ich konnte sie mir beide lebhaft in einem Boxring vorstellen (natürlich mit entsprechender Bekleidung). Auf Anhieb entschloss ich auch Luke von den nicht gern gesehenen Menschen in die Rubrik der abgesegneten Bekannten zu stecken. Zu gern wär ich dabei gewesen oder hätte selbst zugeschlagen.
"Ich verstehe einfach nicht, warum sie dann überhaupt noch mit mir zusammen war, wenn sie eh was mit Alec hatte. Und das schon vor dem Alldem.", erklärte ich, denn dieses ganze Konstrukt schien mir so sinnfrei und suspekt. Ich sah keinen Ansporn darin, jemanden unter diesen Umständen eine Beziehung vorzugaukeln oder generell so zu tun als sei man verliebt, obwohl man es offensichtlich nicht war.
"Ihr wart das Paar, das Paar der wohl gesamten Schule.", entgegnete Ashton darauf und sofort hörte ich Roses schnippische Stimme in mir, die versuchte mir genau das gleiche weis zu machen. Und genau wie gestern, verspürte ich den Drang dazu, mit der Faust gegen die Wand zu schlagen, was Ashton zu bemerken schien und murmelnd ergänzte, dass er auch all dies nicht stolz sei und bevor ich nachhaken konnte, was er genau damit meinte, da er beim besten Willen nichts für deren Verhalten konnte, redete er bereits weiter. "Ich wollte nur, dass du weißt, dass du trotzdem zu uns kommen kannst. Ich meine, du musst dich ja nicht direkt neben die beiden setzen." Ich schnaubte und fuhr mir müde durch die Haare. "Ja, ich weiß." Zäh nickte ich derweil ich mich bemühte ruhiger zu erscheinen. "Nur momentan habe ich nicht wirklich Lust dazu. Die Anderen können mir ruhig erspart bleiben.", gab ich zu, denn entgegen meiner herzallerliebsten Freunde blieb ich bei der Wahrheit und tischte ihnen keine Lügen auf. Ich war froh als sich sein Gesicht ein wenig erhellte. "Hey, man.",  meinte Ash alias die Ruhe in Person und knuffte mir harmlos gegen die Schulter, was mir tatsächlich ein raues Auflachen entlockte. "Lass dir Zeit."

Kurz nachdem er sich bereits ans Gehen gewandt hatte, rief ich ihm ein kleinlautes "Danke" hinterher, was ihn ein letztes Mal grinsend umdrehen ließ. "Nicht dafür, Styles.", verabschiedete er sich und verschwand im Getummel. Und auch wenn ich glaubte, keinen draufsetzen zu können, machte ich mich zur großen Überraschungen aller Anwesenden auf den Weg zu einer anderen Gruppe an Leuten.

"Hey.", warf ich zaghaft in die Runde als Niall seinen Arm gerade um Beth legte und plötzlich sechs Augenpaare auf mir lagen.


Remember You I Larry StylinsonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt