14.

67 6 2
                                        

|L

Axl Rose schrie mir seine Gefühle lauthals ins Ohr während ich meine Hände fröstelnd in meiner Jackentasche vergrub. Ich bog an der nächsten Kreuzung rechts ab und überlegte simultan, ob ich es noch schaffen würde, kurz in den Supermarkt zu gehen, um Phoebe und Daisy ihre heißgeliebten Nougat Bits zu kaufen, da sie heute Morgen noch so traurig darüber gewesen waren, dass der Karton leer war. Gedankenverloren zählte ich die paar zerquetschen Euros, die ich gerade dabei hatte, um nachzusehen, ob ich überhaupt genug Geld dabei hatte und nahm das laute Atmen und die sprunghaften Schritte zunächst gar nicht war. Erst als das nächste Lied ansprung, sah ich auf und entdeckte aus den Augenwinkeln eine Sillhouette auf der anderen Straßenseite, die mich im Bruchteil einer Sekunde bereits überholt hatte. Eigentlich hätte mich es nicht weiter interessiert und ich wär vermutlich einfach weitergegangen, ohne demjenigen in irgendeiner Weise Aufmerksamkeit zu schenken- doch irgendetwas ließ mich nicht drum herum kommen, meinen Blick zumindest kurz zu ihm schweifen zu lassen und auf der Stelle wusste ich, was. Denn diesen grauen Sweater würde ich wohl immer erkennen.

Unverzüglich riss ich mir meine Kopfhörer vom Kopf als ich laut Harrys Namen schrie, jedoch keine Reaktion von ihm bemerkte, da er unbeirrt weiterjoggte. Wie von selbst beschleunigte ich meinen Schritt und begann beinahe zu rennen. Ich nutzte einen Moment der Autoleere, um die Straße zu überqueren und spürte bereits ein Kratzen im Hals, nachdem mein Rufen immer lauter wurde. Stöhnend fuhr ich mir durch die Haare als ich bemerkte, dass er schneller war als ich gedacht hatte. Ich war nämlich gerade dabei, mein komplettes Outfit mitsamt Unterwäsche vollzuschwitzen derweil ich unter Harrys Achseln nicht einmal einen Ansatz von körperlicher Anstrengung erkannte. "Verdammt.", fluchte ich japsend und versuchte mein Tempo zu steigern, ohne viel Erfolg. Ich war mir sogar sicher, dass ich schneller gewesen wäre, hätte ich einfach nicht angefangen zu rennen und doch sah ich es jetzt nicht mehr ein, aufzuhören.

Aber das eine Mal schien das Schicksal es gut mit mir zu meinen als Harry ein paar Blocks weiter plötzlich anhielt, um wahrscheinlich eine Verschnaufspause oder etwas dersgleichen zu machen und das gab mir schließlich einen gewaltigen Schub, dass auch ich wenig später neben ihm stand. Mein Atem ging stoßweise als ich mich entkräftet auf den Oberschenkeln stützte und ein weiteres Mal seinen Namen aussprach. Allerdings wäre es auch ein Weltwunder gewesen, wenn er dieses krächzende Wispern gehört hätte, nachdem eben eine Bombe neben ihm einschlagen hätte können.

Ich rappelte mich mühsam auf und wollte gerade die Initiative ergreifen, ihn anzutippen, aber da kam er mir zuvor und zuckte zusammen als er mein Dasein bemerkte. Unvermittelt wich er etwas zurück binnen ihm seine Augen beinahe rauszufallen schienen. Er zog heftig an dem Kabel seiner Ohrhörer, so dass sie ihm beide in einem Zug rausfielen.

Gerade wollte ich den Mund öffnen, um ihn mit einem zähen Lächeln zu begrüßen als er mir einen Strich durch die Rechnung machte, indem er das Wort an sich zog. "Jetzt läufst du mir auch noch hinterher?", platzte es völlig fassungslos aus ihm heraus und ließ mich damit in der Bewegung einfrieren. "Wie krank kann man sein?"

Betroffen war ich es nun der einen Schritt nach hinten taumelte und wünschte, dass ich mich an irgendetwas hätte festhalten können, da ich spürte, wie meine Beine anfingen unmerklich zu zittern. Es war als hätte er mir verbal ins Gesicht geschlagen, so kräftig, dass all die Dinge, die mir eben noch auf der Zunge lagen wie vom Erdboden verschluckt schienen. Wieso sagte er das, hallte es in meinem leergefegten Schädel. Denn so sehr er mich auch verabscheuen oder hassen mag, dachte ich, dass er mich nie als krank bezeichnen würde.

"Harry.", raunte ich stockheiser und es fiel mir unsagbar schwer ihn in diesem Moment anzusehen- in sein vor Wut verzerrtes Gesicht zu sehen. Ich stand reglos dort während seine Blicke mich zu durchbohren schienen. Verflucht, ich vergaß, wo links und rechts war als ich mitbekam, dass seine rechte Hand sich zur Faust ballte und ich instinktiv nach Luft schnappte wie ein Fisch, dem der Sauerstoff fehlte.
"Komm mir nicht an mit deinem scheiß Harry!", kam es ihm ungehemmt über die Lippen es, woraufhin ich unterbewusst einen weiteren Schritt nach hinten stolperte, denn so aufgebracht hatte ich ihn bisher nur ein einziges Mal erlebt. Dass ich nun der Auslöser seiner Hysterie zu sein schien, tat unvorstellbar weh. Ich war mir sicher, dass mein Herz gleich aus meiner Brust springen würde, wenn es vorher nicht aufhöre zu schlagen. Unüberlegt schlüpfte aus mir heraus, was denn in ihm gefahren ist und ich hätte es am liebsten zurückgenommen als ich seine Halsschlagader unnatürlich pulsieren sah. "Was in mich gefahren ist?", brüllte er mich an und verminderte die Distanz zwischen uns beiden "Ist das dein beschissener Ernst?" Ich dachte, er würde mir im nächsten Moment die Nase brechen, doch ich war außerstande, mich auch nur einen Millimeter von der Stelle zu bewegen. Auch meine Stimme war unauffindbar. "Reicht dir der ganze Scheiß, den du angerichtet hast, noch nicht?", erinnerte er mich eindringlich und schien mir die Worte ins Gesicht zu spucken. Unbewusst fing ich fast schon krankhaft an meinen Kopf zu schütteln- das ergab alles keinen Sinn, redete ich mir ein und suchte nach dem Sinn, verstand klipp und klar gar nichts. "Halt dich einfach von mir fern du perverses Arschloch!", herrschte Harry mich an, so als könne er es keine Sekunde länger ertragen, nur die selbe Luft wie ich einatmen zu müssen.

Remember You I Larry StylinsonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt