Am darauffolgenden Tag war alles wie gehabt. Wir trafen uns wie jeden Tag am ersten Tisch von rechts der Cafeteria, in der allgemein bekannten Sitzordnung. Luke neben Ashton, Liam neben Cheryl, gegenüber saß Zayn meist neben Ashley und Rose immerwährend neben mir. Alec kam oft später, weswegen er der Einzige war, der keinen festen Platz hatte und sich normalerweise einfach neben irgendjemanden setzte, mit dem er sich gerade unterhalten wollte, hatte zumindest ich den Anschein. Heute saß er gegenüber von Rose und mir, wobei es wohl eher Roses als mein Verschulden war, da man in mir wohl keinen potentiellen Gesprächspartner sehen konnte. Sie diskutierten schon seit Beginn der Pause über das Motto des Abschlussballs. Während Ashley, Ashton und Luke deutlich zufrieden mit dem gewählten Thema Starry Night waren, hatte sich Cheryl sehnlichst einen Maskenball gewünscht, da Hilary Duff im Prinzessinenkleid sie als Kind von Mal zu Mal mehr verzaubert hatte. Und ehrlich, je länger sie davon schwärmte, desto größer wurde mein Hang mir diesen verfluchten Film anzusehen und ich fragte mich, ob ich da der Einzige war. Ich war ohnehin schon die ganze Zeit verblüfft darüber gewesen wie wenig sich Rose in die Debatte einbrachte, da sie es doch so sehr mochte, andere von ihrer Meinung zu überzeugen und zu all meinem Erstaunen, entschuldigte sie sich schließlich mit der knappen Erklärung, dass sie eben mal für kleine Mädchen müsse. Bevor ich reagieren konnte, hatte sie mir bereits einen flüchtigen Kuss auf die Wange gedrückt während sie sich aufrappelte und schließlich im Getummel der Menschen verschwand. Es war irgendwie merkwürdig, denn ich bemerkte aus dem Augenwinkel, dass auch Alec untypischerweise nicht wirklich ganz bei der Sache zu sein schien und Rose noch eine ganze Weile hinterher sah. Jedoch riss ich mich zusammen, nicht zu viel in die Situation zu rein interpretieren, denn vielleicht war ich einfach nur schlecht darin, hinter andere Fassaden zu sehen und überdachte Gesten anderer wie meine, ohne das sich mein Gegenüber irgendetwas dabei gedacht hatte. Es kostete mich große Mühe mich wieder dem Gespräch zu widmen und gerade als ich es geschafft hatte, machte Alec es wieder zunichte, indem er wortlos aufstand und in die gleiche Richtung wie Rose ging.
Sekunden verstrichen, in denen ich mit dem Gedanken spielte, ihm zu folgen. Vielleicht muss er ja auch auf's Klo. Willst du ihm auflauern oder ihm vielleicht den Toilettengang verwehren?, hörte ich die impulsive Stimme meines Kopfes sarkastisch lachen. Das ist doch lachhaft und gegen das Gesetz. Ich spürte wie die Fingernägel sich in meine Haut bohrten als mir der Boden unter den Füßen entzogen wurde. Im letzten Moment versuchte ich mich mit meiner Hand am Tisch festzuhalten derweil sich ein schwarzer Vorhang vor meine Augen legte und ehe ich mich versah, steckte ich schon in der nächsten Erinnerung.
Bunte Lichter fallen auf die Masse an tanzenden Menschen. Ich stehe etwas abseits und beobachte argwöhnisch das sich mir bietende Bild. Ich lache kurz als ich Ashley erkenne wie sie von zwei Football-Spielern im Trikot verkehrt herum ans Bierfass gehalten wird während ein größerer Halbkreis sie anfeuert. Sie stellen sie wieder auf die Beine und geben ihr Halt aus Sorge, sie könnte umkippen. Ashley wischt sich jedoch mit dem Handrücken über den Mund ehe sie sich aus ihrem Griff zwängt und die Arme lauthals lachend in die Luft schleudert. Schmunzelnd wende ich meinen Blick ab und lasse ihn weiter durch den Raum wandern. Zayn knutscht auf der anderen Seite mit einem Mädchen rum, dessen Gesicht ich nicht erkennen kann. Luke und Ashton sind dabei eine Partie Beer Pong zu gewinnen. Schnaubend stelle ich den roten Plastikbecher auf einen naheliegenden Tisch ehe ich mir einen Weg durch das Wohnzimmer bahne und die Treppen hoch gehe. Müde fahre ich mir über das Gesicht und gehe den abgedunkelten Flur entlang. Kurz verweile ich vor der verschlossenen Tür als ich mit meiner Hand den Knauf umfasse, um sie zu öffnen. Meine Augen weiten sich. Ich taumel etwas nach vorne, halte mich am Türrahmen fest und bleibe stramm am Eingang stehen. "Spinnt ihr jetzt komplett?", entfährt es mir aufgebracht. Beide stoppen mitten in der Bewegung und fahren flott auseinander. Roses Wangen färben sich rot als auch ihre Augen groß und rund werden. Stammelnd entfliehen ihr zusammenhangslose Worte. Alecs Lippen ziehen sich bei meinem Anblick zu einem süffisanten Grinsen und Rose versucht noch vergeblich ihren BH-Träger hochzuziehen. "Wollt ihr mich verflucht noch mal verarschen?", keife ich eindringlich. Ich fixiere Alec, der sich kurzerhand aufsetzt, um leichter vom Bett zu kommen. Meine Brust hebt und senkt sich gefährlich langsam. "Ohne scheiß, Harry.", beginnt Alec seinen Vortrag und stellt sich anstandslos direkt vor mich. "Ich denke, du bist ja wohl derjenige, der die meiste Schuld daran trägt.", wirft er mir vor. "Dich müsste es doch gar nicht interessieren, du interessierst dich ja sonst auch für nichts und niemanden." "Du gibst mir die Schuld für eure nicht vorhandene Selbstbeherrschung?"
"Ich gebe dir die Schuld dafür, dich einen Dreck zu scheren.", meint Alec, dessen Lächeln längst abhanden gekommen ist, pissig. "Du tust ja nichts weiter als dich mit deinem verfickten Schwuchtel-Freund zu treffen und Löcher in die Luft zu starren!" "Halt dein Maul!", herrsche ich ihn wütend an, doch Alec denkt nicht einmal dran. "Rose hat nun mal Bedürfnisse-" "Bedürfnisse?", hake ich spöttisch nach und schüttel ungläubig den Kopf. "Das ist lange kein Grund, fremd zu ficken."
Alec fängt zynisch an zu lachen und tritt einen Schritt nach vorn, dass ich seinen Atem spüre. "Als wenn du es nicht auch tun würdest mit deinem Loverboy."
"Ich bin nicht derjenige, der betrogen hat, du Scheißkerl!", knurre ich. "Und tu nicht so als würdest du mich kennen und wissen, was ich täte. Du interessierst dich alleinig für dich, erzähl mir nicht, Roses Bedürfnisse lägen dir am Herzen. Du bist einfach froh, gelegentlich einen geblasen zu bekommen!" "Verdammt, du checkst gar nichts.", stöhnt er theatralisch. "Seit du ihn kennst, bist du ein komplett anderer Mensch und du siehst es noch nicht einmal."
Ohne auf seine Behauptungen einzugehen, frage ich stattdessen zornig, wie lange das schon gehe. "Das ist doch lächerlich.", verhöhnt Alec mich selbstgefällig. "Wie lange geht das schon?", frage ich noch einmal, diesmal deutlich lauter. "Mal überlegen." Er spitzt gespielt nachdenklich seine Lippen und nickt dabei gemütlich. "Wie lange kennst du diesen Bastard?", fragt er provokativ, worauf meine Hand sich zur Faust ballt und ich ihn zur Hölle wünsche. Rose greift nach Alecs Arm, versucht ihn von mir wegzuziehen. Er drückt sie hinter sich und gerade als ich aushole, war es Zayns "Ey", das mich blinzend auf die von Schulveranstaltungen plakatierte Wand sehen ließ.
"Hau rein, Harry! Wir müssen los.", drängte der Schwarzhaarige neben mir. Verwirrt nickte ich als ich mich langsam aufrappelte und ihn anstarrte als würde ich die Antwort auf all meine Fragen auf seinem Gesicht ablesen können. "Worauf wartest du?" Perplex schüttelte er den Kopf und wies mir an, doch endlich in die Gänge zu kommen bevor er vorging. Mit prüfendem Blick sah ich ein letztes Mal in die Gesichter meiner Freunde und ich wusste nicht Recht, was mich mir erhofft hatte, jedoch irritierte mich ihr normaler Smalltalk von der einen auf die andere Sekunde. Es war paradox, aber irgendetwas in mir sträubte sich abrupt gegen die Gehaltlosigkeit ihrer Gesprächsthemen sowie ihr konstantes Lächeln auf den Lippen. Es war bescheuert, aber ich dachte, dass alle sich irgendwie anders verhalten würden, nachdem ich diese Szenen im Kopf gesehen hatten. Aber es tat niemand.
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Remember You I Larry Stylinson
FanfictionEs ist schwer, jemanden zu vergessen, der dir so viel zum Erinnern gab. geschrieben von @ItsDizzy und @emuliert
