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Beschämt wischte ich mir all die Tränen von der Wange. "Wir sollten zum Bus.", nuschelte ich, bekam allerdings meine Zähne kaum auseinander. Ich meidete einen Blick auf reflektierendes Glas zu riskieren - aus Angst, es würde mir tatsächlich noch die Schamesröte ins Gesicht treiben, wenn dies nicht schon der Fall gewesen wäre.
Ich wunderte mich, ob er mich überhaupt verstanden hatte, da er noch immer wie verstummt neben mir saß und mich durchbohrte mit seinem Blick. Seine starren Augen spürte ich ohne richtig hinzusehen. Ein unangenehmes Ziehen durchlief meine Brustwirbel, dass ich befürchtete, sie würden brechen, wenn nicht sogar mein gesamter Torax aufplatzen würde (da würden meine Brustwirbel wahrscheinlich noch eins der kleineren Probleme sein) - es brachte mich vollkommen aus dem Konzept.
Nervös zupfte ich am Ärmel meines Pullovers und legte meine Hände quälend langsam auf den Schoß. Mein Kopf neigte sich beinahe selbstständig zur Seite. Für einen Augenblick erblickte ich das Blau und mein Atem geriet ins Stocken. Gottverdammt, ich wollte mir gar nicht vorstellen wie jämmerlich ich gerade aussehen musste, mit geschwollenen Augen und roter Nase. Augenkontakt war auf irgendeine Weise eine ziemlich gefährliche Sache.
Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch ich wusste, ich konnte es nicht. Um nichts in der Welt, hätte ich es geschafft, ein Wort rauszubekommen ohne dass meine Stimme brach, ohne dass ich erneut anfing zu weinen und das fuckte mich ab. Wieso überrollte mich jede noch so kleine Kleinigkeit mit solch einer Heftigkeit, dass ich vergaß, wo oben und unten war? Ich dachte ständig so viel nach, dass die Frage, wie das aufgrund meines vollkommen gewöhnlichen Schädelvolumens überhaupt möglich sei, berechtigt war. Und als wäre das nicht schon genug, ist es als würde ich die Fülle aller existierender Gefühle in mir tragen, als könnte sie mich auf Knopfdruck wie eine Seifenblase zerplatzen lassen und ich war nicht im Stande dazu, irgendetwas dagegen zutun. Es ist so bescheuert, aber jedes Wort, jede Handlung, jeder verfluchte Atemzug schien direkt zu meinem Herzen zu gehen und da war es auch egal, wessen Auftreten ich analysierte. Denn, liebe Leute, ich war auch echt gut darin, das Verhalten meiner Mitmenschen zu überdenken und dass obwohl es schon bei der Selbstdefinition scheiterte. Krampfhaft suchte ich in seiner Mimik Antworten darauf wie es in ihm aussah, welche Überlegungen in seinem gewöhnlichen, im Gegensatz zu meinem allerdings kleineren Schädel herumschwirrten und ihn vielleicht ebenso verwirrten, doch ich erkannte nichts. Nicht den Funken einer Regung, die mir etwas über seine Gefühlswelt mitteilen könne. Es war kein Geheimnis, dass ich aus meinen Mitmenschen nicht schlau wurde, aber Louis - er war mir von allen das wohl größte Rätsel, das ich anstrebte zu entschlüsseln. Koste es, was es wolle.
Ehe meine Gedanken sich mit Herz und Seele überschlugen, zuckte ich zusammen und spürte Louis Arme, die sich im Bruchteil einer Sekunde um mich legten und mir letztendlich den Rest gaben.
Ohne dem nachzusinnen, was ich hier überhaupt tat, hatte sich mein Gesicht schon gegen seine Brust gedrückt während meine Finger Halt an seinem Shirt suchten. Ich bemerkte erst spät, dass ich wieder angefangen hatte zu weinen. Das Einzige, woran ich in diesem Moment denken konnte war wie schön Umarmungen sein konnten. Denn ich glaube, das hatte ich gerade gebraucht; eine feste, lange Umarmung. Eine Echte, in der man seinen Gegenüber an sich zieht und wirklich spürt, in seinem Nächsten eine Person zu haben, die dich gut leiden kann. Auf diese höflichen Umarmungen mit gefühlt 20 cm Körperabstand, in denen man sich nur flüchtig streift, konnte ich gut verzichten - von denen hatte ich in den letzten Wochen und Monaten mehr als genug gehabt. Ich gab mir immer Mühe, ein Wort zu finden, das meine Gefühle mehr oder weniger beschreibt - ich legte mich ins Zeug, mich zu begreifen und tat es für diesen klitzekleinen Augenblick auch. Ich verstand, dass die Erinnerungen einer echt guten Freundschaft definitiv nicht falsch waren. Die Geborgenheit, die von ihm ausging und mich durchlief, konnte ich mir kaum zusammenfantasiert haben, denn ich spürte sie in jeder verfluchten Vene meines Körpers. Die Stille zwischen uns sagte viel, mehr als wir es mit einfachen Worten hätten tun können und ich genoss es.
Allerdings war es natürlich naiv zu glauben, das Schweigen würde Bestand haben.
"Es ist okay, nicht okay zu sein.", hörte ich Louis irgendwann sagen und trotz der Tatsache, dass es sich bei seinem Sprechen um Flüstern handelte, klang in seinem Ton eine derartige Ernsthaftigkeit mit, die mich wirklich traf. Mit dem letzten bisschen meiner Kraft schüttelte ich meinen Kopf ohne ihn großartig zu bewegen. Atme tief durch und erinnere dich, wer zum Teufel du bist, Harry Styles. Mir war bewusst, dass er nicht erwartete, dass ich ihm antwortete - eine Sache, die ich unheimlich an ihm schätzte. Louis war nicht fordernd, hatte keine zu hohen Erwartungen, setzte mich nicht unter Druck und am wichtigsten, er war geduldig. Die Einsicht seiner extremen Duldsamkeit überrollte mich wie eine Lawine. Unabsichtlich zogen Begegnungen der letzten Monate vor meinem inneren Auge vorbei, Gespräche, die ich zu verdrängen versuchte, Beleidigungen, die ich am liebsten alle wieder zurücknehmen würde. Doch in diesem Augenblick hatte ich nicht den Arsch in der Hose, mir fehlte der Mut, es auszusprechen und so verweilte ich noch eine geraume Zeit in der Position, in Schweigen gehüllt.
"Ich bin es leid, nicht okay zu sein.", entwich es meinen Lippen ehe ich unbewusst den Geruch seines Shirts einsog. "Ich kann das alles nicht länger."
"Ich weiß.", sagte er und ich meine, dass er mich kurz enger an seine Brust drückte. "Manchmal braucht alles nur ein wenig Zeit. Wir machen langsam, nehmen die Dinge Tag für Tag. Du wirst okay sein."
"Wie willst du das anstellen?"
"Du schaffst das, Harry - du kannst verflucht noch mal alles.", entgegnete er bestimmt als er sich etwas von mir löste, um mir in die Augen zu schauen. Wow, dachte ich. Irgendetwas musste ich ja in meinem vorigen Leben richtig gemacht haben, dass er sich so um mich bemühte, dass er immer noch so nett zu mir war. "Gerne helfe ich dir und bin für dich da. Ohne es gut reden zu wollen, aber vielleicht tat dir die Distanz ganz gut, vielleicht hilft es dir mit der Zeit, dich klarer als vorher zu sehen." Müde schnaubte ich während ich über die Schläfe zu meinen Haaren fuhr und sie mir nach hinter strich. "Wir lernen uns wieder kennen. Du wirst dich finden, Hazza, das verspreche ich dir."
"Ich wünschte, ich könnte dir glauben. Wirklich, ich wünschte das alles wäre so simpel wie du es sagst.", murmelte ich.
"Dass es einfach ist, habe ich nie behauptet." Ein einfaches Lächeln legte sich auf seine Lippen, das mir ganz warm ums Herz werden ließ. "Aber das war sowieso nie unser Ding."
Als ich darafhin nachhakte, was denn dann unser Ding war, entfloh ihm ein amüsiertes Lachen. Schmunzelnd neigte er seinen Kopf nach vorn, um aus dem Fenster zu schauen.
"Wir sollten zum Bus.", sagte Louis und verdammt.
Dieses Lächeln.
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hola friends,
es fühlt sich schön an, mal wieder 'n bisschen zu uploaden. :-)
ich hoffe, euch gefällt's
☀️ige grüße und viel liebe
x em
p.s. your smile lights up someone's world
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Remember You I Larry Stylinson
FanfictionEs ist schwer, jemanden zu vergessen, der dir so viel zum Erinnern gab. geschrieben von @ItsDizzy und @emuliert
