"Fuck.", hustete ich. Ich kniff meine Augen zu, das Sonnenlicht, das durch meine Jalousien flimmerte, versuchte mich beinahe zu erblinden. Meine Stimme war nichts weiter als ein raues und kehliges Krächzen- allein ein Wort schien meine Stimmbänder schon vollends zu überlasten. Und zu meinem Unglück spürte ich, wie mein Kopf begann zu schmerzen. Das Dröhnen, das sich mit einem Hämmern vergleichen ließ, betäubte meine Schläfen und je dringender ich versuchte, es auszublenden, desto immenser wurde es.
Fast als würde jemand mit einer Axt versuchen sich aus meinem Schädel zu kämpfen.
"Nie wieder." Jede andere Person hätte wohl gar nicht bemerkt, dass ich meinen Mund überhaupt einen Millimeter geöffnet hatte während ich mich dort in quälender Liegeposition im Bett befand und sich das Raunen in meinen Ohren unmenschlich laut anhörte.
Mutwillig schnappte ich eines der Zierkissen neben mir, um mich damit für den Rest des Tages zu verschanzen und den sonnigen Mittagsanbruch auszublenden... wäre da nicht meine Mutter mit all ihren Prinzipien.
Sie versetzte mich in Unruhe als sie urplötzlich in mein Zimmer marschierte. Ich verkrampfte als ich stutzig unter dem Kissen hervor lugte, nur um sie mit einem Glas Wasser und einer Aspirin-Tablette in der Hand zu sehen. "Ich hab's dir gesagt.", schnaubte sie und würde ich mich nicht so hundeelend fühlen, hätte mir ihr müder Tonfall sicherlich Bauchschmerzen bereitet- stattdessen fing ich an mir stöhnend meine Schläfen zu massieren. Mir fiel auf, dass ich mich an rein gar nichts des vorigen Abends erinnern konnte, geschweige meiner Heimkehr und dem Weg ins Bett. Würde ich mich nicht so hundeelend fühlen, hätte ich vielleicht sogar laut aufgelacht, denn eigentlich sollte ich es gewohnt sein, oder nicht? Mein gesamtes Leben war ein großes, ausstehendes Fragezeichen.
Sie reichte mir das Glas und die Tablette mit der schlichten Aufforderung, die Arznei zu schlucken.
Gezwungen setzte ich mich auf, um ihrem Anliegen nachzugehen. Es kostete mich aufgrund des Kratzens im Hals eine ungeheure Mühe, das kleine, runde Scheibchen einzunehmen. "Danke."
Das Gefäß stellte ich kurzerhand auf meinen Nachtschrank als meine Mutter unterstrich, dass damit Partys für mich erst mal ausfallen würden- und ehrlich gesagt war eine Feier mit lauter Musik und alkoholisierten, aufdringlichen Menschen gerade das Allerletzte auf meiner want-to-do-Liste, direkt hinter Vogeldreck auf den Kopf bekommen und Pfützenwasser trinken. "Ich wollte eigentlich sowieso nicht.", murrte ich während ich mich langsam an die Helligkeit gewöhnte.
"Oh, das glaube ich dir sofort."
Kurz bevor sie wieder über die Türschwelle aus meinem Zimmer verschwand, fügte sie noch hinzu, dass sie mir was zu essen mache.
Ich zuckte beim Zumachen der Tür zusammen und starrte einige Sekunden auf das weiße Holz bevor mir brüsk das stechende Aroma von Alkohol in die Nase kroch. Ich roch als hätte ich im puren Absinth gebadet und es gleich als Conditioner verwendet. Was hatte ich gestern bitte alles getrunken?
Nicht lange erschien mir eine warme Dusche als ein Hindernis, da dieser scheußliche Duft immer intensiver wurde, je länger ich darüber nachdachte.
So versuchte ich mich wenig später aufzustellen (ich konnte gut reden).
Fluchend hielt ich mich an meiner Kommode fest während meine Beine Wackelpudding glichen und ich mir unentwegt einredete, nur irgendwie ins Badezimmer kommen zu müssen, da ich mir sicher war, dass es mir frisch geduscht besser gehen würde.
Taumelnd schaffte ich es nach mehrfachen Anläufen, das Badezimmer zu erreichen, in dem ich mich geschwächt am Waschtisch festklammerte, um mein Gleichgewicht nicht zu verlieren.
"Ich hasse Alkohol.", fluchte ich und öffnete den Wasserhahn, um mir zunächst mein Gesicht zu waschen. Beim Aufsehen starrte ich einem Fremden in die tristen Augen. Angewidert hob ich meine linke Hand, um mir durch meine strähnigen Haare zu fahren, die an Stirn und Hals klebten, groggy nahm ich die dunklen Schatten unter meinen Augen wahr.
Aus heiterem Himmel stoppte ich mitten in der Bewegung und lehnte mich mit meinem Gewicht gegen die Kommode, um nun beide Hände benutzen zu können.
Meinen langen Haarschopf steckte ich nach hinten und verfolgte jeder meiner Regungen durch den Spiegel.
Wie lange ich wohl warten musste, um diese Haarlänge zu erreichen? Die spröden Spitzen schienen mich fast schon provokant mit meinem alten Leben konfrontieren zu wollen- mit der Gegebenheit meiner absoluten Kenntnislosigkeit.
Ohne den Einfall ausgeklügelt überdacht zu haben, suchte eine Hand in den Schubladen nach einer Schere.
Mit einem Mal unterlag ich keinem Zweifel, dass ich den Entschluss bereuen würde.
Mir würde es gewiss helfen, einen bildhaften Neustart zu realisieren, dachte ich und fand eine Schere hinter unzähligen Deodorants und Hautcremes.
Meine Gedanken waren so laut und fassbar, dass ich nicht registrierte wie Mum mir nach wiederholtem Klopfen Gesellschaft im Badezimmer leistete.
"Was machst du da?", wunderte sie sich offensichtlich und ich ließ vor Schreck das Werkzeug fallen, um mich wieder mit den Händen an den Schrank zu heften, ich erkannte sie im Spiegel.
Entschuldigend tätschelte sie mich derweil ich mich ein wenig beruhigte und mein Augenmerk auf die langen Strähnen richtete, die erneut vor meinem Gesicht rumflogen.
"Ich weiß nicht- ich will sie abhaben."
"Wirklich?", hakte sie erstaunt nach während sie etwas näher an mich herantrat, um mich ebenfalls in der reflektierenden Glasfläche zu betrachten.
Sie strich mir eine Weile grüblerisch durch die Haare ehe sie sich bereits duckte, um die Schere aufzuheben und keine weitere Bestätigung meinerseits zu erwarten.
"Lass mich das machen.", sagte sie knapp, packte mit der anderen Hand nach dem niedrigen Hocker in der Ecke und zog ihn hinter mich.
Nun war ich es, der sich verblüfft von ihr auf den Stuhl bugsieren ließ, da sie sonst schwer schneiden könne. "Letzte Chance, Einspruch zu erheben."
Inzwischen hatte sie mir bereits einen Zopf gemacht während ich lediglich verstummt den Kopf schüttelte und sie anschaute. "Okay."
Wie durch Zauberhand war die Übelkeit verschwunden als sie mir ein sanftes Lächeln schenkte und schließlich begann, mir meine Haare zu kürzen.
In dem Moment hatte ich jegliches Zeitgefühl verloren und dementsprechend keine Ahnung, wie lange ich dort im Endeffekt saß bis meine Mutter mir ein letztes Mal durch die Haare strubbelte, um übersehene Härchen loszuwerden.
Schaubegierig stellte sie sich vor mich und fing an meine neue Frisur zu studieren.
"So?" Sie trat etwas zur Seite, damit ich aufstehen konnte, um das Resultat anzusehen.
Und als hätte mich heute nicht schon genug aus der Bahn geworfen, fuhr ich stutzend zusammen, da ich feststellen musste, wie unvertraut und anders ein Kurzhaarschnitt an mir wirkte.
Es war eigenartig als ich verhalten mit meinen Finger meine Haare durchkämmte und zügig zum Ende angelangte.
"Ja, das ist gut.", murmelte ich gedankenvoll und nahm flüchtig wahr, dass meine Mutter ihre Hände auf meine Schulter legte, über welche sie mich schmunzelnd anblickte.
"Schon lange her, dass deine Haare so eine Länge hatten."
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Remember You I Larry Stylinson
Fiksi PenggemarEs ist schwer, jemanden zu vergessen, der dir so viel zum Erinnern gab. geschrieben von @ItsDizzy und @emuliert
