Ich nahm das Schweigen, das uns auf dem Weg zum Bus umhüllte, dankbar an. Zu sehr war ich damit beschäftigt, mich wieder zu sammeln - meine verfluchten Gedanken zu ordnen. Ich versuchte Gesagtes wörtlich zu nehmen, ihm vollen Glauben zu schenken und darauf zu vertrauen, das er Recht mit allem behielt. Vielleicht würden viele behaupten, ich sei völlig naiv, aber ich musste mich wirklich anstrengen, ihm nicht blind zu vertrauen. Seitdem ich ihn näher kennengelernt hatte, lösten sich jegliche Bedenken in Luft aus und auch das jagte mir eine Mordsangst ein. Inzwischen hatte ich schon eine beachtenswerte Liste meiner Ängste zusammengetragen. Zu meinem großen Bedauern, war ich mir der Tatsache, dass noch einige viele dazukommen würden, mehr als bewusst.
Der Bus war, dem Himmel sei Dank, nicht allzu voll, weshalb wir uns relativ mittig in einen Zweier setzten. Etwas beduselt flog mein Blick über die Gesichter der anderen Fahrgäste. Vereinzelt drangen zusammenhangslose Gesprächsfetzen bis zu mir durch, denen ich allerdings weniger Beachtung schenkte, eben weil ich keinen von ihnen in einen größeren Sachzusammenhang einordnen konnte. Hinter mir nahm ich einen beschwingten Bass wahr, wenn auch gedämpft durch Kopfhörer und schaffte es sogar, den Beat als Billie Eilish-Song zu identifizieren (alle Achtung, reife Leistung, Harry!).
Immer wieder erwischte ich mich dabei, mit dem Kopf wohl fast überall zu sein, mit Ausnahme von mir.
Mich verblüfften die vielen Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten sowie deren Umgang miteinander. Sei es zwischen Fremden, Freunden, Familie oder Verliebten. Auch wenn ich wohl beichten muss, dass Liebespaare eine Art hypnotische Faszination auf mich ausübten, so wie auch zu dem Zeitpunkt.
Meine Augen klebten an dem Jungen mit orangegefärbten Haar, dessen Kopf sich in die Halsbeuge des blonden Mädchens schmiegte als sei er dort daheim. Ihr verliebtes Kichern sprach Bände und auch ihm waren die Schmetterlinge im Bauch anzusehen während seine Augen zu ihr nach oben schielten. Flink griff seine Hand nach ihrer, um ihre Finger ineinander zu verschränken als sei es die normalste, aber auch tollste Sache der Welt.
Mir entging das Lächeln, das Louis mir zuwarf derweil sich auch meine Mundwinkel von allein ein Stückchen nach oben zogen.
Nie hatte Rose mich derart hingerissen oder mich mit nur halb so viel Liebe angesehen. Ihr Lachen sprach keine Bände und auch meine Raupen mussten mittlerweile in ihren Kokons krepiert sein. Selbst diese zwei Menschen, denen ich vorher im Leben nie begegnet bin und zu denen ich keinerlei Bindung hege, schienen mehr Gefühl in mir auszulösen als sie es je geschafft hatte. Verdammt, es war mir kaum möglich, meinen Blick von ihnen zu lösen.
Ich dachte zurück an die Tage, wo ich beinahe jeden zweiten Tag mit ihr und der Gruppe verbracht hatte. Es kam selten vor, dass wir uns zu zweit verabredeten und ehrlich gesagt kam es mir ganz entgegen, auch wenn ich versuchte mir während der Zeit einzureden, es wäre anders und ich würde die Zweisamkeit genießen, wusste mein Inneres, dass das nicht der Wahrheit entsprach.
Ich war derart in Gedanken versunken, dass ich gar nicht bemerkte wie meine Sicht zunehmend verschwamm bis da nichts weiter als komplette Finsternis übrig blieb.
Auf eine Erinnerung war ich nicht eingestellt.
"Jetzt stellt euch schon da drüben hin.", verfügt die Frau mit braunem Haar bestimmend und schiebt Louis und mich beinahe zur weißen Wand.
Jammernd fange ich an zu lachen und verdrehe die Augen während ich mich trotz alledem in Pose stelle. "Musst du wirklich immer Fotos machen?"
Doch sie ist schon dabei, wild auf ihrem Handy rumzutippen. "Oh ja, ich brauche unbedingt ein schönes Bild von euch beiden.", flötet sie konzentriert, als ich einwerfe, dass es diesmal bitte ein normales Foto werden solle. Warnend werfe ich Louis einen Blick zu, dessen Gesicht sich derweil allerdings bereits zu einem schiefen Grinsen verzogen hat. "Untersteh dich.", sage ich mahnend während mein Lächeln eine ganze andere Sprache spricht und sein Kopf meinem näherkommt.
In der Zwischenzeit hat die Frau ihr Smartphone bereits mit beiden Händen umfasst, um die Linse auf uns zu halten. "Lou, jetzt geh weg!", kichere ich und verstecke meine rechte Gesichtshälfte, gehe nicht auf seine Alberei ein.
"Jungs!", weist sie die beiden flehend zurecht und hat ihren Zeigefinger schon halb auf dem Auslöser liegen.
Im Nullkommanichts umfasst Louis mein Gesicht mit beiden Händen als er mir einen grienenden Kuss auf die Wange drückt. Der Blitz kommt aus dem Nichts und lässt mich perplex in das Gesicht der Frau blicken. Man sieht mir die Strapaze an, das Lächeln geschlossen zu halten, allerdings scheint es ein Ding der Unmöglichkeit, das Grinsen unter Kontrolle zu halten.
"Ich hab normal gesagt.", meine ich und drehe mich mit dem Gesicht zu ihm.
"Normal will doch niemand auf einem Foto haben."
"Ich vielleicht, du Arsch.", lache ich mit gekünstelter Beleidigung, woraufhin er mir in mein Grübchen pikst. "Ich liebe dich auch, Hazza."
"Tust du gar nicht.", klage ich melodramatisch als sich unverhofft ein zartroter Schimmer über meine Wangen legt.
"Wäre das so unnormal?", zieht er mich mit hochgezogenen Augenbrauen auf.
Kopfschüttelnd greife ich nach seiner Hand und sage: "Du bist ein Idiot."
"Was sich neckt, dass liebt sich."
"Wir müssen.", schnappte ich übergangslos auf. Mit klappernden Lidern schlug ich meine Augen auf, nur um Louis zu erhaschen, der sich eilig aufrappelte und Halt an einer der oben hängenden Schlaufen suchte.
Willkommen zurück in der Realität.
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Remember You I Larry Stylinson
FanfictionEs ist schwer, jemanden zu vergessen, der dir so viel zum Erinnern gab. geschrieben von @ItsDizzy und @emuliert
