Ich betrachtete noch kurz die Kaninchenhaut im Mülleimer, dann richtete ich meinen Blick starr geradeaus. Ich stand vor einem der weißen langweiligen Waschbecken in der Mädchentoilette und starrte in den Spiegel vor mir. Mein Körper fing, ohne dass ich es wirklich wollte, plötzlich an zu zittern. Mir wurde kalt und ich konnte nur noch eine Sache denken:" Wie kann ich nur so dumm sein!? Ich wäre fast aufgeflogen, und das alles nur weil ich Hunger hatte! Scheiße! Warum habe ich diese Scheiß Kaninchenhaut nur mitgenommen?!" Tränen liefen mir übers Gesicht und frustriert starrte ich weiterhin in den Spiegel. Ich konnte mein Gesicht nicht ertragen. Ich sah so armselig und lächerlich aus, wie ich da auf der Mädchentoilette so vor mich hin weinte! Frustriert schrie ich auf. Wie konnte ich nur so Scheiße sein?! Ich schlug auf den Spiegel ein, schrie und schluchzte vor mich hin. Es klirrte, und dann, dann hörte ich abrupt auf. Ich stand einfach da und starrte ins Nichts. Schockiert von mir selbst schaute ich zuerst auf den Boden voller Scherben und dann an die Wand. Jetzt erst realisierte ich, was ich getan hatte. Dort wo der Spiegel hängen sollte, auf den ich gerade noch eingeschlagen hatte, hingen nur noch vereinzelte Bruchstücke. Verzerrt betrachte ich mich in den Scherben am der Wand.
Ich hatte geahnt wie ich nach der Aktion von Sihlas und seiner Truppe aussehen musste, doch Das hatte ich nicht erwartet. An meiner linken Schläfe lief Blut hinunter. Ich wusste nicht woher das Blut kam, doch es gab nur zwei Möglichkeiten. Entweder eine Platzwunde am Kopf oder irgendetwas direkt an meiner Schläfe. Außerdem pochte mein rechtes Auge, und lief langsam dunkellila an. Zusätzlich dazu, war meine Oberlippe aufgeplatzt und blutete, wie meine Schläfe, vor sich hin. Alles in Allem kann man wohl sagen, dass ich echt Scheiße aussah. Unschlüssig stand ich weiterhin dort rum. Sollte ich einfach mit dem Tag weiter machen, als wäre nichts passiert, oder sollte ich womöglich...Nein! Das tue ich nicht schon wieder! Ich entschloss mich also dazu, mir meine dunkelblaue Kapuze tief ins Gesicht zu hängen und wollte mich gerade umdrehen, um zurück zum Unterricht zu gehen, als die Tür quietschte und langsam aufging. Mir direkt gegenüber stand ein Mädchen, dass ich nicht kannte. Wieso auch?! Ich kenn ja nicht jeden Menschen an dieser Schule! Das Mädchen starrte erst mich, dann den Spiegel und dann den Boden voller Scherben an. Zuletzt blieb ihr Blick an meine Händen hängen. Ich hatte sie zu Fäusten geballt und viele Spiegelsplitter hatten sich in meine Haut gebohrt. Das Blut, von dem ich den Geruch schon so gut kannte, tropfte stetig auf den Boden. Das Mädchen schaute mich entgeistert an. Wie ich mir dachte, war sie davon überzeugt, dass ich höllische Schmerzen erlitt, doch ich spürte die Schmerzen nicht wirklich. So etwas war ich schon von den unzähligen malen, in denen meine Arme oder Beine eine Pfütze, hinterließen gewohnt.
Das Mädchen wollte anzusetzen etwas zu sagen, doch ich unterbrach sie ruckartig, in dem ich einfach aus der Toilette ging. Ich rannte nicht. Als ich kurz vor der Tür stand, blickte ich das verstörte Mädchen noch einmal an und sagte:" Wenn ich jemals erfahren sollte, dass hiervon jemand außer dir und mir weiß, kannst du weder weggelaufen noch dich verstecken!" Währenddessen ließ ich meine Augen zwischen menschlichem und drachenartigem Aussehen hin und her flackern. Das Mädchen erschrak, nickte eingeschüchtert und schon war ich aus der Mädchentoilette raus. Es war kühl draußen und ich musste dringend einmal durch atmen. Die Bäume auf dem Schulhof waren in wunderschöne gelb und rot Töne gehüllt und das Laub, welches auf dem Boden lag, sah aus wie ein Teppich aus Gold. Ich blickte mich noch einmal um, dann machte ich mich auf den Weg in meine Klasse. Ich hatte meine schwarze Kapuze tief ins Gesicht gezogen und die stark blutenden Stellen an meinem Handgelenk einfach nur mit meinem Ärmel versteckt. So saß ich da nun. Ich hob nicht ein einziges mal den Kopf, und den Lehrern war es egal. Sie dachten sich wahrscheinlich nur:" Naja. Gleich kommt ja eh Herr Richter und der klärt das dann schon" Genau wissen, was sie dachten, tat ich natürlich nicht. Aber etwas Anderes wäre unvorstellbar.
Ich saß ziemlich lange da einfach so in der Klasse, und dachte schon ich hätte es irgendwie geschafft, dass Gespräch mit Herrn Richter zu übergehen, da klopfte es doch noch an der Tür. Mein Lehrer sah zuerst zu mir rüber, dann ging er zur Tür und öffnete diese. Herr Richter lächelte kurz und sagte dann deutlich:" Alexandra, komm bitte mal mit." Ich wusste ich hatte keine andere Wahl, deshalb stand ich einfach nur auf, und folgte ihm nach draußen, trotzdem war ich darauf bedacht ihm bloß keine Möglichkeit zu geben, mein Gesicht oder meine Hände und Arme zu sehen. Wir liefen nicht lange, denn schon bald blieb er stehen. Er sah mich erwartungsvoll an, dass konnte ich an seinem Blick spüren, und öffnete dann die Tür. Hinter der Tür erstreckte sich ein Paradies aus Gemütlichkeit. Außer einem edlen Schreibtisch, an dem ein Korbsessel stand, schien alles einfach in den Raum geworfen worden sein. Es standen Sitzsäcke, Sessel und eine Couch einfach so im raum herum. Herr Richter hatte sich mittlerweile an den eben genannten Schreibtisch aus Mahagoni gesetzt und schien jetzt weiter darauf zu warten, dass ich mich auch endlich setzte. Ich entschied mich dann schlussendlich für den blauen Sitzsack in der hinteren rechten Ecke des Raumes. Weiterhin sagte lange keiner ein Wort und langsam wurde es mir sehr unbehaglich, doch dann fing Herr Richter endlich an:" Also Alexandra. Du weißt wahrscheinlich warum du hier bist?" Ich musste schmunzeln. Das hier hatte ein bisschen was von einem Polizeiverhör, doch ich antwortete ernst:" Ja. Ich bin die ganze Nacht nicht Zuhause gewesen." In Herr Richters Gesicht war keine einzige Regung zu erkennen, als er weiter sprach:" Das stimmt. Was hast du denn eigentlich im Wald zu suchen?"
"Ich...ähhh...ich brauchte frische Luft", antwortete ich, doch ich wusste selbst, dass diese Antwort kein Stück helfen würde. Schon fragte Herr Richter weiter:" Wovon frische Luft? Geht es dir Zuhause nicht gut?" "Doch doch. Zuhause ist alles super. Ich...musste nur mal alleine sein und nachdenken", antwortete ich hastig. Misstrauisch sagte Herr Richter:" Aha. Geht es dir wirklich gut? Seid wir in meinem Raum sind, hast du weder aufgeschaut noch einmal die Kapuze abgenommen." "Achso. Haha...mir...also", verzweifelt suchte ich nach einer Ausrede für mein Verhalten. Schon wieder war ich einfach schlecht in dem was ich tat. Meine rechte Hand bewegte sich unterbewusst zu meinem linken Unterarm, doch bevor ich etwas tun konnte schreckte mich Herr Richter auf:" Was tust du denn da Alexandra? Ist irgendwas mit deinem Arm?" Erschrocken zog ich meine Hand schnell zurück, lachte gespielt und sagte:" Was nein. Natürlich nicht. Nur so ein nerviger Mückenstich." Herr Richter sah mich seltsam an. Dann sagte er wie aus dem nichts:" Hat diese ganze Sache irgendwas mit deinen leiblichen Eltern zu tun? Vermisst du sie sehr?"...
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Die Drachin Afrikas
Fiksi PenggemarSkylar ist gefangen zwischen zwei Welten in denen sie beide nicht Zuhause ist. Menschen und Woodwalker dürfen nichts von ihrer wahren Identität als Morpher wissen. Doch nicht nur mit der nicht vorhanden Zugehörigkeit in einer der Realitäten hat sie...
