Es wird dunkel

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Mark zögerte kurz, doch dann holte er aus. Er war geschickter als Sihlas. Mark täuschte an, mir von links oben auf den Kopf schlagen zu wollen, während er mit der rechten Hand auf meinen Bauch zielte. Doch zu einem Schlag kam es nicht. Er schien überrascht zu sein, als ich seine linke Faust fest im Griff hielt, sie einmal um die eigene Achse drehte und ein hässliches Knacken zu hören war. Meine Schuppen breiteten sich zu meinen Nägeln aus, und diese wuchsen zu gefährlich scharfen Krallen. Sie waren keinesfalls so lang, wie sie in meiner Drachengestalt wären, doch sie waren länger als es menschliche Nägel waren. Diese Nägel rammte ich dem vor schmerzen keuchenden Mark in sein Handgelenk. Nicht zum ersten mal an diesem Tag roch ich Blut. Mark schrie auf, rutschte panisch auf dem Hosenbund nach hinten und hielt sich den linken Arm. Dabei schrie er wie am Spieß weiter. Sihlas und sein Gefolge, aber vor allem Jake und das Mädchen, die sich im Hintergrund hielten, blickten zuerst auf den, sich vor Schmerz krümmenden Mark und dann zu mir. Meine Hände waren oberhalb mit Schuppen bedeckt, meine Krallen waren Spitz und waren besprenkelt mit Marks Blut. Etwas mehr unter Kontrolle rief Mark:" Die Schlampe hat mir das Handgelenk gebrochen! Du hast nie gesagt, dass die sowas kann, Sihlas! Ich bin raus, klär deinen Scheiß mit der doch selbst, du Irrer!" Mit diesen Worten lies er sich von Jake aufhelfen. Jake drehte sich noch einmal verängstigt nach uns um, doch dann stieg er mit Mark auf eins der Motorräder und sie fuhren davon. Kurz herrschte Stille, doch dann drehte sich das andere Mädchen ebenfalls um und ging so leise, als wäre sie nie da gewesen. Nach dieser Situation hatte ich zum Glück etwas Zeit, meine Schuppen in den Griff zu bekommen. Ich spürte wie sich meine Krallen zurückzogen, und sich wieder zu menschlichen Nägeln formten. Auch die Schuppen auf meinen Händen krochen immer weiter unter meinen Ärmel. Allerdings musste ich, um mich auf das Zurückverwandeln zu konzentrieren, die Augen schließen. Sihlas, der immer noch eine unglaublich aggressive Ausstrahlung hatte, nutzte seine Chance und rammte mir gehässig die geballte Faust in den Rücken. Allerdings, war ich noch nicht so weit gekommen, alle meine Schuppen verschwinden zu lassen. Ich spürte wie der Stoff meines Pullovers, durch die Reibung des Schlages, an meinen Schuppen hängen blieb. Sihlas sah mich verwundert an, als ich mich zu ihm umdreht. Das eben genannte Kleidungsstück zog sich dabei immer mehr an meinen Schuppen auf, und engte mich in meinen Bewegungen leicht ein. Sihlas schien nicht zu begreifen, weshalb ich rein gar nicht reagierte. Er starrte wütend erst auf mich und dann auf seine Faust, in seinen Augen blitzte leichte Verunsicherung, doch er überspielte diese Grimmig:" Deswegen spuckst du hier also große Töne!" Mit diesen Worten knackte er mit den Handgelenken und lief bedrohlich auf mich zu. Sihlas holte aus, doch als ich seinen Arm festhalten wollte, ertönte ein lautes Geräusch von reißendem Stoff. Wie versteinert blieb ich in meiner Bewegung stehen. Das Gefühl, von meiner Kleidung eingeengt zu sein schien wie verflogen. Hinter mir ertönte ein schallendes Gelächter:" Was ist das denn für eine abgefuckte Hautkrankheit?" Ich wollte mich einfach nur noch umdrehen und Samantha das Gebiss aus der Fresse schlagen, doch im Moment war Sihlas eine größere Bedrohung als sie, ich konnte mir nicht erlauben, ihn aus den Augen zu lassen. Sihlas wirkte etwas verwirrt:" Über was für nen Scheiß redest du da, Samantha? Rede gefälligst deutlich!" Das einzige was ich jetzt wollte war weg! Einfach nur weg von hier, doch das ging nicht. Sihlas und Samantha hielten mich in Schach und waren kurz davor meine Geheimnis zu lüften. Der Stress, gemischt mit der Situation trieb meine Teilverwandlung schlagartig voran. Eben noch hatte ich mich voll und ganz darauf konzentriert, dass Es nicht passieren würde, doch jetzt konnte ich Es nicht mal verhindern. Rasant spürte ich, wie die Schuppen sich an meine Nacken hefteten. Sie wuchsen über meine Schultern auf meinen Torso und wieder fühlte ich mich unglaublich eingeengt, als sich alle möglichen Fäden in meinen Ärmeln an den Schuppen dort auf hingen. Panik schoss in meine Gedanken und benebelten jeden menschlichen Teil meines Verstandes. Aus reinem Instinkt musste ich nach oben, weg vom Boden und weg von dem, was mir hier bevorstand. Ich hörte Sihlas' lachen, als ich mich panisch nach einem Fluchtweg umsah. Es gab keine Möglichkeit um nach Oben zu kommen. Hinter war ein freies Feld, mit einem Weg in Richtung Jackson Innenstadt und hinter Sihlas war nur der Wald, gefüllt mit Fichten, die mich sicher nicht halten könnten. Sihlas sagte etwas, doch ich verstand in kaum. Mein menschliche Moral wurde immer leiser und mein Instinkt immer lauter. Ich fühlte mich in die Ecke getrieben und ohne eine Möglichkeit zu fliehen, sah ich mich gezwungen zu handeln. Meine Schuppen waren nur am Rücken sichtbar, und ich musste so schnell wie möglich hier weg. Ich wandte mich Samantha zu, und spürte den abschätzenden Blick Sihlas' im Nacken. Samantha war leichter zu überwältigen. Schnell lief ich auf sie zu. Verschreckt zog sie dich Arme vors Gesicht und schrie schrill auf, als ich ihr von der Seite auf den Kopf schlug. Sie schwankte etwas, doch schließlich kippte sie um und schien bewusstlos. Samantha lag am Boden, der Weg übers Feld hinter ihr war frei. Endlich könnte ich hier weg! Ein stechender Schmerz durchzog meinen Hinterkopf und ich konnte nicht verhindern, laut auf zu schreien. Irgendetwas lief mir in den Nacken. Mit einem mal konnte ich wieder klar denken. Ich versuchte einen Schritt nach vorne zu gehen, doch taumelte. Mir fehlt das Gefühl in den Beinen. Verwirrt hob ich meine Hand, die ich bis gerade eben noch reflexartig an meinem Nacken hielt. Sie war blutrot und es schien frisch zu sein. Ich konnte zwar klar denken, aber es wirkte alles viel langsamer und weiter weg. Ich verstand nicht was passiert war. Was war los? Doch bevor ich meinen Gedankengang zu ende führen konnte, wurde es dunkel.

Die Drachin AfrikasGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt