Vergangenheit und Schuldgefühle

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" Mit meinen leiblichen Eltern." Diese Worte hallten durchgängig durch meinen Kopf. " Meine leiblichen Eltern...", dachte ich. Ich hatte diese Worte schon so lange nicht mehr ausgehend von Menschen gehört. Es war doch alles meine Schuld! Meine Mutter war bei meiner Geburt gestorben und mein Vater hat sich seitdem immer um mich gekümmert. Jeden Morgen, bevor ich aufgewacht bin, ging er jagen und kam immer erfolgreich zurück. Das er nicht mehr lebte war allein meine Schuld. Er hatte nur eine einzige Regel, die ich immer befolgen musste. Ich durfte mich unter keinen Umständen verwandeln, doch diese Regel hatte ich gebrochen! Damals war ich ca. 8 Menschenjahre alt. Wie jeden Morgen ging meine Vater jagen und als ich aufwachte war er noch nicht zurück. Vor unserer Höhle ging gerade die Sonne auf. Im allgemeinen sah die Aussicht wunderbar aus, wie die Sonne über der weiten afrikanischen Prärie aufging. Hätte ich damals doch nur gewusst, was für ein Tag das werden würde. In der nähe unserer Höhle fuhr eine Gruppe von Menschen vorbei, das konnte ich durch meine scharfen Drachenaugen gut erkennen. Aufgeregt und interessiert ließ ich meinen mit Stacheln übersäten Schwanz hin und her peitschen. Damals fand ich Menschen noch so unglaublich interessant, was für ein Fehler. Die Menschen kamen näher, und blieben in einer ungefähren Entfernung von 850 Metern stehen. Ich wusste ich durfte mich nicht verwandeln, doch ich war so aufgeregt und wollte diese Menschen unbedingt aus nächster nähe sehen. Ich wollte sie unbedingt fragen, wie diese fahrenden Dinger hießen, was sie aßen und wie sie lebten. So vieles wollte ich wissen, dass ich die eine Regel verdrängte. Ich verwandelte mich schnell und schnappte mir die Kleidung, die ich in der Höhle versteckt hatte. So schnell ich konnte näherte ich mich der Gruppe von Menschen, bis ich direkt vor ihnen stand. Ich spürte irgendetwas komisches. Es fühlte sich wie ein Gefühl der Vertrautheit an, gemischt mit einem leichten kribbeln. Irgendwie als wären hier nicht nur Menschen. Jetzt bemerkten mich auch die Menschen. Erst sahen sie mich seltsam an, doch dann fragte eine Frau:" Hast du dich verlaufen Kleine?" Ich nickte nur. Immer noch überrumpelt von dieser Faszination. Doch schnell änderte sich Diese in panische Angst. Ein sehr lautes Geräusch ertönte. Wie ich jetzt weiß hatte damals nur jemand auf die Hupe des Jeeps gedrückt. Doch damals versetze mich dieses laute plötzliche Geräusch in panisch Angst. Meine Augen teilverwandelten sich, zusammen mit meinen Hörnern, meinem Gebiss und meinen Flügeln. Ich zitterte am ganzen Körper. Die Menschen wirkten geschockt. Doch dann rief eine schwarzhaarige Frau mit krächzender Stimme:" Dieses Kind ist vom Teufel besessen! Wir müssen es töten, bevor es uns unsere Seelen stiehlt und unsere Körper schändet!" Ich war geschockt. Waren Menschen nicht eigentlich freundlich?! Ein Mann rief etwas das ich nicht verstand. Die Menschen kamen mir immer näher und umringten mich. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie die schwarzhaarige Frau und ein seltsam riechender Mann wegrannten und sich versteckten. Die Menschen die mich umringten, fingen an auf mich einzutreten und manche Schlugen mich. Ich weinte und schickte einen geistigen Hilfeschrei nach meinem Vater aus. Einer der Männer zog eine Pistole aus seiner Tasche und richtete sie auf mich. Kurz bevor er schießen konnte ertönte ein ohrenbetäubendes Gebrüll. Mein Vater war endlich da. Er setzte zum Sturzflug an und schnappte sich zwei Männer. Er flog wieder hoch und die Luft und ließ sie aus diese höhe fallen. Dann ging er wieder in den Sturzflug über und landete direkt neben mir. Seine tiefe Stimme erklang in meinem Kopf:" Hab ich dir nicht gesagt, du darfst dich auf keinen Fall verwandeln?!" Ich sagte nichts. Vielleicht hätte ich das tun sollen, doch ich tat es nicht. Er holte tief Luft und ließ eine riesige Flamme über ein paar der Menschenkörper züngeln. Doch Einer war noch über. Er zog etwas aus seinem Jeep, dass ich jetzt unter dem Namen Armbrust kenne.
Durch unsere Schuppen sind wir Drachen eigentlich sehr gut geschützt. Natürlich sind wir nicht unverwundbar, doch es gibt eine Stelle, an der wir sofort sterben, wenn man diese trifft. In Menschengestalt tut diese Stelle nur besonders dolle weh. Bei jedem anderen Drachen, ist diese Stelle an einem anderen Ort. An diesem Ort fehlt eine Schuppen und als Mensch haben wir dort eine ziemlich große Narbe. Bei mir ist diese Stelle ziemlich nah an meinem rechten Auge und die Narbe in Menschengestalt, "schneidet" mir sozusagen durch die Augenbraue. Denn dort, wo die Narbe durch meine Augenbraue geht, wachsen keine Haare mehr.
Bei meinem Vater war diese Stelle an seiner linken Schulter. Aus Zufall oder mit Absicht traf der Mensch genau diese Stelle. Vor Schmerz aufbrüllend schlug mein Vater mit seinen riesigen schwarzen Tatzen durch die Luft. Er erwischte den Typen, der danach sofort in zwei Teile geteilt worden war. Doch mein Vater hörte nicht auf zu brüllen. Er kauerte sich auf den Boden in sein eigenes Blut und brüllte so laut, dass jedes Tier im Umkreis von 40 km Angst bekam. Er wurde langsam immer leiser und dann Verschwand das Feuer aus seinen Augen. Ich stand die ganze Zeit nur am Rand und starrte auf die Geschehnisse, doch jetzt löste ich mich aus meiner Starre. Ich rannte zu meinem Vater, die Menschen waren mir reichlich egal. Ich wollte nur unbedingt zu meinen Vater. Er lag immer noch in seinem Blut, die Augen glanzlos starr nach vorne starrend da. Ich kniete mich neben ihn und legte meine kleine Menschenhand auf seine Stirn. "Papa...?", keine Antwort. Ich fing an zu weinen und rief mit meinem Geist hinaus, um vielleicht dort irgendeine Antwort zu bekommen:" Papa?! Bitte....bitte sag was. Du darfst jetzt nicht sterben!" Immer noch keine Antwort. Frustriert schlug ich auf den Boden. Diese Scheiß Menschen hatten mir das einzige was mir wichtig war genommen. Wie konnte ich nur jemals von ihnen fasziniert sein?! Wieder Schrie ich mit meinen Gedanken aus:" Papa?! Du hast sie alle umgebracht! Hörst du, du hast mur das Leben gerettet! Du hast gewonnen!" Aus meinen Menschenaugen floss Wasser und ich schluchzte laut. Jetzt erst wurde mir etwas klar. Das war alles meine Schuld! Er war nur Tot, weil ich mich nicht selbst hatte Schützen können! Alles, das alles war meine Schuld. Ich versuchte es noch ein letztes mal:" Papa? Ich hab's verstanden! Ich hätte mich selbst beschützen müssen! Es tut mir leid! Hörst du? Es tut mir leid! Es war alles meine Schuld! Ich mach alles was du willst! Nur bitte bitte bitte sei nicht Tot! Es tut mir leid!" Es half alles nicht. Er war Tot und ich konnte nichts daran ändern! Es war alles meine Schuld! Ich war so deprimiert, hatte solche starken Schuldgefühle und musste irgendwas tun. "Es ist eh alles meine Schuld! Und wenn mich keiner bestraft muss ich es eben selber machen!", dachte ich mir. Ich schaute auf meine teilverwandelten Hände und die Krallen die unglaublich spitz waren. Ich nahm eine und zog sie über meinen linken Unterarm. Es tat nicht weh. Es war irgendwie befreiend. Der ganze psychische Schmerz den ich spürte verflog und alles, auf das ich mich konzentrierte, war das Blut, dass meinen Arm hinunter floss. Ich wiederholte diesen Vorgang ein paar mal. Doch dann durchfuhr mich ein Geistesblitz. "Ich habe doch Heilkräfte. Warum also nicht?..." Mein Blick wanderte noch einmal zu meinem toten Vater, da war die Entscheidung auch schon getroffen. Ich legte meine Hände auf seine immer noch blutende Schulter. Dann ließ ich meine Kräfte walten. Plötzlich durchfuhr mich ein stechender Schmerz, angefangen an meinen Fingerspitzen. Mir wurde schlagartig schlecht und ich übergab mich. Mir war schwindelig und ich konnte nicht mehr klar sehen. Doch etwas erkannte ich. Hinter einem Gebüsch kamen zwei Gestalten heraus und unterhielten sich. Die schwarzhaarige Frau mit krächzender Stimme sagte:" Sind sie zufrieden Meister? Ein weiterer Morpher ist durch ihre Hand gestorben! Aber ich habe noch eine Frage. Warum mussten wir diese Woodwalker sterben lassen?" Der Mann, angesprochen als Meister, hatte feuerrote Haare und roch irgendwie nach Asche. Er sprach in einem aggressiven und überhobenem Ton:" Die Woodwalker waren ein hin zunehmendes Opfer. Etwas schade ist es mir um meine Spielzeuge schon. Aber dieser Morpher ist nun endlich tot. Drachen sind die gefährlichsten aller Morpher. Verbreite diese Nachricht Claw! Ein Morpher hat in Afrika aus heiterem Himmel 7 Woodwalker getötet. Sie haben ihm nichts getan und nun werden sie nie wieder das Sonnenlicht erblicken!" Er grinste. Doch die Frau, die er mit Claw angesprochen hatte, nickte und verwandelte sich in einen großen schwarzen Raben. Sie erhob sich und verschwand. Dann wandte sich der komisch riechende Mann mir zu und sprach unberührt weiter:" Denkst du ich sehe dich nicht du Wurm? Hast du etwa versucht deinen Vater zu heilen?" Er lachte und kam auf mich zu. Ich konnte mich nicht bewegen. Um mich herum drehte sich alles. "Du scheinst eine Sache noch nicht zu wissen, man kann den Tot nicht heilen!" Er lachte, trat mich in die Seite und meine Sicht verschwand nun komplett. Doch bevor ich mein Bewusstsein ganz verlor, hob ich meine Teilverwandlung auf und wurde dann als Mensch ohnmächtig.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich immer noch im Dreck auf dem Boden. Alles war so, wie als ich das Bewusstsein verlor, doch die Rabenfrau und der nach Asche riechende Mann waren verschwunden. Aus der Ferne erkannte ich einen Jeep mit zwei Rangern. Als sie das Massaker, dass hier war entdeckten, blieben sie stehen und stiegen aus. Die Frau schlug sich die Hände vor den Mund und ihre Augen weiteten sich. Der Mann wirkte völlig aus der Fassung und sah nur schockiert über die vielen Toten. Ich stand langsam auf. Die Frau deckte mich mit einer seltsamen silbernen Decke zu und hob mich in den Wagen. Wir fuhren eine Weile, doch dann kamen wir in einer Menschstadt. Ich verbrachte 4 Jahre in einen Waisenhaus in dieser Stadt. Kein Mensch wollte ein traumatisiertes Kind. Doch dann, als ich ca. 12 Menschenjahre alt war, kam eine Touristenfamilie aus Amerika und adoptierte mich. Seid ich in der Menschenwelt ankam konnte ich an nichts anderes denken, als daran, dass der Tot meines Vaters allein meine Schuld war. Das ich mich dann in der Menschenwelt auch noch "verstecken" musste half nicht gerade weiter.

Die Drachin AfrikasGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt