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Charlie Spencer

Ich drehte mein iPhone in der Hand. Dylan wollte nicht mehr leben. Warum? Warum hasste er sein Leben so sehr?

Mit einem Seufzen stand ich auf und verließ leise das Schlafzimmer. Eine kleine Auszeit würde ihm gut tun.

Im Flur hörte ich etwas zu Bruch gehen. Also lief ich nach unten. In unserer Küche brannte Licht. "Ist alles in Ordnung?", fragte ich meinen Ältesten, welcher am Boden hockte. "Hab ich dich geweckt?" "Nein, ich kann nicht schlafen."

"Ich hab aus Versehen deine Lieblingstasse fallen gelassen." Dylan trat zur Seite. "Hm." Ich hockte mich auf den Boden und hob die Scherben auf. "Das macht nichts." "Aber Jamie hat sie dir geschenkt." "Ich wäre trauriger, wenn es die von meiner Mutter gewesen wäre." Lächelnd sah ich ihn an und räumte die Scherben in den Müll. "Und von Jamie bekomme ich genug Tassen geschenkt."

"Weißt du, ich habe mir etwas überlegt", sagte ich nach einigen Minuten der Stille. "Was denn?" Dylan sah aus dem Fenster. "Morgen Früh fahre ich dich nach Hause und du packst Kleidung und anderes für eine Woche ein." "Wieso?" "Wir fahren weg." Dylan drehte sich um. "Wir alle?" Ich schüttelte meinen Kopf. "Nein. Nur du und ich. Wir fahren zu meinem Vater." Mein Sohn erwiderte daraufhin nichts. "Oder willst du nicht?"

"Doch. Aber wirklich nur wir beide?" "Ja. Es sei denn, du möchtest, dass noch jemand mit kommt. Deine Mütter zum Beispiel?" Sofort schüttelte er seinen Kopf. "Nur wir beide." "Gut. Dann rufe ich nachher deinen Grandpa an und sage ihm, dass ich die nächste Woche nicht arbeiten werde."

"Warum tust du das?" Dylan setzte sich. "Ich würde dich gerne besser verstehen. Warum du so bist, meine ich." Seine Wange und sein Auge hatten mittlerweile eine lila Farbe angenommen. "Das bin nun mal ich", bekam ich als Antwort zu hören. "Nein. Das bist nicht du. Das weißt du genau so gut wie ich und wie der Rest unserer Familie."

Ich legte meine Hand auf die von meinem Sohn. "Dir wurde das Herz gebrochen, oder?" "Nicht nur das", flüsterte Dylan leise. "Dad, ich... ich hab..., er hat-" "Hier steckst du." Jamie unterbrach unseren Sohn. "Was tut ihr hier? Es ist mitten in der Nacht." Müde setzte er sich zu mir. Zu gern hätte ich nun gewusst, was Dylan sagen wollte. Auf jeden Fall war es ein er. Dylan stand auf Jungs und Cian hatte wieder einmal recht behalten.

"Wir fahren morgen für eine Woche zu meinem Vater. Nur Dylan und ich", erzählte ich Jai und gab ihm einen Kuss auf die Schläfe. "Hm. So kurzfristig?" "Jap. Wir machen mal eine richtige Männerwoche", ärgerte ich meinen Mann. "Dann mache ich mit den Jungs eine Wellnesswoche", grinste Jai. "Und Nathan und Luke kommen wieder. Du verpasst die beiden. Wir haben sie so lange nicht gesehen!" "Auf eine Woche mehr kommt es da auch nicht mehr drauf an. Sonntag früh sind wir auch schon wieder da." "Na gut. Aber wenn ich euch gehen lassen soll, dann müsst ihr beide jetzt schlafen."

"Klingt fair, oder Dylan?" Ich sah meinen Großen an. "Ja." Er stand auf und verließ die Küche. "Hm, er sieht so traurig aus." "Irgendetwas wollte er mir sagen, aber du hast ihn unterbrochen", erwiderte ich und stand auf. "Komm, wir gehen ins Bett. Immerhin muss ich dann acht Stunden fahren."

Mit Jamie lief ich zurück zu unserem Schlafzimmer. Nachts kam es mir wie eine kilometerweite Wanderung vor.

Im Bett zog ich meinen Mann zu mir. "Ich liebe dich", flüsterte ich in sein Ohr. "Ich liebe dich auch." Jamie kuschelte sich an mich.

***

"Okay, und du hast auch wirklich alles eingepackt?" Jamie sah mich an. Lächelnd nickte ich. "Ja. Und es ist nur eine Woche." "Und du rufst an, wenn ihr da seid. Und jeden Abend." "Ja, Chef", grinste ich und gab ihm einen Kuss. "Und jetzt müssen wir los, wenn wir vor Sonnenuntergang ankommen wollen."

Jamie nickte und gab mir eine Box. "Hier sind Getränke, Sandwiches und andere kleine Snacks für die Fahrt. Ich weiß doch, wie verfressen ihr beide sein könnt."

Mein Mann und ich liefen zum Auto. Dylan saß bereits auf dem Beifahrersitz und hörte Musik. "Vielleicht tut ihm die Woche ganz gut", seufzte ich und stellte die Box auf den Rücksitz. "Hoffentlich. Und du denkst bitte daran, dich ausgewogen zu ernähren." "Ja, Schatz." Grinsend gab ich Jamie einen Kuss auf die Stirn. "Und Denk dran, Cian muss morgen nach Perth zu einem Casting." "Ich weiß. Alles unter Kontrolle, Mr Spencer." Zum Abschied küssten wir uns, dann stieg ich ins Auto ein.

Recht schnell ließen wir unsere kleine Stadt hinter uns und fuhren auf einen Highway. Ich freute mich, meinen Vater endlich wiederzusehen. Schon lang hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Und vielleicht waren Mia, Aleks und ihre Rasselbande ebenfalls anwesend.

Nach ungefähr zwei Stunden nahm Dylan seine Kopfhörer ab, weshalb ich ihn kurz ansah. "Wieso tust du das?", fragte er mich und sah aus dem Fenster. "Wieso tue ich was?", hakte ich genauer nach. "Warum fährst du mit mir zu deinem Vater?"

"Ich möchte dich verstehen und dir wieder näher kommen. Du bist seit Monaten ein richtiges Arschloch. Tut mir leid, wenn das hart klingt, aber es ist so. Du verletzt vor allem deine Mütter damit sehr. Sie weinen oft."

"Das versteht ihr nicht...", murmelte Dylan vor sich hin. "Versuche es doch, uns zu erklären. Vielleicht verstehen wir es ja doch." "Nein. Glaub mir. Auf jeden Fall werde ich nicht mehr in die Schule gehen. Ich halte es dort nicht mehr aus." "Dann wechselst du die Schule. Du kannst immer noch auf Cians Schule, vergiss das nicht. Du bist genau so begabt wie er, um auf diese Schule zu kommen." "Pf, ich will nicht mit ihm auf eine Schule. Außerdem gehe ich auf gar keine mehr. Ich breche ab. Ich schaffe es auch ohne Abschluss."

"Wir haben bald das Jahr 2039, Dylan. Ohne Abschluss war es bei uns ab 2015 schon schwer. Da wirst du es jetzt Ohne erst recht nicht weit bringen, wenn wir mal realistisch bleiben." "Ich werde Rapper. So wie Eminem in eurer Zeit." Ich verdrehte meine Augen. "Ich bin mindestens genau so gut, wie er! Das ist das Einzige, was mir noch etwas Freude bereitet, Charlie!"

"Nenne mich noch einmal bei meinem Namen und es wird für dich ziemlich unangenehm werden, junger Mann", knurrte ich und konzentrierte mich wieder auf die Straße...

DARKNESS ∣ Fortsetzung zu Heavy PastGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt