Kapitel 15

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"Dann sing für mich!", schoss es aus Aiden heraus. Seine Stimme klang sehr selbstbewusst, als sei er von seiner Idee richtig überzeugt.

Bei seinen Worten durchfuhr mich ein Schock und ich verspannte mich direkt.

"Was?", rief ich ihm geschockt und ungläubig zu, während ich mich zu ihm umdrehte. Meine Augenbrauen zog ich aus Verwirrung zusammen und meinen Kopf legte ich schief.

Warum sollte ich für ausgerechnet ihn singen? Das macht überhaupt gar keinen Sinn!

"Weil ich kein Fremder für dich bin. Du hast doch gesagt, du würdest nur für Menschdn singen, die du kennst. Und mich kennst du doch!", sagte er, als sei es das normalste der Welt.

Wir sollen uns gut kennen? Da hatte ich aber eine andere Definition für "Personen, die ich gut kenne". Und das sagte ich ihm auch:"Wir sollen uns kennen?! Unter "kennen" verstehe ich, meine Familie. Personen, die mir nahe stehen. Du bist nicht mal annähernd eine Person, die ich kenne." Der letzte Teil kam etwas verletzend rüber, aber das wollte ich eigentlich nicht. Ich wollte ihn nicht verletzen, aber in der Hitze des Gefechts, kam es einfach aus meinem Mund gesprudelt.

Ich realisierte, was ich ihm gerade direkt ins Gesicht gesagt habe und bereute es sofort.
Ich hielt innne und schloss meine Augen, während ich meinen Kopf senkte und dabei etwas schüttelte. Ich atmete die Luft, die sich in mir gestaut hatte aus und fing leise an zu sprechen:" Entschuldige. Das war nicht so-"

"Das können wir ändern!", unterbrach er mich, was mich dazu brachte, meine Augen wieder zu öffnen und ihn anzusehen.
Ich sah direkt in seine Augen und war leicht verwirrt.

Auf seinem Gesicht war keine Spur von Kränkung zu sehen. Es sah eher so aus, als würde er Lächeln.
Mir fiel auf, dass er mir etwas näher gekommen war und direkt in meine Augen starrte.

"Wenn wir uns nicht kennen, dann sollten wir das ändern!", erklärte er seine außergewöhnliche Aussage mit einer ungewöhnlich ruhigen Stimme.

Er drehte sich um und ging auf einen Tisch, der im Raum stand und um den ein paar Stühle standen, zu und setzte sich dort drauf.
Seine Beine baumelten über den Holzboden und seine Hände stützte er neben sich ab.

"Jeder von uns darf dem anderen 3 Fragen stellen, die ehrlich beantwortet werden müssen. Keine Lügen!", schlug er vor.

Was soll das denn? Vielleicht will ich ihn gar nicht kennen lernen!

Okay, das war eventuell, ganz vielleicht ein kleines bisschen gelogen. Ein kleiner Teil in mir wollte ihm diese Fragen stellen.

Aiden grinste siegessicher, als würde er wissen, dass ich bei seiner Idee nicht mitmachen würde, aber ich wollte ihm diese Genugtuung nicht geben.

"Okay.", entgegnete ich ihm mit fester Stimme,"Du fängst an!"

Er sah mich überrascht an. Er hat wohl nicht damit gerechnet, dass ich zusage.

Ich ging ebenfalls auf den Tisch zu und setzte mich neben ihn. Meine Beine ließ ich vom Tisch herab hängen und schaukelte sie vor und zurück.

"Okay... mal sehen?", grübelte er.

Er verzog sein Gesicht, sodass ihm seine Augenbrauen in die Stirn fielen und seine Augen nach oben sahen, als suche er dort nach einer passenden Frage.
Das sah eigentlich ganz süß aus, wie er dort neben mir saß und ein nachdenkliches Gesicht zog.
Ich beobachtete ihn von der Seite, während er nach vorne sah.
Mir fiel auf, dass er eine kleine Narbe an seinem linken Auge hatte, die durch seine Augenbraue verlief. Woher er die wohl hatte?

Ich denke, ich werde ihm darüber eine Frage stellen.

"Hast du einen Freund?", fragte er, während er nach vorne sah. Kurz darauf drehte er seinen Kopf zu mir und sah mich fragend an.
Mir schoss direkt Hitze in meine Wangen und ich wandte meinen Blick ab.

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