»Setzen Sie sich, Miss Wilson«, sagt der Mann mit der Krawatte und zeigt mit seiner Hand auf einen der Stühle vor dem Schreibtisch, nachdem er die Tür zu seinem Büro öffnet. Unsicheren Schrittes begebe ich mich einem der braunen Ledersessel und setze mich. Die schwitzigen Hände über meinem Schoß gefaltet.
»Mein Name ist Dr. Miller, Chefarzt der Chirurgie«, stellt er sich vor, nachdem er sich hinter seinen Schreibtisch setzt. Seine braunen Augen wirken zwar sehr warm und freundlich, jedoch auch autoritär und bestimmend. Die Falten um seine Augen herum lassen es so scheinen, als hätte er schon einiges erlebt. »Miss Wilson...«, grummelt Dr. Miller und schaut auf die Papiere, die ausgebreitet auf dem Tisch liegen. Dann schaut er mir wieder direkt in die Augen. »Miss Wilson, wie geht es Ihnen?«, fragt er und kneift dabei nachdenklich seine Augen zusammen, sodass sich noch mehr Falten um seine Augen bilden.
»Mir...ähm...mir geht's gut«, stammele ich unbeholfen und rutsche auf dem Sessel herum. Warum bittet mich der Chefarzt der Chirurgie in sein Büro, um mich zu fragen, wie es mir geht?
»Sind Sie sicher? Nachdem, was gestern im OP-Saal passiert ist?« Dr. Millers tiefe Stimme wird etwas lauter und scheint bis ins Mark zu gehen.
Gestern. Ich will nicht mehr an gestern denken.
»Dr. Miller, bitte verzeihen Sie mir die unhöfliche Frage, aber warum bin ich hier?« Habe ich das gerade wirklich gesagt? Becks, was ist los mit dir?
»Nun gut«, lenkt er ein und nimmt einen Stapel Papiere von dem Tisch in seine Hände. »Zunächst einmal, möchte ich mich im Namen des San Francisco Medical Centers bei Ihnen entschuldigen - und bedanken zugleich.«
Verwirrt ziehe ich meine Augenbrauen zusammen und schaue Ihn fragend an. Bedanken? Entschuldigen? Hat er mich mit einer anderen Studentin verwechselt?
»Die Situation, die sich gestern im OP-Saal ereignete, hätte niemals passieren dürfen. Dass ein solch exzellent ausgebildeter Chirurg und Lehrarzt derart die Nerven verliert, ist unentschuldbar. Als Dr. Connor Dr. Fingley mit dem Skalpell bedrohte, müssen Sie eine Todesangst gehabt haben.« Kurz hält er inne und schaut aus dem Fenster, welches Aussicht auf die Straße hinter dem Krankenhaus, den Medical Center Way und den daran anschließenden Wald mit dunkelgrünen, hohen Bäumen bietet.
Todesangst? Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich tatsächlich hätte Todesangst haben müssen. Ein Chirurg dreht völlig durch, hat wahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch und bedroht seine Kollegen mit einem Skalpell. Doch ich hatte keine Angst. Ich fokussierte mich nur darauf, Bradley zu beruhigen. Warum fürchtete ich mich nicht vor ihm? Warum hatte ich keine Angst um mein Leben? Verliere ich meinen gesunden Menschenverstand?
Nach einem kurzen Augenblick richtet Dr. Miller sein Gesicht wieder mir zu. »Wie Dr. Connor sich verhalten hat, ist unendlich tragisch. Doch für Dr. Fingleys Verhalten muss ich mich ebenfalls entschuldigen. Dass er Sie in dem OP allein mit Dr. Connor gelassen hat, nachdem letzterer einen solchen Zusammenbruch hatte und sogar Menschen mit dem Skalpell bedrohte... Er hätte Sie niemals alleine lassen dürfen, eine Studentin, die in unserer Obhut steht. Es tut mir wirklich Leid. Aus diesem Grund ist Dr. Fingley, genau wie Dr. Connor, bis auf Weiteres beurlaubt.«
Deshalb ist Bradley nicht im Krankenhaus. Er wurde beurlaubt. Aber wer kümmert sich jetzt um ihn und - nein. Nein, mich geht das nichts an. Warum kann ich nicht loslassen? Bradleys Leben, Bradleys Probleme, das alles geht mich nichts an. Ich muss mich da raushalten. Doch wenn er nicht operieren kann, wie wird er mit seinen Problemen fertig? Wie wird er sich ablenken? Und plötzlich überkommt mich ein sehr ungutes Gefühl.
»Gleichzeitig muss ich Sie fragen, Miss Wilson, wie haben Sie es geschafft, dass Dr. Connor sich wieder beruhigte?« Sorge steht in seine Augen geschrieben während er mich mit eindringlichem Blick mustert.
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Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019
Romance❗️Enthält erotische Szenen ❗️ Die Einserschülerin Rebecca Wilson studiert Medizin in San Francisco. Nach einer gewalttätigen Beziehung ist sie froh, in den USA neu anfangen zu können. Doch dann lernt sie den geheimnisvollen, attraktiven und wohlhab...
