Kapitel 39

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Sofort durchfährt mich ein kühles Schaudern, als meine auf seine Augen treffen. Ich habe Gänsehaut am ganzen Körper und es fühlt sich so an, als sei mein Herz stehen geblieben.

Wie konnte ich so naiv sein und denken, dass mir die Begegnung mit ihm nichts ausmachen würde? 

Tom begibt sich in den Umkleideraum, doch ich bleibe in der Tür stehen, meine Augen stets auf Bradley gerichtet. Auch er sieht mich direkt an und verharrt in seiner Bewegung, als sei er zu Eis erstarrt. 

Bradley trägt schon seine blaue OP-Hose und sein blaues Kasack. Wahrscheinlich hatte er den selben Gedanken wie ich und wollte schnell hier sein und sich umziehen, um mir nicht in der Umkleide begegnen zu müssen. Seine Augen sehen traurig aus und erinnern mich an die eines wilden, angeschossenen Tieres. Er hat dunkle Ränder unter den Augen und das honigblonde Haar trägt er zurückgebunden. 

Als Tom bemerkt, dass ich immer noch im Türrahmen verweile und Bradley und ich uns anstarren, unterbricht er unseren intensiven Blickkontakt mit einem Räuspern. 

»Morgen Dr. Connor.«, begrüßt Tom ihn und verschwindet auf der anderen Seite zu seinem Spind.

Bradley nickt nur und gibt ein leises »Mr. Bloomberg.«, von sich. 

Seine Stimme klingt so verletzlich. Dieser Bradley hat so gar nichts mit dem Bradley zu tun, der sich am Sonntag mit einem anderen Faustkämpfer in einem Ring geschlagen hat. Was ist denn nur los mit ihm?

Hastig unterbreche ich unseren Blick und begebe mich zu meinem Spind, der sich leider direkt neben seinem befindet. Dann lege ich meinen Rucksack in mein Fach und knöpfe gerade meine Jeans auf, als ich einen lauten Knall neben mir höre und ich erschreckt zusammenzucke. 

Bradley hat seine Spindtür gewaltsam zugeknallt und stürmt schnellen Schrittes aus dem Umkleideraum hinaus. 

Was war das denn?  


***


»Was ist denn mit Dr. Connor los?«, fragt Tom mich als wir uns fertig angezogen zum Fahrstuhl begeben.

Doch ich zucke nur mit den Schultern und antworte: »Keine Ahnung.«, als er den Knopf für die Etage der Orthopädie betätigt. 

Das ist nicht einmal gelogen. Ich weiß nicht, warum er so wütend ist. Okay, ich habe ihn am Sonntag bei einer illegalen Aktivität erwischt, aber er kann sich doch denken, dass ich dies niemandem erzählen würde. Schließlich wäre dann die italienische Mafia hinter mir her.

Als zweiter Grund für seine Wut auf mich fällt mir nichts Plausibles ein. Zwar habe ich ein Wochenende mit ihm verbracht und mit ihm geschlafen. Er hat mir wirklich aus einer Notsituation herausgeholfen, als ich vorübergehend keinen Schlafplatz hatte. 

Jedoch war ich für ihn nur ein Mädchen, mit der er Sex hatte. Das ist gerade für ihn doch wohl nichts Besonderes. Zwar hat er mir auch das Surfen beigebracht, aber er gab selbst zu, dass dies zu seiner Masche gehört, weshalb er auch einen Surfanzug für Frauen zu Hause bereitstehen hat. 

Immerhin hat er mir Unterwäsche gekauft. Allerdings kannte ihn die Verkäuferin schon und seine Kreditkarte war bereits im Geschäft hinterlegt. Das alles spricht dafür, dass ich für ihn ein ganz normales Mädchen bin, mit der er ein Wochenende Spaß hatte und mich dann ganz rasch wieder vergisst. 

Oder?

Auf der anderen Seite fällt mir unser Tag im Botanischen Garten im Golden Gate Park ein, als wir zusammen gegessen haben und es einen kurzen intimen Augenblick im Gewächshaus gab. Oder die Nacht, in der er mir das Boxen beibrachte. 

Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt