Kapitel 18

4.6K 111 10
                                        

Vor dem Eingang des Krankenhauses warte ich auf Tom, denn mir ist auf dem Weg nach Draußen eingefallen, dass wir mit seinem Auto gekommen sind.

»Becks, verdammt, was war denn los?«, fragt er mich, als er mich entdeckt und zu mir kommt. Wie konnte ich wohl am besten erklären, warum ich ihn eben angeschrien hatte, während eine Krankenschwester rittlings auf ihm saß?

»Sorry, tut mir echt Leid. Ich war wohl irgendwie übermüdet...« und hatte im Bereitschaftszimmer Sex mit Dr. Connor.

»Dann lass das das nächste Mal aber bitte nicht an mir aus.« Er klingt ziemlich beleidigt.

»Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist...« Oh doch, das weißt du wohl. Mein Gott, wie kann ich meine zweideutigen Gedanken bloß ausschalten?

»Naja, ihre Nummer hatte ich mir zum Glück schon vorher verschafft!«, sagt er freudestrahlend und hält einen Zettel mit ihrer Handynummer hoch. Bei ihm sieht es so aus, als wäre dieses kleine Blatt Papier ein Pokal, den er triumphierend in die Luft hält.

Ich muss lachen und haue ihm auf die Schulter. »Idiot!«, kichere ich nur.


***

Zu Hause angekommen, lege ich mich noch etwas hin, doch plötzlich bekomme ich einen Anruf vom Belle Vue. Ich verziehe das Gesicht, als ich den Namen auf dem Display sehe.

»Ja, bitte?«

»Rebecca, wunderbar. Ich brauche Sie heute Abend, denn Julie hat abgesagt, sie hat die Grippe oder so. Sie müssen für sie einspringen.«, tönt die unangenehme Stimme meines Chefs Mr. Kaplan aus dem Lautsprecher meines Handys.

Hat der sie noch alle? Wie kann er von mir erwarten, dass ich alles stehen und liegen lasse, nur um für jemanden einzuspringen? Doch andererseits könnte ich das zusätzliche Geld gut gebrauchen...

»Wann soll ich da sein?«, frage ich genervt.

»Am besten vor einer halben Stunde. Bis gleich.«, antwortet er hektisch und legt auf. Das war es dann wohl mit Ausruhen. Schnell ziehe ich meine Jogginghose aus, die Jeans wieder an und mache mich auf den Weg.

»Da sind Sie ja endlich!«, ruft mein Chef, als ich in das Belle Vue eintrete. Hallo? Ich bin extra mit dem Fahrrad gefahren, also war ich schon in fünfzehn Minuten hier. Was erwartet der denn bitte? Fliegen kann ich leider nicht.

Wortlos gehe ich im schnellen Schritt an ihm vorbei und ziehe mich im Personalraum um. Es ist ziemlich viel los im Restaurant und ich hoffe, dass die Zeit schnell vorbei geht.

Oben angekommen, fange ich schon an, Bestellungen aufzunehmen. Ich gehe zu Juan hinter die Theke und lege ihm eine Notiz mit Getränkebestellungen hin.

»Hey, Rebecca!«, begrüßt er mich. Dabei rollt er das »R« meines Namens mit seinem unwiderstehlichen spanischem Akzent, was mir in all der Hektik ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Während er die Minze für einen bestellten Mojito zermahlt, reicht er mir ein Stück Ananas, das normalerweise auf die Cocktailgläser gespießt wird.

»Danke Juan, du versorgst mich immer so gut!«, bedanke ich mich und beiße gierig in das Ananasstück. Dabei schaut Juan mich seltsam mit funkelnden Augen an. Was hat er denn?

»Nein, ich muss mich bei dir bedanken. Es ist nicht selbstverständlich, dass du für Julie so kurzfristig einspringst. Ich weiß auch nicht warum, aber es ist heute so viel los hier. Es una locura!«, sagt er, während er den fertigen Mojito auf mein Tablett stellt. Hach, wer kann bei so einem Akzent nicht dahinschmelzen?

Nachdem ich die Ananas heruntergeschluckt habe, gehe ich zu einem Tisch, an dem nur ein Mann mit dem Rücken zu mir sitzt.

Nachdem ich mich vor ihm platziert habe sage ich: »Guten Abend und willkommen im Belle Vue. Was darf ich Ihnen...« Doch als ich schließlich von meinem Notizblock zu ihm aufsehe, traue ich meinen Augen nicht und mir bleibt der Mund offen stehen.

»Hallo, Miss Wilson. Was ein netter Zufall.«, säuselt Bradley und grinst mich an. Was macht er hier, verdammt nochmal? Zufall, von wegen.

»Was...« Als ich in seine wunderschön kühlblauen Augen schaue, fallen jegliche Neuronen in meinem Gehirn aus und ich vergesse, was ich eigentlich sagen wollte.

»Nett, dass Sie fragen. Ich hätte gerne einen Kaffee. Schwarz. Wie meine Seele.«, sagt er und hat immer noch das Grinsen in seinem Gesicht. Was zum Teufel macht er hier?

»Wie Sie wünschen, Mister.«, antworte ich nur, während ich ihm einen grimmigen Blick zu werfe. Wenn er spielen will, bitte. Doch dann hat er sich mit der Falschen angelegt.

Wutentbrannt stampfe ich in den dunklen kleinen Gang, der zur Küche führt, um das bestellte Essen zu servieren. Den Kaffee kann er sich sonst wo hin stecken. Plötzlich zieht mich eine Hand an der Schulter zur Seite an die Wand. Schon allein aufgrund der Blitzschläge, die meinen Körper durchfahren, weiß ich, wessen Hand es ist. Ich will etwas sagen und mich wehren, doch beim Anblick seines markanten engelsgleichen Gesichtes, verschlägt es mir die Sprache.

Sanft streicht er mir eine Haarsträhne hinters Ohr und als er dabei meine Wange berührt, scheint sie Feuer zu fangen.

»Rebecca.«, sagt er leise, es ist fast ein flüstern. »Geh mit mir essen, nur ein Mal.«

Tief atme ich ein und wieder aus. Du schaffst das, Becks. »Nein.«, sage ich leise doch meine Stimme zittert und klingt wenig überzeugend also füge ich hinzu: »Nein, auf gar keinen Fall!« Innerlich klopfe ich mir stolz auf die Schulter. Sehr gut gemacht. Bleib stark.

Doch Bradley scheint mich nicht wirklich ernst zu nehmen. Seine Mundwinkel zucken belustigt und er kommt mir einen Schritt näher. Dann nimmt er mein Kinn in die Hand und zieht es zu ihm hoch, damit ich direkt in seine Augen schauen kann. Mit der anderen Hand stützt er sich an der Wand hinter mir ab. Du meine Güte.

Mein Atem geht immer schneller und ich spüre, wie etwa tausend Schmetterlinge eine Party in meinem Bauch veranstalten. Doch warum nur?

»Nur ein Mal, Rebecca.« Seine tiefe Stimme vibriert wieder in meinem Ohr und verleiht mir eine Gänsehaut. Dass er meinen vollen Namen ausspricht, löst eine unangenehme Hitze in meiner Herzregion aus. Klappt ja super mit der Selbstbeherrschung, Becks!

»Warum?«, frage ich. Und die Frage ist absolut ernst gemeint. Ich bin wirklich daran interessiert. Warum will er unbedingt mit mir essen gehen?

»Weil ich dich kennen lernen will.«, antwortet Bradley ernst. Sein Lächeln ist verschwunden.

»Drei Mal in der Woche beim Kurs im Krankenhaus hast du genügend Zeit, mich kennenzulernen. Auf beruflicher Ebene.«, erwidere ich und bin froh, dass meine Neuronen im Gehirn ihre Arbeit wohl wieder aufgenommen haben.

»Das meine ich nicht, das weißt du ganz genau.«, flüstert er in mein Ohr und sein heißer Atem an meinem Nacken lässt meine Haut kribbeln. Doch dann macht er einen Schritt zurück und schaut mich wieder mit diesem verspielten Lächeln an. »Dann sehen wir uns morgen im Krankenhaus. Und mache heute nicht zu lange hier, ich brauche dich morgen fit und ausgeschlafen.«, sagt er mit einem Augenzwinkern und tritt aus der Tür.

Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.
Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt