Kapitel 40

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Ich bin wie zu Eis erstarrt. Wie gelähmt schaue ich mit weit aufgerissenen Augen auf den Bildschirm des Computers. Umdrehen kann ich mich einfach nicht, denn ich weiß, wer dort im Türrahmen steht.

Nach etwa drei Sekunden, die sich wie Stunden anfühlen, höre ich, wie sich die Tür schließt. Bradleys Schritte kommen näher. Er räuspert sich.

»Rebecca...«, höre ich Bradleys tiefe Stimme, doch ich unterbreche ihn sofort.

»Lass uns einfach in den OP gehen, okay?«, sage ich hastig und drehe mich um. Der Blick in seine türkisblauen Augen, die sonst immer wie der pazifische Ozean strahlen, wirken heute grau und fad.

Doch plötzlich verhärten sich seine Gesichtszüge, sein Kiefer mahlt und seine Augen zieht er zusammen. Nun sieht Bradley nicht mehr aus, wie ein angeschossener Hund. Was hat er bloß für Stimmungsschwankungen?

Ich will wirklich nicht über das Geschehene reden. Wenn er meint, für die italienische Mafia arbeiten zu müssen, bitte. Aber ich möchte mit einem gefährlichen Schläger nichts zu tun haben. Schon allein der Gedanke an vergangenen Sonntag, lässt mich erschaudern und meine Nackenhaare zu Berge stehen. Wie er immer und immer wieder auf seinen Gegner einschlug. Die Aggressivität, die ich seinen Augen entnehmen konnte. All die Gewalt. Das ist einfach zu viel für mich.

Die ganze Zeit fragte ich mich, was ich fühlen würde, wenn ich Bradley wieder gegenüberstehe. Jetzt weiß ich es. Furcht. Ich fürchte mich vor ihm. Zu viele Erinnerungen an meinen gewalttätigen Exfreund plagen sich noch in meinem Kopf herum.

Doch ich muss jetzt stark sein. Ich kann vor meinen Problemen nicht davonlaufen. Das habe ich einmal getan, als ich von Deutschland hierher gekommen bin und das Studium angefangen habe. Meine Probleme gelöst hat dies auch nicht - noch immer leide ich in manchen Situationen an Panikattacken.

»Okay.«, höre ich plötzlich Bradleys Stimme, die meine Gedankengänge unterbricht. »Gehen wir.«, fügt er hinzu und hält mir die Tür auf. Er sieht mich dabei jedoch nicht an, sondern scheint ins Leere an mir vorbei zu schauen.

Schwer schluckend stehe ich von dem Bürostuhl auf, zögere einen kurzen Moment als ich ihm in seine kalten Augen schaue, und begebe mich an ihm schnellen Schrittes vorbei auf den Gang der Station.

Schweigend begeben wir uns zum Fahrstuhl. Darin angekommen, strecken wir zur gleichen Zeit unsere Hand aus, um auf den Knopf zu drücken, der uns in den Keller zu den OP-Räumen führt. Für eine Millisekunde streifen sich unsere Fingerspitzen des rechten Zeigefingers, was mich augenblicklich erschaudern lässt.

Im gleichen Moment höre ich, wie Bradley scharf die Luft einzieht. Kurzatmig schaue ich auf meine Füße und zwinge mich, nicht hoch zu schauen. Ich darf jetzt nicht schwach werden.

Bradley streckt erneut seine Hand aus und betätigt den Knopf. Nach ein paar Sekunden, die sich abermals wie Kaugummi in die Länge ziehen, öffnen sich endlich die Aufzugtüren und wir begeben uns zu den Umkleiden.

So ein Mist. Ich hatte vergessen, dass wir uns umziehen und unsere OP-Kittel anziehen müssen.

Ohne zu zögern, steuert Bradley auf das Regal zu, holt sich ein Kasack und eine farblich dazu passend türkisfarbene Hose. Dass ich nun mit ihm alleine in diesem Raum bin, gefällt mir ganz und gar nicht.

In nur einer Bewegung, zieht er sich sein blaues Kasack mit bloß einer Hand aus. Er steht mit dem Rücken zu mir, welcher sehr angespannt aussieht. Dunkle Hämatome ziehen sich über seine linke Seite, deren Farben von rosa bis dunkelblau reichen. Allein dieser Anblick lässt meinen Magen sich zusammenziehen. Die Muskeln seines breiten Rückens spielen rhythmisch, als er sich das türkisfarbene OP-Hemd überzieht.

Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt