Kapitel 17

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Bradleys POV

Stürmisch flieht Rebecca aus dem Bereitschaftszimmer, doch mir geht das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Sie ist echt süß, wenn sie sich so aufregt.

Während ich mich anziehe, denke ich darüber nach, wie es so weit kommen konnte und mir fällt der Moment ins Gedächtnis, als ich sie das erste Mal sah.

Es war im Fitnessstudio. Sie joggte gemütlich auf einem Laufband und hatte sich irgendein Lehrbuch vorne auf das Display gelegt, um darin zu lesen. Die Außenwelt hatte sie dabei komplett abgeschaltet, für sie existierten nur sie und dieses Lehrbuch. Deshalb konnte ich sie, während ich im Nebenraum Gewichte stemmte, ungestört beobachten und sie bekam gar nichts davon mit.

Zuerst wunderte mich ihr Verhalten - wer geht ins Fitnessstudio, um zu lernen? Doch je länger ich sie ansah, desto faszinierter war ich von dieser Person. Dabei entging mir auch nicht, wie sich ihre schwarze Leggings schmeichelnd um ihren Pfirsichpo schmiegte. Mein Gott, dieser Po! Es fiel mir wirklich schwer, mich auf mein Training zu konzentrieren. Irgendwann schaute sie in meine Richtung, und ich war mir nicht sicher, ob sie mitbekommen hatte, wie ich sie musterte. Hoffentlich nicht.

Dann sah ich sie nochmal an einem anderen Tag, als sie vor einem Laufband kniete, um ihr Handy aufzuheben. Doch ich tat so, als würde ich sie nicht beachten, schließlich musste ich meine Coolness bewahren und hatte immer noch Bedenken, dass sie mich beim Angaffen erwischt hatte.

Außerdem gestand ich mir ein, dass sie überhaupt nicht mein Typ ist. Sie sieht aus wie eine streberische Studentin und das ist so gar nicht mein Typ. Schließlich habe ich, Bradley Connor, keine festen Beziehungen. Bei mir gibt es nur One Night Stands. Okay, wenn ein Mädchen nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, treffe ich mich -vielleicht- noch ein zweites Mal mit ihr. Und das wars dann auch schon. Mehr nicht. Beziehungen sind nichts für mich. Diese Gefühlsduselei. Händchenhalten in der Fußgängerzone. Würg. Und dann diese ständige Fragerei. Wie gehts dir? Wie war dein Tag? Wann sehen wir uns endlich wieder? Mein Gott, das geht einem doch echt auf die Nerven. Ich kann diese ganzen Paare nicht verstehen. Und spätestens nach der anfänglichen Verliebtheitsphase, die dann in die Gewohnheitsphase übergeht, gibts dann auch fast keinen Sex mehr. Ganz ehrlich, wer will das schon? Ich jedenfalls nicht.

Und dieses Mädchen mit dem Pfirsichpo, der wirklich zum Anbeißen aussieht, sieht so gar nicht nach One Night Stand aus. Nein. Dieses Mädchen ist anständig. Und wohl auch nicht auf den Kopf gefallen, denn jede Woche schleppt sie ein anderes Lehrbuch zum Sport. Sie müsste ich zum Essen ausführen. Mit ihr müsste ich händchenhaltend durch die Fußgängerzone laufen und über meine Gefühle reden. Würg. Und sie müsste ich auch nach ihrem Tag fragen. Und das ist nicht mein Ding, ganz einfach. Außerdem habe ich zu sowas keine Zeit. Nach einer 48-Stunden-Schicht im Krankenhaus, will ich einfach nur schlafen und nicht ins Kino oder Essen gehen. Geschweige denn über scheiß Gefühle reden.

Und vor so einer Frau könnte ich dann auch nicht den Teil meines Lebens fern halten, den niemand kennt. Dieser Teil ist geheim und niemand darf von ihm erfahren. Denn er ist gefährlich und düster.

Ja, als ich länger darüber nachdachte, konnte ich mich wirklich überzeugen. Das alles ergab Sinn.

Doch dann musste ich zu dieser ramschigen Bar, um der Kellnerin, die ich am Vorabend aufgegabelt hatte, ihr Portemonnaie wiederzugeben, dass sie bei mir vergessen hatte. Ich ging also ins Five Stars -das den Namen unbegründet trug, denn fünf Sterne verdient es nun wirklich nicht- und sah sie. Ich wollte mich von ihr fern halten und sie einfach nicht beachten. Aber dann sah ich diesen Widerling Nick Parker, einen Arzt aus der Inneren Medizin, der alles anmacht, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Und ich wusste, dass er handgreiflich wird, wenn er getrunken hat. Als ich sah, dass er sie festhielt und sie am Po begrabschte -meinem Pfirsichpo- konnte ich mich nicht länger beherrschen. Ich weiß nicht warum, aber sobald ich sie sehe, scheine ich einen Beschützerinstinkt zu entwickeln, den ich nicht abschütteln kann. Warum trug sie denn auch diese verdammt engen Jeans? Schon von diesem Anblick bekam jeder Mann Schnappatmung. Sie muss doch genau wissen, was für eine Wirkung sie auf Männer hat?

Also stürmte ich zu Nick und wollte ihn von ihr wegschubsen. Mein Zorn über ihn schien jedoch unkontrollierbar, denn er landete mit einem lauten Knall auf dem Boden. Das war mir in dem Moment aber egal, ich war so wütend, dass meine Hände zu Fäusten geballt waren. Sollte er sich auch nur einem Millimeter bewegen, würde er sein blaues Wunder erleben und wäre nie mehr fähig, irgendwas anzufassen.

Als ich mich umdrehte und in ihre wunderschönen blauen Augen schaute, die gleichzeitig eine gewisse Wärme ausstrahlten, konnte ich nicht anders, als sie zurecht zu weisen. Sie muss lernen, sich selber zu wehren, ich kann ihr schließlich nicht immer aus der Patsche helfen. Wenn sie schon solche engen Jeans anziehen will, muss sie wenigstens lernen, sich zu verteidigen. Oder erst gar nicht in eine solche billige Bar gehen, in der widerliche Typen wie Nick Parker auf Beutejagd sind. Sie ist zu gut für diese Bar.

Mein Zorn verflog jedoch nicht und ich weiß, was passiert, wenn ich wütend bin. Also machte ich, dass ich wegkomme, bevor noch jemand zu Schaden kam. Fernhalten wollte ich mich von ihr, also tat ich das auch. Das ist das Beste für uns beide.

Nachdem ich meine Wut abgelassen hatte, machte ich mich auf den Weg zu meinem Auto und sah schon wieder sie. Rebecca saß auf dem Boden, mit angewinkelten Beinen und dem Rücken an der Wand des Xenon. Laut hallte der Bass aus dem Club, doch ich konnte sie trotzdem Schluchzen hören. Was hätte ich denn machen sollen? Sie weinend auf dem Boden zurücklassen? Ich konnte nicht anders, als sie nach Hause fahren. Das ist das letzte Mal, sagte ich mir. Danach würde ich sie in Ruhe lassen.

Doch dann kannte sie das Modell meines Oldtimers. Als ihr die Worte »67er Chevy Impala« über die Lippen kamen, stockte mein Atem. Wie konnte ein Mädchen, das so aussieht wie sie, diesen Wagen kennen? Sie sieht so unschuldig aus. Doch als ich sie bei der Autofahrt von der Seite anblickte, waren meine Gedanken so ganz und gar nicht unschuldig.

Aber mich interessierte, wer Lenny war, dessen Namen sie unaufhörlich vor sich hin flüsterte. Aus irgendeinem Grund, den ich nicht erklären konnte, hoffte ich, dass es nicht ihr Freund war.

Zwar war ich erleichtert, dass es stattdessen ihr verstorbener Hund war. Jedoch erinnerte dies mich an meinen Hund. Den mein Hurensohn von Vater vor meinen Augen in unserem Teich ertränkte. Warum er das tat? Ich hatte beim Spülen des Geschirrs ein Glas zerbrochen. Da war ich acht Jahre alt. Die Gedanken an meinen Vater und meine Hündin brachte eine unglaublich schlimme Welle an allerlei Emotionen in mir hoch. Ich presste meine Hände in das Lenkrad und hoffte, hier vor ihr, keinen Wutanfall zu bekommen. Jedoch hörte ich plötzlich ein unheimlich beruhigendes Geräusch. Es war ihr Atem, als sie neben mir im Autositz eingeschlafen war.

Und das war der erste Tag in meinem Leben, an dem ich meine Wut kontrollieren konnte.

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Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt