Kapitel 1

9K 153 39
                                        

Ich schlage meine Augen auf. Ich keuche, fühle mich, als sei ich einen Marathon gelaufen.

Meine Hüfte ist nach oben gestreckt. Ich zittere. Mein Puls geht rasend schnell.

Erst jetzt realisiere ich, dass ich in meinem Bett liege. Ich spüre ein pulsierendes Ziehen in meinem Unterleib und das Innere meiner Vagina zieht sich rhythmisch zusammen.

Ich habe Gänsehaut am ganzen Körper. Alle Nerven an der Hautoberfläche und im tiefsten meines Inneren sind empfindlich, nahezu gereizt.

Ich spüre meinen Puls in meiner Klitoris. Mit der Hand streiche ich mir kalte Schweißtropfen von der Stirn und damit verebbt auch das letzte Ziehen aus meinem
Unterleib.

Wow, denke ich. So muss sich wohl ein Orgasmus anfühlen.

***

Es ist ein schöner Montagmorgen im Oktober. Ein paar Sonnenstrahlen scheinen durch die verbogenen Jalousien auf mein Gesicht. Ich rümpfe meine Nase und blinzele, um etwas zu sehen. Eine Angewohnheit meiner Mutter, die ich wohl im Laufe der Jahre übernommen habe. Wenn auch widerwillig.

Und schon ertönt das nervtötende Geräusch meines Weckers.

Während ich aus dem Bett krabbele, denke ich über mein sonderbares Erwachen nach. Ich kann mich an den Traum nicht erinnern, scheine jedoch sehr erregt zu gewesen zu sein. Wer oder was hat mich denn so erregt?

Jedenfalls hat es sich bisher mit einem Mann noch nie so gut angefühlt. Gerade im Traum hatte ich den ersten Orgasmus meines Lebens und er war so heftig, dass ich davon sogar wach wurde. Schade, dass ich mich nicht daran erinnere, wer mich dazu gebracht hat...

Doch länger habe ich keine Zeit darüber nachzudenken, denn ich muss mich fertig machen.

Als ich auf dem Weg zur Uni bin, ruft mich auch schon Tom an.

»Hey Süße, tut mir Leid, dass ich nicht rangegangen bin. Ich hatte noch eine Klausurbesprechung und es ist so spät geworden, dass ich dich nicht mehr wecken wollte.«, sagt Tom in einem bittersüßen und scheinbar verzweifeltem Ton.

»Oh Tom, hattest du schon wieder ein One-Night-Stand und bist nicht Manns genug, um ihr klar zu machen, dass sie gehen soll? Du bist so ein Spinner.«, antworte ich mit einem breiten Grinsen. Er kann von einsamen Frauen einfach nicht die Finger lassen. Dafür sind sie zu einfache Beute für ihn.

Da höre ich auch schon eine weibliche Stimme im Hintergrund.

»Was? Du hast eine Freundin? Willst du mich verarschen? Ich dachte, es ist dir Ernst mit mir. Das hast du doch gestern gesagt!«, brüllt sie. Dann höre ich ein Schluchzen. »Das war's, ich haue ab!«, kreischt die Frau und man hört das Bett knarzen, als sie aufsteht.

Ich rolle mit den Augen, auch wenn Tom es nicht sehen kann. »Tom, du sagst einer Frau echt alles, was sie hören will, nur um sie ins Bett zu bekommen, oder?«

»Ja Schatz, ich bin auf dem Weg zu dir. Es tut mir Leid, ehrlich. Ich liebe dich.«, antwortet Tom mit einer noch süßeren, mitleidserregenden Stimme.

»Du mich auch. Und jetzt mach, dass du zur Vorlesung kommst, sonst muss ich wieder neben Dennis sitzen!«, rufe ich ins Handy und lege auf.

Dann muss ich nachdenken. Irgendwie kam mir ihre Stimme so bekannt vor. Aber mir fällt kein Gesicht dazu ein und ich gehe einen Schritt schneller, um Tom noch vor dem Universitätsgebäude zu treffen. Praktischerweise wohnt er schräg gegenüber.

Als ich ankomme, lehnt er lässig an der alten Fassade des Gebäudes. Mit einem Schuh an die Wand gestützt und verschränkten Armen. Mein bester Freund.

Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt