Als Tom und ich aus dem Auto steigen, bleibe ich kurz vor dem Eingang des Krankenhauses stehen.
»San Francisco Medical Center« steht in großen silbernen Lettern auf der riesigen, modernen Glasfront. Es ist das schönste Krankenhaus, das ich je gesehen habe und es wird wohl noch etwas dauern, mich an diesen Anblick zu gewöhnen.
Ich schließe meine Augen und versuche, mich zu konzentrieren. Du wirst Bradley heute widerstehen, hörst du?
»Becks, kommst du endlich?«, höre ich Toms Stimme vor mir. Ich öffne meine Augen und schaue zu Tom, der im Eingang steht und mit einem verwirrten Gesichtsausdruck auf mich wartet.
»Komme schon!« Eilig renne ich die Treppen hoch.
Im Umkleideraum angekommen, sprinte ich auf meinen Spind zu und ziehe mich in Windeseile um. Heute wird Bradley meine Unterwäsche nicht zu Gesicht bekommen. Und auch nicht die Möglichkeit erhalten, mich gegen den Spind zu drücken und... Plötzlich spüre ich ein verdächtiges Ziehen in meinem Unterleib. Oh je. Denk an etwas anderes, Becks!
In diesem Moment öffnet sich die Tür und Bradley kommt herein. Er trägt ein enges weißes Langarm-Shirt, dass seinen muskulösen Oberkörper betont und eine hellblau verwaschene Jeans.
Wie kann er nur Chirurg sein? Er muss doch hunderte Anfragen von Modelagenturen bekommen.
Als sich unsere Blicke treffen, stockt mir der Atem und mein Bauch fängt an zu kribbeln. Wie kann man das abschalten? Doch schnell wandert sein Blick wieder zu seiner Begleitung, die mit ihm in die Umkleide kam und ich traue meinen Augen nicht. Es ist Rachel.
Bradley und Rachel schienen sich schon beim Eintreten in die Umkleide unterhalten zu haben, denn Rachel lacht lauthals, während Bradley ihr sein Hollywood-Lächeln schenkt.
Ich fasse mir an meinen Bauch, denn es fühlt sich plötzlich so an, als hätte mir jemand ein Messer in den Magen gestochen und es mit Gewalt umgedreht. Ein paar Sekunden vergehen, bis ich mich von dem Schmerz erholt habe und ich werfe meinen Rucksack in den Spind.
Zum Glück habe ich mich gestern nicht auf ihn eingelassen. Ich wusste, dass er mich nicht wirklich kennen lernen will und es nicht ernst meint. Außerdem scheint er ja schnell über mich hinweg gekommen zu sein.
Rachel tritt an ihren Spind, der sich natürlich gegenüber meinem befindet. Klasse. Dann geht Bradley an mir vorbei und stellt sich neben mich vor seinen Spind. Mit einer eleganten Bewegung zieht er sich mit einem Arm sein Shirt aus und ich höre, wie Rachel scharf ihre Luft einzieht, doch ich würdige Bradley keinen Blickes, während ich auf dem Boden knie und mir meine Schuhe zubinde. Mein Gott, bin ich froh, dass ich mich schon umgezogen habe. Nie wieder wird er einen Blick auf meinen unbekleideten Körper werfen können. Nie wieder.
»Wow, Dr. Connor. Sie scheinen aber viel Sport im Fitnessstudio zu treiben, oder?«, höre ich Rachels hohe, unangenehme Stimme und ich verspüre das Bedürfnis, ihr eine reinzuhauen.
»Ja schon, nur manchmal werde ich dort abgelenkt.«, antwortet er und ich spüre seinen Blick auf mir. Sofort werde ich rot und mein Herz scheint zu rasen.
Schnell richte ich mich auf und knalle laut meine Spindtür zu. Aus dem Augenwinkel sehe ich, das Rachel zusammengezuckt ist.
»Meine Güte, Rebecca. Geht's noch? Ich hab mich fast zu Tode erschreckt!«, schreit sie mich an und ihre Stimme wird noch greller, als sie schon ist.
»Warum nur fast?«, antworte ich trocken und schaue sie genervt an. Sie ist komplett geschminkt und hat ihre Haare zu eleganten Locken gewellt. Wer hat morgens um sechs denn bitte so viel Zeit? Ich kann von Glück reden, wenn ich es schaffe, mir die Haare zu kämmen. Doch sobald ich meine Antwort ausgesprochen habe, sehe ich aus meinem Augenwinkel, dass Bradley grinsend mit verschränkten Armen an seinem Spind lehnt. Was hat er eigentlich für ein Problem? Was ist hieran so witzig?
Als ich Tom sehe, bin ich erleichtert und trete mit ihm aus dem Raum in den Flur.
»Was war denn da drin los?«, fragt mich Tom und deutet mit seinem Daumen auf die Tür der Umkleide.
»Ach diese Rachel geht mir einfach auf die Nerven. Ihre Stimme am frühen Morgen ist doch die pure Folter.«, antworte ich mit einem Augendrehen und wir müssen beide lachen.
***
Auf der Orthopädie angekommen, beginnen wir auch schon mit der Visite und begeben uns in das erste Patientenzimmer.
Ein etwa vierzig jähriger Mann liegt im Krankenbett. Liegen kann man es eigentlich nicht nennen, denn er sitzt aufrecht und sein Rücken sieht sehr krumm aus. Wahrscheinlich ist er gar nicht mehr fähig, gerade im Bett zu liegen.
Doch ich muss in diesem Moment an Emily denken. Ich bin etwas traurig, dass ich sie nicht mehr sehen werde, jetzt da sie auf die Kardiologie verschoben wurde. Meine erste Patientin, der ich mit Bradley das Leben rettete, werde ich wohl nie vergessen.
Augenblicklich denke ich daran, was danach passiert ist. Als Bradley und ich im Adrenalinrausch waren und er mich in das Bereitschaftszimmer gezogen hat. Seine süchtig machenden Küsse und wie gut sich seine nackte muskulöse Haut unter meinen Händen anfühlte. Und schließlich wie er sich in mir angefühlt hat, dass er mich vollkommen auszufüllen schien und mir meinen ersten Orgasmus bescherte. Wenigstens den ersten, den ich nicht in einem Traum hatte. Wobei er auch für meinen Orgasmus im Traum verantwortlich war...
Urplötzlich reißt mich Rachels nervtötende Stimme aus meinen Gedanken. »Morbus Bechterew.«
»Richtig, Miss Wood, so wird Spondylitis Ankylosans auch genannt. Und wie kann diese Erkrankung chirurgisch therapiert werden?«, höre ich Bradleys tiefe Stimme.
Ein paar Sekunden vergehen und es herrscht Stille. Niemand scheint die Antwort zu kennen.
»Spondylodese.«, schießt es schlagartig aus meinem Mund und alle schauen mich überrascht an.
Warum kann ich nicht ein mal meine Klappe halten? Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist, heute mit Bradley stundenlang im OP zusammen zu sein. Wenn ich ihn wieder mit seinen geschickten Händen gottgleich am OP-Tisch stehen sehe, habe ich Bedenken, mein Vorhaben für heute zu brechen. Doch wenn er jetzt hinter Rachel her ist, lässt er mich vielleicht in Ruhe. Ein ungutes Gefühl macht sich bei diesem Gedanken in mir breit.
»Schön Miss, Wilson, dann sehen wir uns im OP.«, antwortet Bradley, schaut dabei aber nicht auf mich, sondern auf den Ordner, den er aufgeschlagen in der Hand hält. »Und Miss Wood...«, fügt er hinzu, erhebt seinen Blick und schaut dabei Rachel mit seinem Hollywood-Lächeln an. »Sie hätte ich auch gerne dabei.«
Rachel schenkt mir daraufhin einen arroganten Blick mit hochgezogenen Augenbrauen. Das kann ja lustig werden.
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Uhhhh, diese Operation wird glaube ich nicht langweilig! 😂 wer hasst Rachel auch?😡😂 bis zum nächsten Kapitel 😊🥰
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Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019
Romance❗️Enthält erotische Szenen ❗️ Die Einserschülerin Rebecca Wilson studiert Medizin in San Francisco. Nach einer gewalttätigen Beziehung ist sie froh, in den USA neu anfangen zu können. Doch dann lernt sie den geheimnisvollen, attraktiven und wohlhab...
