Kapitel 41

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Noch immer verweile ich in seinen Armen und bin mir nicht sicher, ob ich gerade richtig gehört habe. Das kann nicht sein. Ich habe ihn sicher missverstanden.

Doch dann höre ich Bradley erneut. Ein Flüstern. Seine Lippen ganz nah an meinem Ohr.

»Verlass' mich nicht, Rebecca.«

Das Kitzeln, das seine Lippen an meinem Ohr verursachen, bereitet mir eine Gänsehaut, die sich von dort über meinen Nacken bis zu meinem unteren Rücken ausbreitet.

Augenblicklich löse ich mich aus der Umarmung. Ich schaue ihm irritiert in seine türkisblauen, blutunterlaufenen Augen.

Sein Blick ist schmerzerfüllt. Es wirkt, als sehe er durch mich hindurch, als sei er in einer anderen Welt.

Plötzlich zieht er seine Augenbrauen zusammen, Hass und Schmerz spiegelt sich in seinen Augen wider. Sein Griff um meine Taille wird stärker und ein leichter Schmerz zieht durch meinen Körper.

Als wäre dies ein Weckruf, löse ich mich von ihm, springe auf und sage: »Ich kann das nicht mehr.«

Verwirrt schaut er mich an, doch ich begebe mich schnellen Schrittes zum Ausgang des OP-Saals und eile zu den Umkleiden, um mich dort von all dem Blut, das noch immer über meinen Körper verteilt ist, zu befreien.

»Rebecca.«, höre ich seine kraftlose Stimme hinter mir, doch ich stürme zu den  Aufzügen und betätige gefühlt einhundert mal den Knopf für das Erdgeschoss. Ich muss hier raus, denke ich dabei immer wieder.

Als sich die Aufzugtüren im Erdgeschoss schließlich öffnen, kommt mir Tom entgegen.

»Hey, Becks! Ich habe schon auf dich gewartet...«, beginnt er zu reden, während ich aus dem Aufzug schreite, scheint dann jedoch meine roten, noch mit Tränen gefüllten Augen zu bemerken und verstummt augenblicklich. »Becks, geht's dir gut? Was ist los? Was ist passiert?«, fragt er mich hektisch und mit einem besorgten Unterton.

»Ich... ich...habe einen Patienten verloren.", antworte ich mit zittriger Stimme. Über den Rest, der vorgefallen ist, kann ich einfach nicht sprechen. Ich möchte am liebsten alles vergessen. Ihn vergessen.

Plötzlich macht sich in mir eine heftige Gefühlsregung breit. Wie ein Erdbeben. Es fühlt sich an, als breche ein Staudamm zusammen, der nun all meinen Gefühlen freien Lauf bietet.

Ein lautes Schluchzen verlässt die Tiefen meiner Kehle, Tränen laufen in Strömen meine heißen Wangen hinunter während Tom mich in seine vertrauten Arme schließt.

Einen Augenblick stehen wir da, nur mein bebendes Schluchzen ist zu hören. Meine Tränen nässen sein schwarzes T-Shirt und seine rechte Hand streicht über mein Haar.

Ich fühle mich geborgen. Sein Geruch ist so vertraut.

Doch schlagartig hebt Tom mich vom Boden und trägt mich hinaus. Auf dem Parkplatz angekommen, setzt er mich auf dem Beifahrersitz ab und fährt los.

Ohne mich zu fragen, wo er mich hinfahren soll, fährt er zu seiner Studentenverbindung. Er weiß genau, dass ich in diesem Zustand nicht allein sein will.

Vor dem prunkvollen Gebäude angekommen, zieht er mich sanft aus dem Auto. Ohne, dass ich meine Augen öffne, schmiege ich mich in seine Arme und lasse mich von ihm tragen.

Unter normalen Umständen fände ich dieses Verhalten von mir zutiefst kindisch und lächerlich theatralisch, doch heute ist alles anders. Heute ist kein normaler Tag.

Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt