Kapitel 6

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»Hey, meine Schöne.«, flüstert er mir ins Ohr. Er liegt über mir und streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Er lächelt mich an. Seine wunderschönen hellblauen Augen erwecken mein Verlangen nach mehr. »Ich habe dich vermisst.«, raunt er und führt seine Lippen meinen Hals entlang. Sein Atem an meiner Kehle verleiht mir eine Gänsehaut. Mein Puls geht schneller. Plötzlich höre ich ein Geräusch. Es wird immer lauter und schmerzt in meinen Ohren. Aufhören. Sofort aufhören! »Aufhören!«

Meine eigene Stimme bringt mich zum Aufwachen. Ohne, dass ich meine Augen öffne, führe ich meine Hand zu meinem Handy und schalte den Wecker aus. Ist schon wieder ein neuer Tag angebrochen?

Langsam richte ich mich auf und öffne meine Augen. Alles dreht sich. Ich schaue an mir herab und stelle fest, dass ich immer noch mein Ausgeh-Outfit von Vorgestern Abend trage. Also schlürfe ich halbwach ins Bad und stelle mich unter die Dusche.

Ich lasse das Wasser einige Minuten über meinen Kopf und mein Gesicht strömen, bis ich schließlich wieder klarer bei Verstand bin. Da fallen mir all die Nachrichten und verpassten Anrufe ein und ich springe hektisch aus der Dusche zu meinem Handy.

Tom hat mich versucht anzurufen, als ich an dem Abend im Xenon von Bradley nach Hause gefahren wurde. Natürlich musste er sich Sorgen machen. Er wusste nicht Bescheid. Schnell rufe ich ihn an.

»Becks, sag mal hast du sie noch alle?«, schreit mich Tom durch das Handy an. »Ich habe mir solche Sorgen gemacht! Du sagst, du gehst telefonieren und kommst nicht mehr wieder. Ich dachte, dir ist was passiert!« Er klingt außer sich.

»Tom, es tut mir so Leid. Ich habe einen Anruf bekommen, der mich völlig aus der Fassung gebracht hat. Und ich war betrunken und... dann hab ich ein Taxi nach Hause genommen.« Ich weiß, ich lüge ihn an. Aber was würde es bringen, wenn ich ihm sage, dass ich mit einem Fremden mitgefahren bin, der mich nach Hause -sogar bis ins Bett- gebracht hat. Den ich am nächsten Tag auf der Arbeit wieder gesehen habe. Der mich wie absolute Scheiße behandelt hat. Ich möchte das alles so schnell es geht wieder vergessen.

»Was ist denn passiert?«, fragt er besorgt. Es erstaunt mich, wie er so schnell von wütend auf mitfühlend wechseln kann.

»Lenny... er ist gestorben.« Jetzt, da ich es laut ausspreche, kann ich es erst richtig glauben. »Er ist tot. Er wurde überfahren.«

»Oh... okay.«, antwortet Tom etwas verwundert. Mir war klar, dass er es nicht versteht. Tom hatte nie ein Haustier und ist auch nicht sonderlich von Tieren begeistert.

»Weißt du, ich muss mich dringend für die Uni fertig machen. Treffen wir uns um acht vor dem Hörsaal? Ich bringe dir einen Kaffee mit.«

»Geht klar, bis gleich.« Begeistert hört er sich nicht an.

Als ich den Kleiderschrank öffne und bemerke, dass kaum etwas drin ist, fällt mir ein, dass gestern Waschtag war. Hätte ich es mit dem Alkohol nicht so übertrieben, hätte ich, wie immer, meine Wäsche waschen können. So ein Mist. Warum muss bei mir immer alles so chaotisch sein?

Hektisch wühle ich mich durch die Schubladen und Kleiderstangen. Da entdecke ich ein sonnengelbes Sommerkleid. Es ist tailliert geschnitten und hat eine Schleife am Ausschnitt. Es sieht ziemlich mädchenhaft aus und ich überlege, wann ich es wohl das letzte Mal anhatte. Das muss ziemlich lange her sein.

Ich ziehe es mir über den Kopf und schaue in den Spiegel. Skeptisch streiche ich den Stoff glatt. Es ist ziemlich kurz und geht etwa bis zur Mitte der Oberschenkel. Im Brustbereich ist es ziemlich anliegend. Normalerweise ziehe ich nie Kleider an. Aber es ist das einzige Kleidungsstück, dass sauber ist und halbwegs normal aussieht. Also habe ich wohl keine Wahl.

Schnell begebe ich mich in die Küche. Als mein Magen sich zusammenzieht und ein lautes Knurren von sich gibt, bemerke ich, dass ich gestern gar nicht zum Essen gekommen bin.

»Hey, Sonnenschein! Wow, netter Fummel.«, begrüßt mich Tiffany. Sie sitzt am runden Küchentisch und isst Cornflakes. Als ich mich setze, schiebt sie mir eine Schüssel mit Cornflakes und Blaubeeren entgegen.

»Danke, Tiff. Ich sterbe vor Hunger.« Gierig schaufele ich mir einen vollen Löffel in den Mund. Dann deute ich auf mein Kleid. »Hab den Waschtag gestern verpasst.«, sage ich schulterzuckend und mit vollem Mund.

»Das solltest du vielleicht öfter. Steht dir gut, das Kleid.«

Lächelnd stecke ich mir noch einen Löffel mit zu vielen Cornflakes in den Mund. Ich kann den Mund kaum noch schließen, so voll ist er und wir beide müssen so heftig lachen, dass mir die Milch fast auf den Nasenlöchern läuft.

Ich esse wirklich, wie ein Schwein. Meine Mutter sagte einmal zu mir, ich solle niemals mit einem Mann beim ersten Date essen gehen, da er dann sofort das Weite suchen würde. Danke, Mama.

Die Cornflakes habe ich in Sekundenschnelle aufgegessen, also laufe ich schnell zu meinem Fahrrad, dass draußen angekettet an der Laterne schon auf mich wartet. Unterwegs rufe ich meine Mutter an und entschuldige mich, dass ich mich gestern nicht gemeldet habe. Doch sie ist wie immer so verständnisvoll. Als sie mir versichert, dass es ihr besser geht, lege ich beruhigt auf und gehe noch zum Coffee Shop, um Tom und mir einen Kaffee zu holen.

Tom erwartet mich schon vor dem Hörsaal.

»Hey, Tom. Sorry nochmal, wegen gestern.«, sage ich und reiche ihm seinen Kaffee. »Ich war zu betrunken, um angemessen zu reagieren. Ich habe nicht nachgedacht.« Und das ist nicht mal gelogen.

»Ich war wirklich sauer auf dich, Becks.«, antwortet er ernst und nimmt einen Schluck aus dem Becher. »Aber jetzt, da ich dich sehe und du mir sogar Kaffee bringst... vergebe ich dir vielleicht.«, fügt er augenrollend hinzu. Erleichtert falle ich ihm in die Arme und auch er muss schmunzeln.

»Danke, Tom. Du bist der beste Freund, den man sich vorstellen kann.«

«Nettes Kleid.«, sagt er, als ich an ihm vorbei gehe, um die Tür zum Hörsaal zu öffnen.

Im Hörsaal angekommen, warten wir auf den Professor. Erst zehn Minuten lang. Dann noch weitere fünf Minuten, bis schließlich die Tür aufgeht. Und ich traue meinen Augen nicht.

 Und ich traue meinen Augen nicht

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Und schon ist Kapitel 6 vorbei.

Wie wohl die Vorlesung mit dem neuen Professor wird? 😉

Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt