Kapitel 21

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»Oh, Becks!«, höre ich Tiffany neben mir, die einen Satz zu mir gemacht hat und mir die Haare hoch hält.

»Ich werde jetzt sicherheitshalber noch ein paar Fingerabdrücke abnehmen, obwohl der Täter höchstwahrscheinlich Handschuhe benutzt hat. Mein Kollege wird die Fingerabdrücke von Ihnen beiden noch aufnehmen, damit wir die schon einmal ausschließen können.«, sagt der weibliche Officer noch mit monotoner Stimme und verschwindet wieder im Haus. Dass ich meinen Mageninhalt gerade vor ihr entleerte, scheint sie wohl nicht zu stören. Wahrscheinlich kommt das öfter vor.

Als ich mich wieder gefangen habe, richte ich mich wieder auf und versuche, dass alles hier zu realisieren. Tiffany hat ihre Hand auf meiner Schulter abgestützt und mustert mich besorgt.

»Was machen wir jetzt, Tiff? Ich kann da nicht wieder rein.«, sage ich an Tiffany gerichtet, während ich meinen Zeigefinger auf unsere Wohnung richte. Niemals werde ich heute Nacht darin schlafen können. Es fühlt sich nicht mehr wie mein zu Hause an, jetzt wo ein Fremder sich Zugang dazu verschafft und unsere Sachen durchwühlt hat. Ich fühle mich nicht mehr sicher in dieser Wohnung. Außerdem muss das Schloss erneuert werden, das lose an der Tür baumelt, weil es gewaltsam geöffnet wurde.

»Steve hatte mir sofort angeboten, dass ich vorübergehend bei ihm wohnen kann.«, entgegnet mir Tiffany und schaut zu Steve, der mit einem anderen Police Officer gerade im Gespräch ist. »Aber ich kann ihn natürlich fragen, ob du auch für ein Tage kommen kannst, er hat die Couch schließlich noch frei.«, fügt sie hinzu, als sie ein schlechtes Gewissen bekommt. Das sehe ich schon an ihrem mitleidigen Gesichtsausdruck.

Doch wenn ich eines nicht leiden kann, dann Mitleid. Das konnte ich damals in Deutschland schon nicht, als mein Leben die Hölle war. Also antworte ich nur: »Das ist lieb, Tiff, echt. Aber ich komme schon klar. Ich werde für ein paar Tage bei Tom bleiben.«

Ein paar Sekunden schaut sie mich noch besorgt an, nimmt dann aber ihre Hand von meiner Schulter und nickt. Dann beschließen wir, solange die Wohnung noch mit Polizisten gefüllt ist und wir uns sicher fühlen, ein paar Sachen für die nächsten Tage zu packen und begeben uns in die Wohnung. Als ich herein trete und wieder die Unordnung sehe, die Gewalt förmlich spüre, mit der die Couch, der Küchentisch und andere Sachen umgestoßen wurden, bekomme ich wieder ein mulmiges Gefühl. Die Polizisten, die noch in der Wohnung stehen, Fingerabdrücke nehmen, Fotos machen und sich unterhalten, all das erinnert mich eher an eine Krimi-Serie. Das kann doch nicht wirklich sein?

Ich gehe in mein Zimmer und ein Schauer überkommt mich. Die Matratze meines Bettes liegt quer auf dem Boden, meine Kommode wurde umgeworfen und dessen Inhalt ergießt sich auf dem Parkettboden. Schwer muss ich schlucken, doch es bringt nichts, jetzt wieder in Panik zu geraten. Es ist passiert, was passiert ist und ich muss nach vorne schauen. Also schließe ich kurz meine Augen, atme tief ein und aus, öffne sie wieder und fange an, meine Sachen in meine beige Umhängetasche zu packen. Ein paar Anziehsachen für die nächsten Tage und dazu ein langes Top zum Schlafen. Es geht mir nur gerade bis über den Po, doch bei Tom muss ich mir keine Gedanken machen. Für ihn bin ich wie eine Schwester und er ist wie ein Bruder für mich.

Ich gehe an meinem weißen Regal vorbei und kann nicht widerstehen, mir noch ein paar Lehrbücher einzupacken. Einbruch hin oder her, lernen muss ich ja trotzdem. Und ohne meine Lehrbücher fühle ich mich auch etwas leer, muss ich zugeben. Als ich gerade aus meinem Zimmer gehen will, fällt mir ein, dass ich noch Unterwäsche einpacken muss. Also gehe ich zu der umgestürzten Kommode, fische in den Sachen herum und suche danach, doch vergebens. Meine Unterwäsche. Sie ist weg.

Meine verdammte Unterwäsche ist weg! Plötzlich beginnt mein gesamter Körper zu zittern und Ekel überkommt mich. Panisch renne ich in das Wohnzimmer.

Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt