Kapitel 11

5.2K 128 8
                                        

Das unangenehme Geräusch meines Weckers ertönt. Ich stelle ihn aus und drehe mich wieder herum. Nur noch ein paar Minuten... Tiff und ich haben gestern, nachdem wir Grey's Anatomy geschaut hatten, noch lange gequatscht und eine Flasche Wein getrunken. Daher bin ich viel später ins Bett gegangen, als ich vor hatte. Doch dann fällt mir ein, was heute auf mich zu kommt und plötzlich sitze ich kerzengerade in meinem Bett.

Heute ist der erste Tag im Krankenhaus. Mit Bradley. Meinem Lehrarzt.

Diese Information muss ich erst noch verarbeiten.

Ich stehe also auf, schleppe mich ins Bad und wasche mein Gesicht. Das kühle Wasser fühlt sich unheimlich erfrischend an und macht mich etwas wacher. Ich schaue auf die Uhr und es ist gerade mal fünf. Dann mache ich mir einen Zopf und gehe in die Küche, um einen Kaffee zu trinken. So wie ich mich fühle, brauche ich mindestens zehn davon.

Ich frage mich, wie ich mich heute Bradley gegenüber verhalten soll. Einfach so tun, als wäre nichts passiert? Als hätte er meinen Körper nicht gegen eine Wand gedrückt während er mich leidenschaftlich küsste? Bei dem Gedanken daran wird mir ganz heiß. Ich fasse mir an die Lippen und kann kaum glauben, dass sie gestern Bradley berührt haben.

Um viertel vor sechs holt mich Tom wie am Vortag besprochen von zu Hause ab. Er fährt einen schwarzen Porsche 718 Cayman, in dem jede Woche ein anderes Mädchen sitzt, das Tom beeindrucken und ins Bett bekommen will. Und das scheint mit diesem Auto wohl kinderleicht zu sein, wie Tom immer sagt.

Auf dem Weg ins San Francisco Medical Center sind die Straßen angenehm leer. Wer steht auch schon freiwillig um die Uhrzeit auf?

»Und, bist du aufgeregt?«, fragt Tom und schaut mich dabei von der Seite an.

»Was, wieso aufgeregt?« Oh je, hat er irgendwas mitbekommen? Weiß er von Bradley und mir? Hat er vielleicht unser Gespräch im Hörsaal belauscht? Mein Herz rast.

»Naja, ist ja unser erster Tag im Krankenhaus. Und dieser Kurs macht schließlich zwanzig Prozent unserer Note aus.«

Puh, bin ich erleichtert. Er hat nichts mitbekommen. Ich hasse es, Geheimnisse vor Tom zu haben, aber wenn das hier jemand erfährt, dann... Naja, was passiert dann? Wird Bradley gefeuert? Oder noch schlimmer. Die werfen mich von der Uni? Bei dem Gedanken daran, reiße ich meine Augen noch weiter auf und kralle meine Finger in den Sitz. Alles Gründe, warum das auf gar keinen Fall nochmal passieren darf!

»Was ist denn los mit dir?« Tom schaut mich besorgt an.

»Ach nichts, sorry. Es ist noch so früh und ich hatte ganz vergessen, dass dieser Kurs so viel von unserer Note ausmacht. Und um deine Frage zu beantworten: ja ich bin wirklich etwas aufgeregt.«, sage ich und versuche mich etwas zu beruhigen. Ich werde Bradley heute ganz einfach aus dem Weg gehen. Ja klar, ich gehe meinem Lehrarzt aus dem Weg, tolle Idee, Becks!

Im San Francisco Medical Center angekommen, begeben wir uns zur Personalabteilung. Dort bekommt jeder von uns ein Namensschild, einen dunkelblauen Kasack mit passender Hose und einen weißen Arztkittel. Nachdem wir ein paar Formulare ausgefüllt und unterschrieben haben, erhält jeder von uns eine Kombination für ein Spind im Umkleideraum.

Als wir mit dem Fahrstuhl ins Untergeschoss fahren und den Gang entlang gehen suchen wir die Umkleide.

»Hier, ich hab sie gefunden.«, ruft Tom von weiter hinten. Der Gang ist ziemlich düster und riecht nach Keller. Ich folge ihm und bleibe in der Tür stehen.

»Okay, und wo ist meine Umkleide? Also die für Frauen.«, frage ich entsetzt. Nicht, dass es mir etwas ausmacht, mich vor Tom auszuziehen, aber die anderen Studenten müssten auch jeden Moment ankommen.

Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt