Wir stehen gerade unter dem Vordach des Restaurants, an dem die dicken Regentropfen abprallen, als ein schwarzer BMW X6 an der Straße vor uns hält.
Juan rief noch während unserer Schicht seinen Bruder Fernando an, der uns um halb sieben abholt. Unser Chef schloss das Belle Vue frühzeitig, da aufgrund des Unwetters keine Gäste mehr zu erwarten waren.
»Da ist er.«, sagt Juan und ich merke an seiner Stimme, dass er nervös ist. Wir nähern uns dem Fahrzeug, das so aussieht, als hätte es ein Vermögen gekostet. Juan hält mir die hintere Tür auf, wofür ich mich bei ihm bedanke und er steigt vorne ein und nimmt auf dem Beifahrersitz platz.
Fernando wirft mir einen finsteren Blick mit seinen zusammen gekniffenen, rabenschwarzen Augen durch den Rückspiegel zu und unterhält sich mit Juan auf spanisch. Obwohl ich kein Wort verstehe, kann ich mir denken, dass sie eine Diskussion führen. Fernando scheint nicht sehr begeistert zu sein, dass ich sie begleite.
Es hatte mich ziemliche Überzeugungskraft gekostet, doch letztendlich konnte ich Juan überreden, mich zu dem Kampf nach Hunters Point mitzunehmen. Ich sagte ihm, dass es wichtig ist, weil jemand heute dort sein wird, an dem mir etwas liegt, was nicht einmal gelogen ist. Mein überzeugendstes Argument war jedoch, dass ich sonst einfach alleine hingehen würde und das würde Juan nie zulassen.
Hunters Point ist ein gefürchtetes Viertel im Südosten San Franciscos, direkt am Meer gelegen, an dem man sich als Außenstehender niemals herumtreiben sollte und als Frau besonders nicht. Straßengangs kontrollieren die Gegend und Schießereien sind hier keine Seltenheit. Mehr weiß ich jedoch zu dem Ort nicht.
»Podemos confiar en ella.«, höre ich Juan plötzlich in mitten der Auseinandersetzung mit seinem Bruder sagen und ich bin mir ziemlich sicher, dass confiar vertrauen bedeutet. Dann wird es vorne still und Fernandos Kiefer scheint sich langsam zu entspannen.
Doch zwei Autofahrten an einem Tag, an denen ein unangenehmes Schweigen herrscht, kann und möchte ich einfach nicht ertragen.
Also räuspere ich mich vorsichtig und sage schließlich an Fernando gerichtet: »Danke, Fernando, dass du mich mitnimmst. Ich werde es auch wirklich niemandem erzählen.«
Daraufhin schaut er mich wieder durch den Rückspiegel an. Seine Augen sehen schwarz und kalt aus. Ohne jegliche Gefühle. Er hat kurze schwarze Haare und trägt einen schwarzen Bart, der etwas mehr als nach Dreitagebart aussieht. Vielleicht ein Sechstagebart. Ein typischer Gangster-Bart eben. Die Sonne ist fast untergegangen, dadurch sieht seine Erscheinung wohl besonders düster aus.
Der Bart ist aber das einzige, dass die beiden Brüder gemeinsam haben. Denn im Gegensatz zu Fernandos pechschwarzem Haar, sind Juans Haare schokobraun, die ihm fast bis zu den Schultern gehen und die er heute unordentlich zusammen gebunden hat. Sie haben eine wunderschöne warme Farbe, für die viele Frauen einen Haufen Geld beim Frisör bezahlen würden. Die gleiche Farbe haben seine Augen, deren Wärme sich sofort auf das Gegenüber überträgt, sobald man ihn anschaut.
Plötzlich antwortet Fernando mir mit spanischem Akzent: »Das wäre auch das Letzte, das du tun würdest.«
Schockiert reiße ich meine Augen auf und höre mein Herz hämmern, doch nach ein paar Sekunden fangen beide Brüder an zu prusten und heftig zu lachen. Ich verstehe gar nichts mehr.
»Du hättest mal dein Gesicht sehen sollen.«, sagt Fernando und schaut mich mit zuckenden Mundwinkeln durch den Rückspiegel an.
Hörbar atme ich erleichtert aus, denn ich hatte wirklich kurz Panik und rolle mit den Augen. Außerdem macht sich Nervosität in mir breit, was ich an meinem beschleunigten Puls und meinen schwitzigen Händen fest mache.
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Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019
Romans❗️Enthält erotische Szenen ❗️ Die Einserschülerin Rebecca Wilson studiert Medizin in San Francisco. Nach einer gewalttätigen Beziehung ist sie froh, in den USA neu anfangen zu können. Doch dann lernt sie den geheimnisvollen, attraktiven und wohlhab...
