Kapitel 4

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Er geht vor mir in die Hocke und mustert mein Gesicht. »Mit Reden hast du es wohl nicht so.«, neckt er mich. Dabei zieht er einen Mundwinkel nach oben.

»Lenny...«, mehr bekomme ich nicht heraus. Ich kann doch selber noch nicht glauben, was passiert ist. Mit meinen feuchten Augen starre ich teilnahmslos in die Dunkelheit.

»Komm.«, sagt er ruhig und streckt mir eine Hand hin.

Ohne darüber nachzudenken, ergreife ich sie und er zieht mich auf die Beine. Dabei wird mir ziemlich schwindelig, dank des Alkohols. Es fühlt sich so an, als würde mir der Boden entzogen, doch der fremde Mann hält mich mit beiden Händen um die Taille fest. Ich schaue ihm in die Augen und sie lösen ein Kribbeln in meinem Bauch aus. Wie kann ein Mann nur so attraktiv sein?

»Ich fahre dich nach Hause.« Seine Stimme ist so tief, dass sie vibriert und mir eine Gänsehaut verpasst.

»Nein auf keinen Fall. Ich kenne dich doch gar nicht!«, antworte ich entsetzt. Dabei löse ich mich von seinem festen Griff. Der denkt doch wohl echt nicht, dass ich mit ihm mitfahre?

»Du bist betrunken und sitzt hier mitten in der Nacht weinend auf dem Boden. Ich fahre dich nach Hause., sagt er befehlerisch. Der hat sie doch nicht mehr alle. Er nimmt meine Hand und führt mich die Straße entlang.

»Was, wenn du ein Entführer bist? Ein Krimineller?«

Meine Hand löse ich aber nicht von ihm. Warum, kann nicht erklären. Wenn meine Mutter mich so sehen würde, mit einem Fremden. Sie würde mich umbringen. Und mir eine Klatschen. Vielleicht in einer anderen Reihenfolge.

»Dann hast du wohl Pech gehabt.«, antwortet er und ich meine ein leichtes Grinsen auf seinen Lippen zu erkennen.

Er zieht mich in eine dunkle Seitenstraße und ich bekomme ein mulmiges Gefühl. Doch plötzlich stehen wir vor einem Auto. Ein 67er Chevy Impala. Den letzten Satz habe ich wohl laut ausgesprochen, ohne es bemerkt zu haben, denn der fremde Typ schaut mich ungläubig an.

»Woher weißt du denn das?«, fragt er mich mit zusammengezogenen Augenbrauen und bleibt stehen. Sein durchdringender Blick macht mich nervös und ich schaue auf meine Schuhe.

»Mein Vater war... ist... KFZ-Mechaniker. Er hatte mal einen 67er in Reparatur und ich war echt begeistert von diesem Auto. Er ließ mich ab dann nach der Schule immer daran arbeiten.«, sprudelt es aus mir heraus. Ich hätte nicht so viel trinken sollen. Dann muss ich kichern, als mir die Erinnerungen hochkommen. Das war eine schöne Zeit.

»Das hätte ich dir gar nicht zugetraut.«, sagt er mit einem Grinsen und hält mir die Beifahrertür auf. Ich setze mich auf das weiche Leder des Sitzes. Dann geht er um das Auto herum und setzt sich ans Steuer.

»Wer ist Lenny?«, fragt er mich, nachdem er das Auto gestartet hat und losfährt.

»Das geht dich gar nichts an. Ich kenne dich doch gar nicht. Ich weiß noch nicht mal wie du heißt.«, entgegne ich ihm. Ich möchte nicht wirklich darüber sprechen, schon gar nicht mit einem Fremden.

»Ich heiße Bradley.«, antwortet er trocken und schaut mich an. »Und wer ist jetzt Lenny?« Er zieht seine Augenbrauen zusammen und blickt wieder auf die Straße.

Der Typ gibt echt nicht auf.

»Er ist... war mein Hund. Unser Hund. Ich habe gerade erfahren, dass er tot ist. Spar dir deinen Kommentar. Du wirst nicht verstehen, dass ich nur wegen eines Hundes weine.«, füge ich hinzu. Meine Stimme klingt zittrig. Hoffentlich fange ich jetzt nicht vor ihm an zu weinen. Die letzten Tränen sind gerade getrocknet. Menschen, die noch nie ein Haustier hatten, verstehen nicht, wie es sich anfühlt, wenn dem Tier etwas geschieht. Und Bradley hat bestimmt kein Haustier. Das würde doch nur seine Ledersitze zerkratzen.

Stronger - Secret Love #wattys2019 #aestethicaward2020 #glitzeraward2019Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt