Marinette öffnete die Augen.
Sie wusste nicht, was sie geweckt hatte, doch es war ein sanftes, angenehmes Erwachen.
Trotz des vorzeitigen Endes ihres Nachtschlafes fühlten ihre Augenlider sich leicht an, ebenso wie ihre Stimmung.
Sie spürte ein zartes Lächeln auf ihren Lippen - die Nachwirkung eines Traumes, den sie bereits wieder vergessen hatte? Oder nur die Reaktion auf die Realität, die sie neuerdings nach jedem Aufwachen erwartete?Marinette wusste es nicht, aber es spielte auch keine Rolle. Sie genoss es einfach nur, wie unbeschwert sie sich gerade fühlte.
Ihr Blick glitt hinauf zum Fenster über ihrem Bett.
Der Nachthimmel dahinter war wolkenlos, aber trotzdem eher grau als schwarz.
In dem begrenzten Ausschnitt, den das Fenster ihr zeigte, konnte sie drei blasse Sterne sehen - die einzigen, die mit ihrem Licht gegen die nächtliche Beleuchtung von Paris ankamen.In ihrer momentanen Stimmung hätte Marinette nur zu gern einen volleren Sternenhimmel betrachtet; so wie er weit draußen auf dem Meer, fernab von jeder Zivilisation, aussah.
Überwältigend, bezaubernd und wunderschön.
Dennoch konnte sie die künstliche Beleuchtung der Stadt wertschätzen, denn sie machte nicht nur die allermeisten Sterne unsichtbar, sie machte auch das Innere ihres Zimmer sichtbar.Marinette drehte den Kopf.
Ohne, dass sie dafür ihre Augen anstrengen musste, konnte sie das Gesicht der Person erkennen, die neben ihr lag.In den vergangenen Tagen hatte sie schon mehr als einmal gedacht, dass sie Adrien in all seiner Schönheit zu sehen bekommen hatte.
Früh am Morgen, als die ersten Sonnenstrahlen sich in seinem blonden Haar verfangen hatten und er mit einem liebevollen, noch etwas verschlafenen Lächeln zu ihr aufgesehen hatte.
Beim Abendessen im Kerzenschein, als ihm vor Lachen die Tränen in die Augen gestiegen waren und er so ausgelassen und glücklich ausgesehen hatte, wie noch nie zuvor.
Während eines ihrer Nachmittags-Nickerchen, als er sich direkt vor ihren Bauch gelegt und vermeintlich unbeobachtet mit ihrem ungeborenen Kind gesprochen hatte; die Augen voll funkelnder Aufregung, Vorfreude und Liebe.Jetzt gerade erlebte Marinette einen weiteren Moment dieser Art.
Einen Moment, in dem Adriens Anblick sie das Atmen vergessen ließ.Der Schlaf ließ seine Gesichtszüge unheimlich sanft aussehen - noch sanfter als sonst.
Seine geschlossenen Lider versperrten den Blick auf seine Augen, in denen normalerweise seine Emotionen sichtbar wurden, und auch seine Gesichtsmuskeln waren vollkommen entspannt. Trotzdem konnte Marinette seinen Gemütszustand erspüren.
Sie konnte ihm eine Zufriedenheit ansehen, die so fest und tief in ihm verankert war, dass selbst der Schlaf sie nicht von ihm nehmen konnte.
Die gedämpfte, nächtliche Beleuchtung unterstrich diesen Eindruck noch.Die ganze Szene strahlte eine sanfte Ruhe aus, die Marinette am liebsten aufgesaugt und für die Zukunft aufgehoben hätte. Sie versuchte, sich den Anblick des schlafenden Adrien einzuprägen, wohlwissend, dass es in ihrer Erinnerung nicht dasselbe sein würde.
Es machte den Moment umso wertvoller.»Du bist wach.«, erklang auf einmal eine leise Stimme.
Ruckartig setzte Marinette sich auf und sah in das Halbdunkel am Fußende ihres Bettes.
»Tikki!«, rief sie aus. Trotz ihrer Überraschung schaffte sie es gerade noch, ihre Stimme auf Flüsterlautstärke zu senken.
»Hallo, Marinette.«, sagte Tikki und kam auf sie zugeschwebt.»Ich habe mir so sehr gewünscht, dass du kommst!«
Marinette griff mit beiden Händen nach ihrem geliebten Kwami und drückte den kleinen Körper an ihre Wange – die innigste Art einer Umarmung, die sie miteinander teilen konnten.
»Ich habe dich unheimlich vermisst. Vor allem in den letzten Tagen!«
»Ach ja?«
Tikkis Stimme war anzuhören, dass sie lächelte, und als Marinette sie endlich wieder freigab und sie ansah, fand sie das Lächeln nicht nur in ihren Gesichtszügen vor, sondern auch in ihren großen, dunkelblauen Augen.
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Miraculous - Unendlich (FF)
Fanfiction{abgeschlossen} *** Teil 3 ***(Fortsetzung zu "Miraculous - Endlich vereint") Wenn zwei verliebte Menschen nicht zusammensein dürfen, wird bloßes Träumen ihnen kein gemeinsames Leben ermöglichen. Oder doch? Was passiert, wenn aus Träumen plötzlich H...