Draußen war es bereits hell als ich wach wurde, aber ich war noch immer sehr müde, lange konnten wir noch nicht geschlafen haben. Vorsichtig öffnete ich die Augen. Valentin hatte sich aufgerichtet und schaute mich an, ich lag auf seinem ausgestreckten Arm, so wie ich in der Nacht auch eingeschlafen war. „Hey", sagte er leise. „Hey, wie spät ist es?" „Acht." Ich seufzte. „So früh? Willst du schon gehen?" „Ich muss, sonst verpasse ich meinen Zug zurück zum Set." „Oh, ich dachte, du fährst erst heute Abend." „Nein, heute Mittag", erklärte er. „Na gut!" Ich spürte, wie sich eine gewisse Schwermütigkeit in mir breitmachte, aber ich wollte nicht, dass er etwas davon bemerkte. Also richtete ich mich auf und zog mein Schlafshirt über, während Val aus dem Bett stieg und seine auf dem Boden verteilten Klamotten einsammelte. Ich beobachtete ihn, während er sich anzog. Vermutlich würde ich ihn jetzt noch mehr vermissen als in den vergangenen Wochen. „Also dann", meinte Val, als er fertig war. „Warte, ich bringe dich zur Tür!" Schnell stand ich auf und folgte ihm in den Flur, wo wir neben der Tür stehen blieben. Schließlich fasste ich mir ein Herz. „Ich habe mich gefreut, dass du da warst", sagte ich ehrlich. „Ich mich auch", entgegnete Val, bevor er einen Schritt auf mich zuging und mich endlich noch einmal küsste. Mein Herzschlag beschleunigte sich, mein Bauch kribbelte und ich wünschte mir für einen Moment, die Zeit einfach anhalten zu können, doch leider war das nicht möglich und so landete ich schnell wieder in der Gegenwart, als Val mich losließ. „Pass auf dich auf", meinte er noch, dann öffnete er die Wohnungstür und machte einen Schritt nach draußen. „Du auch! Bis in zwei Wochen dann", entgegnete ich. Er nickte. „Bis dann." Schweren Herzens warf ich ihm noch einen Blick zu, dann schloss ich die Wohnungstür und tapste zurück in mein Bett.
Obwohl ich unbeschreiblich müde war, fiel es mir schwer, wieder in den Schlaf zu finden. Unruhig wälzte ich mich von einer auf die andere Seite und grübelte über mein Verhältnis zu Valentin nach. Was war das zwischen uns jetzt eigentlich? Freundschaft? Eine Affäre? Verliebtheit? Es war schwer zu definieren. Ich wusste nur, dass ich oft an ihn denken musste und mein Herz seit Neuestem viel zu schnell schlug, wenn er in meiner Nähe war. Allerdings bezweifelte ich stark, dass es ihm genauso ging. Ob er sich überhaupt jemals verliebte? Vermutlich war das Ganze nur Spaß für ihn und ich sollte dringend aufpassen, dass er mir nicht das Herz brach.
Irgendwann fiel ich doch wieder in einen unruhigen Schlaf, träumte aber von Valentin und war am nächsten Morgen enttäuscht, dass er nicht mehr da war. Völlig durch den Wind setzte ich mich auf die Bettkante und ließ meinen Blick in meinem Zimmer umherwandern. Die Bücher und Stifte von meinem Schreibtisch lagen immer noch auf dem Boden verteilt - ein eindeutiger Beweis dafür, dass meine Erinnerung mich nicht täuschte und Valentin wirklich hier gewesen war. Seufzend stand ich auf, sammelte die Sachen ein und legte sie zurück auf den Schreibtisch. Dabei fiel mein Blick auf eine silberne Kette. Sie gehörte Valentin, er trug sie normalerweise immer. Womöglich hatte er sie vor dem Schlafengehen ausgezogen und sie dann hier vergessen. Kurzentschlossen zog ich sie an und fühlte mich ihm damit direkt wieder ein wenig näher.
Anschließend legte ich einen kurzen Stopp im Badezimmer ein und ging dann in die Küche. Ich nahm eine Tasse aus dem Schrank und goss Kaffee hinein. „Na", sagte Elisa plötzlich. Sie saß am Küchentisch, ich hatte sie beim Reinkommen gar nicht bemerkt. Vor Schreck zuckte ich zusammen und schüttete mir den noch heißen Kaffee über die Hand - es brannte fürchterlich. "Fuck", zischte ich und hielt meine Hand unter den Wasserhahn. "Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken", sagte Elisa mitfühlend und bedachte mich mit einem besorgten Blick. "Schon okay." "Du bist wohl noch nicht richtig wach", bemerkte sie. "Es geht, ich war lange unterwegs", erklärte ich, stellte das Wasser aus, trocknete meine Hand ab und setzte mich ihr gegenüber an den Tisch. „So, so. Und wen hast du letzte Nacht abgeschleppt?" Fragte sie geradeheraus. „Was?" Hatte sie also doch etwas bemerkt. „Komm schon, Julie, die Schuhe vor der Tür haben wohl kaum einer Freundin gehört." Shit, wahrscheinlich war sie wieder einmal in aller Frühe beim Sport gewesen. „Außerdem wart ihr nicht gerade leise", fügte sie dann grinsend hinzu, was mich prompt erröten ließ. „Also, wer ist es? Kenne ich ihn?" Ich schüttelte den Kopf. Wie kam sie denn darauf? „Keine Ahnung, ich habe ihn gestern Abend im Club kennengelernt", log ich. Wir waren zwar mittlerweile Freundinnen, aber ich hatte trotzdem keine Lust, ihr von Valentin zu erzählen. Jetzt wirkte sie überrascht. „Ich wusste gar nicht, dass du allein feiern gehst und dann One-Night-Stands hast." „Ab und an", antwortete ich – obwohl es absolut nicht der Wahrheit entsprach. „Schade, ich dachte schon, du wärst verliebt. War es wenigstens gut?" Ich grinste. „Allerdings." Sie lächelte. "Na immerhin." Ich nickte und versuchte anschließend, das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken.
In den nächsten Tagen meldete Valentin sich immerhin sporadisch bei mir. Zwar machte er mir, wie zu erwarten war, keine Liebeserklärung, aber er schickte mir ab und an Fotos oder Videos vom Set oder aus der Maske und fragte mich, wie mein Tag war. Auch Julian und Rebecca kehrten aus dem Urlaub zurück und Julian plante einen Clubbesuch mit der ganzen Clique. Noch eine gute Woche, dann würden wir uns endlich alle wiedersehen.
DU LIEST GERADE
Neonliebe
ChickLit"Du bist so langweilig", raunte Valentin mir zu. „Langweilig, ich?" Er lehnte sich zurück und stützte sich auf seinen Unterarmen ab, während er mich provokant ansah. „Du bist der Inbegriff von Langeweile." Wie mir dieser Typ und seine Überheblichkei...
