14. Vergangenheit

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Hallo ihr Lieben :-) Danke für eure Likes, es tut mir leid, dass es schon wieder so lange gedauert hat mit dem neuen Kapitel. Ich hoffe, ihr lest trotzdem noch mit und versuche, die Geschichte ab jetzt wieder häufiger zu aktualisieren. 

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Drei Tage später war ich mit Lena verabredet, sie war meine beste Freundin von Kindheitsbeinen an, auch wenn wir ziemlich verschieden waren. Dennoch waren wir stets füreinander da. Lena war nach dem Abitur hier im Dorf geblieben und machte eine Ausbildung zur Erzieherin. Mit ihrem Freund Thorben war sie nun bereits seit vier Jahren zusammen, die beiden planten sogar schon ihre eigene Familie. Insgeheim war ich manchmal ein wenig neidisch, weil sie im Gegensatz zu mir ganz genau zu wissen schien, was sie wollte und sogar schon den passenden Mann für ihre Pläne gefunden hatte. Vielleicht musste ich aber auch einfach lernen zu akzeptieren, dass ich eben anders war als sie. 

Wir trafen uns in der einzigen Bar, die es hier in der Gegend gab. Natürlich war sie nicht mit den Bars und Clubs in Berlin zu vergleichen, aber das musste sie ja auch gar nicht. Ich war einfach froh, Lena wiederzusehen und mit ihr hier zu sein. „So schön, dass du mal wieder in der Heimat bist", meinte sie und strahlte mich an, während wir auf unsere Cocktails warteten. „Ja, ich freue mich auch", antwortete ich. Das stimmte zwar, aber gleichzeitig vermisste ich Julian, Valentin, Mira, Elisa und meine anderen Freunde in Berlin jeden Tag mehr. „Wie läuft es denn in Berlin?" Wollte Lena wissen. Ich seufzte. „Naja, das Studium habe ich schon nach ein paar Wochen geschmissen, es hat mir überhaupt nicht gefallen, ich arbeite momentan in einem Club an der Garderobe, aber ansonsten ist es der Wahnsinn." Lena sah mich mit großen Augen an. „Du studierst gar nicht mehr? Was sagen deine Eltern dazu?" „Sie waren natürlich nicht begeistert, aber ich konnte sie davon überzeugen, dass ich in Berlin bleiben und mir dort einen Ausbildungsplatz suchen kann." „Warum möchtest du das?" Sie konnte es offenbar überhaupt nicht nachvollziehen. „Ich fühle mich wohl dort, ich habe eine Menge nette Menschen kennengelernt." „Das freut mich, aber es klingt so gar nicht nach dir", meinte Lena grinsend. Ich dachte nach, womöglich hatte sie recht. Ich war in der Schule immer eher schüchtern und wenig kontaktfreudig gewesen. „Vielleicht kannte ich vorher nur nicht die richtigen Menschen", mutmaßte ich. Lena lächelte und fasste meine Bemerkung zum Glück nicht negativ auf. „Schon möglich. Wen hast du denn kennengelernt? Irgendwelche interessanten Typen?" „Kennst du Julian und Valentin Löwenstein?" Fragte ich. „Ja, klar, in Julian war ich als Teenie sooo verknallt, weißt du nicht mehr?" Sie kicherte. „Doch, ich erinnere mich. Die beiden haben in meiner zweiten Arbeitswoche in dem Club gefeiert, in dem ich arbeite, da haben wir uns angefreundet und mittlerweile bin ich quasi in ihre Clique integriert", berichtete ich. „Machst du Witze?" „Nein, wieso sollte ich?" „Wow", sie warf mir einen anerkennenden Blick zu. „Langsam verstehe ich, warum du in Berlin bleiben willst." 

Ich dachte gerade darüber nach, ihr von meinem One-Night-Stand mit Valentin zu berichten, als ich plötzlich meinen früheren Schwarm Jonas entdeckte, der gerade die Bar betrat. „Was ist?" Fragte Lena, die wohl bemerkt hatte, dass sich meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richtete. „Da ist Jonas", raunte ich ihr zu. Fast die komplette Schulzeit über war er mein Traummann gewesen, leider hatte er sich aber kaum für mich interessiert. In diesem Augenblick allerdings drehte er sich um und sah mich direkt an. „Er guckt dich an", Lena klang aufgeregt, ihre Stimme schnellte dann immer in die Höhe und wurde eher zu einem unangenehmen Quietschen. „Psst", zischte ich, weil ich keine Aufmerksamkeit erregen wollte. Dafür war es allerdings bereits zu spät, denn Jonas kam an unseren Tisch geschlendert. „Hi, ihr seid ja auch hier", er lächelte und seine makellos weißen Zähne strahlten mir entgegen. Generell sah er ziemlich gut aus, aber irgendwie auch langweilig in seinem Hemd und seiner Chino-Hose, mit den perfekt geputzten weißen Sneakers an den Füßen. Ich nickte. „Ja, wie geht's?" „Gut und euch?" Ich versuchte, mir ins Gedächtnis zu rufen, wie meine Freundinnen aus Berlin sich in einer solchen Situation verhalten würden und mir etwas davon abzuschauen. So fragte ihn also betont lässig, ob er sich zu uns setzen wollte. Jonas stimmte zu meiner Verwunderung tatsächlich zu und setzte sich auf den einzigen freien Stuhl neben mir. „Nur kurz, meine Kumpels müssten bald hier sein", erklärte er. "Was macht ihr denn aktuell so?" „Ich mache eine Ausbildung zur Erzieherin", berichtete Lena. „Cool, hier? Bist du noch mit Thorben zusammen?" Lena nickte. „Ja, wir wohnen jetzt zusammen." „Wow, nicht schlecht. Und du, Julie?" „Ich bin nach Berlin gezogen und arbeite dort momentan in einem Club", erklärte ich. „Echt? Hört sich interessant an, ich bin auch öfter mal in Berlin", sagte er. „Wirklich?" Ich hatte ihn noch kein einziges Mal irgendwo getroffen, aber das war kaum verwunderlich, Berlin war schließlich riesig. „Ja, ich mache eine Ausbildung bei der Bank und meine Fortbildungen finden manchmal in Berlin statt", erklärte er. „Cool, dann kannst du ja mal an meinem Arbeitsplatz vorbeischauen", meinte ich. Er lächelte. „Ja, oder wir unternehmen mal etwas zusammen." Wie bitte? Hatte er wirklich gerade gesagt, dass er sich mit mir treffen wollte? Ich versuchte, möglichst selbstbewusst zu lächeln. „Ja klar, sehr gerne." „Super, willst du mir vielleicht deine Nummer geben? Dann melde ich mich, wenn ich das nächste Mal in Berlin bin." Ich nickte. „Klingt nach einem guten Plan!" Jonas zog sein Handy aus der Tasche und schob es mir herüber, sodass ich meine Nummer eintippen konnte. Dann drehte er sich herum. „Meine Kumpels sind da, ich muss los. Habt noch einen schönen Abend", sagte er und stand auf. „Danke, du auch", entgegnete ich und kurz darauf verschwand er zu einer Gruppe junger Männer, die gerade die Bar betreten hatten und sich suchend umschauten. 

„Wow, was war das denn?" Fragte Lena entgeistert. Ich zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, das frage ich mich auch." „Der stand ja plötzlich total auf dich!" Ich zuckte mit den Schultern und konnte mir das Ganze auch nicht erklären. 

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