Ich stolperte etwas zurück und sah mich panisch um.
Der Bär hingegen, der mich eben noch getragen hatte, stand mit einer neutralen Miene da und starrte dem Wolf ohne Angst entgegen.
Was zur Hölle stimmt nicht mit ihm?
Wer hat bitte keine Angst vor dem Wolf und was macht der Wolf hier mitten in der Schule?
Langsam trat ich ein paar Schritte zurück, in der Hoffnung, dass es keiner mitbekommt. Plötzlich schrie jemand durch den Flur.
„Ayla!"
Ich zuckte zusammen und drehte mich um.
Sophie stand mit dem fremden anderen Mann in der Tür.
Ihr Blick ging kurz zu dem Wolf, doch auch die beiden schienen sich nicht groß zu fürchten.
Was stimmt denn nicht mit ihnen?
Dass sogar Sophie keine Angst zeigte, war verwunderlich.
Sophie kam auf mich zu, ohne auf den Bären oder den Wolf zu achten.
Sie zog mich in ihre Arme und dankend erwiderte ich ihre Umarmung.
„Los, komm schnell mit. Apollo wird ihn ablenken."
„Wer ist Apollo?"
Sie gab keine Antwort und zog mich einfach mit sich wieder zu dem anderen Mann.
Der Wolf knurrte bedrohlich auf und trat einen Schritt vor.
Ein weiteres Knurren und er sprintete auf den Bären zu. Doch er blieb einfach stehen.
Bevor ich jedoch sehen konnte, was passiert, verließen wir den Flur.
Sophie zerrte mich immer weiter heraus, bis auf den Schulhof.
„Warte! Sophie!"
Sie gab keine Antwort.
„Sophie, verdammt, wer war das? Was war mit diesem Wolf los? Ist er auf Drogen oder warum ist der so riesig?! Sophie!!"
Ich zerrte an ihrem Arm, doch trotz dass sie dünner und etwas kleiner als ich ist, war sie erstaunlich stark und zog mich unerschrocken weiter.
An einem roten Mini angekommen, riss sie die Seitentür auf und deutete mir einzusteigen. Kurz zögerte ich, doch tat dann, wie sie wollte.
Immerhin möchte ich auch nicht zurück zu dem Wolf und dem Bären.
Ich ließ mich nieder und schnallte mich an, da ging auch schon die Fahrertür auf und Sophie ließ sich dort nieder.
Schnell schnallte sie sich an und startete den Motor. Ohne ein weiteres Wort zu wechseln, fuhren wir los und ließen die Schule samt Wolf und Bär hinter uns.
Nach ein paar Minuten schweigendem Fahren stoppte Sophie vor meinem Haus.
Woher sie wohl wusste, dass ich hier wohne?
Klar ist das eine kleinere Stadt und hier gibt es nicht allzu viele freie Häuser, dennoch wundert es mich.
Sie starrte auf das Lenkrad, ohne etwas zu sagen und mich überkam ein Schauer. Ihr Blick war so ernst, so kalt, als wäre sie eine komplett andere Person. Die sonst so fröhliche, etwas schüchterne, die ich jetzt erst kennengelernt habe, hat mehr Seiten als ich dachte.
„Sophie?"
Meine Stimme war fast nur ein Flüstern. Keine Ahnung, warum sie so ernst auf diese Situation reagierte, doch ich wollte eine Antwort, ohne ihr zu nahe zu treten.
„Ayla, das ist alles komplizierter als du denkst! Ich... ich weiß nicht, wie ich es sagen soll oder kann..."
Sie schüttelte den Kopf, schien mit sich selbst zu ringen.
„Geh einfach ins Haus, da bist du sicher.
Du solltest mit deinem Vater reden. Noch seid ihr neu hier, zieht lieber wieder um, weg von hier, bevor ihr noch in etwas reinrennt, was euch nicht gut tut."
Verwirrt zog ich die Brauen zusammen. „Aber Sophie?!..."
Ich war sprachlos. Wir haben uns gerade zwar erst kennengelernt, aber sie ist mir ans Herz gewachsen und selbst wenn glaube ich nicht, dass mein Vater einfach wieder umziehen wird, nur weil ich ihn darum bitte. Selbst der Wolf wäre kein richtiger Grund, da wir immer in der Nähe von Wäldern gelebt haben und das wahrscheinlich auch tun werden.
„Sophie, kannst du mir nicht irgendwas sagen? Du scheinst gar keine Angst zu haben. Da war ein verfickter Riesenwolf und du willst nur, dass ich verschwinde?!"
Scharf zog sie die Luft ein. „Steig jetzt aus."
„Was?"
„Steig jetzt aus, Ayla."
Perplex musterte ich sie.
Wir wollten doch Freunde sein, wir haben uns doch so gut verstanden. Was hat dieser Wolf bei ihr ausgelöst? Wieso reagiert sie so seltsam darauf? Oder gar nicht?
Sie drückte auf die Hupe und riss mich aus meinen Gedanken. „Raus jetzt!"
Zum ersten Mal erhob sie etwas ihre Stimme, was mich überrascht zusammenzucken ließ.
Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.
Perplex stieg ich aus und betrachtete das Auto von außen. Kaum dass die Tür zu war, startete sie den Motor und verschwand.
Wieso wird sie mir gegenüber lauter und schmeißt mich aus ihrem Auto, aber Zack lässt sie machen, was er will?!
Ich dachte, wir verstehen uns, könnten beste Freunde werden.
„Ayla?"
Überrascht hob ich den Kopf und blickte zur Tür.
Mein Vater stand dort und musterte mich von Kopf bis Fuß.
Verständlich, immerhin stand ich mitten auf der Straße und starrte vor mir auf den Boden, als würde dort gleich ein Loch entstehen.
„Na komm rein, Schätzchen."
Nickend lief ich auf ihn zu. Im Flur zog ich meine Schuhe und Jacke aus und verstaute sie, während Vater in die Küche verschwand.
„Möchtest du einen Kakao oder Tee? Du siehst ganz schön fertig aus."
Ich nickte, bis ich merkte, dass er dies gar nicht sieht.
„Ja, gerne einen Kakao."
Seufzend ließ ich mich auf das Sofa fallen.
Ich weiß nicht, wie lange ich auf den Boden gestarrt hatte und alles noch mal durchgespielt hatte, um es besser verstehen zu können, aber als der Kakao fertig war, riss mich mein Vater aus meinen Gedanken.
„Wow, ich weiß, dass der erste Schultag hart sein kann, aber du siehst aus, als wärst du einem Bären begegnet."
Wie recht er doch irgendwie mit dieser Aussage hatte.
Plötzlich knallte es laut und dann erneut.
Vater und ich sahen uns verwirrt um und erhaschten kurz einen wütenden Koray.
Er stampfte ohne ein Wort durch den Flur und sprintete nach oben.
Verwirrt sah ich ihm hinterher.
Warum hatte er eine kurze Sporthose und T-Shirt an?
Hatte er schon eher frei und war joggen gegangen?
Aber das hätte er mir doch geschrieben, oder?
Plötzlich klopfte es und mein Vater und ich sahen zum Türrahmen.
Ich zog die Luft scharf ein.
Koray war nicht alleine gekommen. Mir schoss nur ein Satz durch den Kopf:
Was will der hier?
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1041 Wörter
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What is a MATE?
WerewolfAyla ist ein ganz normales Mädchen. Achtzehn. Vater. Bruder. Nervendes Schulleben. Und beste Freunde die diese besser machen.... Naja wäre da nicht der Umzug... Neue Stadt. Neue Geheimnisse. Fragen über fragen. Lügen über lügen. Wird sie die G...
