8. Kapitel

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"Nichts", meinte Alekto und faltete den Tagespropheten zusammen. Als gestern die Erde vibriert hatte, waren alle sofort auf höchster Alarmstufe gewesen. Doch man fand nichts, keine Todesser, keine Spuren, keine Ahnung, was es war und es konnte nicht einmal lokalisiert werden, wo diese Erschütterung passiert war. Weder die Lehrer noch die Zeitung konnten ihnen Informationen geben. Das einzige Positive war, dass die Nachmittagsstunden ausgefallen waren.

"Was ist, wenn es unterirdisch war, das würde erklären, wieso man nichts sieht und es keinen Knall gab?", schlug Lea vor und biss in ihren marmeladenbeschmierten Toast.
"Dass die Todesser unter die Erde gegangen sind?", fragte Alekto. "Sollen sie einen Tunnel nach Hogwarts buddeln?" Sie schmunzelte unwillkürlich bei der Vorstellung.
Lea zuckte mit den Schultern, "Vielleicht ein Versuch, die Schutzzauber um Hogwarts zu umgehen, aber das wäre wohl zu einfach, nicht? Außerdem wissen wir immer noch nicht, was sie in Hogwarts wollen, ihr Wissen auffrischen?"
"Vielleicht hat Dumbledore ein paar wertvolle Artefakte in seinem Büro." Sie sahen zu, wie Hagrid gerade einen riesigen Kürbis in einer Ecke in der Großen Halle aufstellte. Bald war Halloween und dann würden überall Jack O'Lanterns herumstehen und die Schüler in ihrem Alltag mit ihren Fratzen beobachten.

"Vermutlich, aber an der Sicherung von Hogwarts vorbeizukommen ist einfacher, als an Dumbledore vorbeizukommen." Lea warf einen Blick zum Schulleiter, der gerade schien einem nicht überzeugt dreinblickenden Professor Fraser etwas mit einem auf einer Gabel aufgestochenen Bacon zu erklären. "Und an McGonagall, jeder, der mal nach Hogwarts gegangen ist, hat auch eine rationale Furcht vor ihr."
Alekto löste den etwas schrägen Knoten ihrer Krawatte. "Was gäbe es denn sonst in Hogwarts zu holen?", fragte sie, während sie die silber-grüne Krawatte neu band. Es war ihnen und dem Rest von Hogwarts weiter ein Mysterium, was der Angriff von letzter Woche sollte und was das gestern gewesen war. Genau so ein großes Mysterium, wie, was Dumbledore mit dem Herumgefuchtelt dem anderen Professor erklären wollte.

In Zaubertränke arbeiteten sie heute glücklicherweise an einem anderen Trank und so konnte Alekto bei den anderen Slytherins sitzen. Dennoch warf sie immer wieder Blicke über die Schulter an den Tisch, wo die vier Gryffindor-Jungen saßen. Auch wenn man es gewohnt war, sie mit ihren Köpfen zusammengesteckt zu sehen, so schienen sie heute mehr über ihren Tränken zu tuscheln als üblich. Stellten sie sich dieselbe Frage wie der Rest von Hogwarts, über die Motivation der Angreifer? Im vierten Jahrgang ging momentan das Gerücht herum, an Halloween sollte der, dessen Namen nicht genannt werden darf, Hogwarts angreifen, aber laut dem Tagespropheten war der gerade in der Nähe von Brighton. Sie durften immer noch nicht nach Hogsmeade, aber immerhin schienen Potter und Pettigrew irgendwie wieder Chimära-Schuppen aufgetrieben zu haben.

Alekto blickte rätselnd auf ihr Buch, brauchten sie überhaupt Chimära-Schuppen für diesen Trank? Ihre Augen huschten über die Zeilen, ohne die Worte richtig zu lesen. Tatsächlich musste man nach den Aalaugen gut umrühren und dann sieben Schuppen dazugeben. Sie drehte sich wieder um und sah zu, wie die Jungen die Schuppen vorsichtig abzählten, bevor sie sie einzeln in den Trank warfen (Pettigrew), sie zuerst zählten und dann alle gleichzeitig hineinmischten (Potter), zählten während sie sie hineinwarfen (Black) oder bereits zum nächsten Schritt übergegangen waren (Lupin). Alektos Chimära-Schuppen waren noch nicht abgezählt, aber auch das Glas mit den Aalaugen war noch nicht geöffnet worden.

Sie sah auf den Trank neben sich, der eine komplett andere Farbe als ihrer hatte. Aber auch der sonstige Klassenbeste, Severus, schien nicht ganz bei der Sache zu sein. Auch er warf immer wieder Blicke über die Schulter, jedoch nicht zu den Gryffindor-Jungen, sondern den Mädchen, wo Lily Evans saß. Diese hatte ihr rotes Haar in einen Bauernzopf geflochten und beugte sich gerade konzentriert über ihr Buch.

Alekto wusste, dass die beiden befreundet gewesen waren, aber seit dem Vorfall letztes Jahr nach den ZAG-Prüfungen schienen Dinge südlich gegangen zu sein. Sie selbst hatte den Vorfall nicht mitbekommen, weil sie noch mit Evan Rosier und Simon Goyle vor der Großen Halle über die Prüfung diskutiert hatte. Sie hatte damals ein einigermaßen gutes Gefühl gehabt, was ihre Antworten anbelangten, auch wenn sie es kaum ausgehalten hatte, für so lange auf ihrem Stuhl stillzusitzen. Aber das Gefühl hatte sie betrogen.

Jemand räusperte sich neben ihr und Alekto blickte hoch in das Gesicht ihres Professors.
"Wo im Rezept sind Sie, Miss Myrddin?", fragte Slughorn.
Die Slytherin setzte sich wieder richtig auf ihren Stuhl und versuchte sich zu erinnern, was sie zuletzt getan hatte. "Bei der Fledermausmilz im sechsten Schritt, Sir", antwortete sie und versuchte zu klingen, als hätte sie eine Ahnung, was sie tat.
"Ist das die Fledermausmilz?", fragte Slughorn weiter und deutete auf den zerhackten Blutegel vor ihr, der aus Schritt vier stammte. Sie blickte vom Blutegel zum Tränkemeister, der, selbst im kleingehackten Zustand, die Zutaten unterscheiden konnte. "Konzentrieren Sie sich, sonst wird das nie etwas mit den UTZs", mahnte er sie und ein Knoten bildete sich in ihrem Magen. Sie hatte keine Ahnung, wie sie die UTZs überleben sollte.

Am Ende der Stunde war ihr Trank gar nicht mal so schlecht. Selbst Slughorn war überrascht, wie gut sie ihn noch retten konnte.
"Vergessen Sie den Aufsatz zum Vergo-Trank nicht. Sie müssen das Wissen nächste Woche beim Trank anwenden können", ermahnte er seine Schüler noch, bevor diese das Klassenzimmer verließen. Alekto sprang die letzten Stufen der Treppe aus dem Kerker hoch, als letzte Stunde an diesem Tag hatte sie noch Zauberkunst.

Gerade als sie in einen Gang bog, konnte sie die Stimmen der Rumtreiber hinter sich vernehmen, wie sie aufgeregt über etwas diskutierten. Sie verlangsamte ihre Schritte, damit die Gryffindors sie schneller überholen konnten und ihr nicht mehr in Nacken saßen. Dabei konnte sie Gesprächsfetzen aufgreifen.

"Sollen. . . dasselbe tun bei dem zum. . .?"
". . . der Angriff . . . nicht . . . Nähe vom Honigtopf."
"Vielleicht. . . einen übersehen? Was. . . nicht alle. . . Karte."
Sie gaben für sie wenig Sinn, aber das brauchten sie auch nicht. Vermutlich war es wieder etwas für einen kindischen Streich. Letztes Jahr haben sie verschiedene Jack O'Lanterns verhext, damit sie anfingen, Schüler zu verfolgen und sie mit Kürbissinnereien einzudecken. Der Einzige, der das witzig fand, war Peeves, der die betroffenen Schüler mit Kürbiskernen bespuckte, als wäre es nicht genug gewesen, für die nächsten drei Tage nach Kürbis zu riechen. Alekto konnte einem Kürbis nur knapp entrinnen, indem sie ihn mit einem Buch niederschlug, aber Lea hatte es getroffen.

"Lies die Bücher besser gut als Hausaufgabe, Myrddin. Nicht, dass du dich wieder selbst verletzt", rief ihr Sirius zu, als die Jungs am Fuß der Treppe ankamen.
"Halt die Klappe, Black", rief Alekto ihm hinterher. Dank der Salbe von Madam Pomfrey war die Wunde innerhalb weniger Tage verschwunden gewesen. Es hatte eine Narbe hinterlassen, die aber rasch zu verblassen schien.

"Ein Black in Gryffindor", konnte sie eine Stimme hören, die sie augenblicklich zuordnen konnte. "Was ist aus der Familie meiner Mutter geworden?"

Morwenna Myrddin stand in einem Bild, mit einem dichten Wald im Hintergrund. Die eigentliche Person des Bildes schien gerade nicht da zu sein. Alekto hatte den Fehler gemacht und war angehalten, und Morwenna nahm das als Einladung zum Gespräch an.
"Schade, ich habe gehört, er sei ein sehr talentierter junger Mann. Ein würdiger Träger des Familiennamen, aber er muss ja ein Blutverräter sein", sagte sie kalt, wandte den Kopf und blickte jetzt auf Alekto hinunter.

Natürlich war er das. Er war begabt und intelligent, dazu noch sehr beliebt und gutaussehend. Aber der Familienname und das Erbe interessierten ihn nicht, er tat, was er wollte, ohne Rücksicht auf den Ruf seiner Familie.

Ihre grauen Augen musterten die Slytherin. "Woran denkst du, kleine Myrddin?"
Morwennas Präsenz hatte etwas Verheißungsvolles an sich, eine Frau, die sich Macht gewohnt war.
Alekto schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter. "Dass jede Familie ihre Enttäuschungen hat."
Die ältere Hexe ließ ein schrilles Auflachen hören. "Durchaus. Aber er hat seine Entscheidung schon getroffen, du noch nicht."

In Alektos Gedanken erschienen die Bilder aus dem Unterricht von Verteidigung gegen die dunklen Künste. An die Bilder von dem Schaden, den schwarze Magie anrichten konnte, bei anderen und beim Anwender selbst. Wie beim Projektor, bei dem der Lehrer immer weitergeschaltet hatte, klickten die Bilder in ihre Erinnerung. Entstellt, in den Wahnsinn getrieben, eine lebende Hülle. . .

"Es ist gefährlich", flüsterte sie leise.
"Magie wird über Blut weitergegeben und du bist eine Nachfahrin Merlins. Lass dir ein Rückgrat wachsen. Du hast die Entscheidung, deine Familie in den Niedergang zu treiben oder ihr neue Größe zu geben."



Merkt man, dass Alekto eifersüchtig ist auf Sirius? Sie leidet unter dem Druck ihrer Familie und er hat sich durch seine Rebellion davon befreit.

Das ist Kapitel 8 während ich gerade an Kapitel 31 schreibe (und die Geschichte ist noch nicht zu Ende). 

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