13. Kapitel

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    Dejan kam auf die Yacht, so vorsichtig und misstrauisch, dass ich dachte, er würde Jurassic Park betreten, einen Park voller Dinosaurier. So sah aer auch alle an. Als würden sie ihn gleich fressen. Roco sah ihn als erster an. Sein Blick saugte sich an meinem besten Freund fest und ich glaubte Neugier in seinen Augen zu erkennen.
     Dejan sah alle an. Dann fand sein Blick mich und er schien sich zu entspannen. Vaughn hatte mich gefragt, ob ich Dejan hierher zum Essen einladen wollte und das hatte ich getan. Am Telefon hatte Dejan nicht begeistert geklungen und auch jetzt wirkte er nicht sehr erfreut. Eher so, als wollte er gleich hinausrennen. Ganz schnell.
     Jap. Er wollte hinausrennen. Und wie er das wollte. Ich sah es ihm an. Er wollte davonrennen. Weit, weit weg, als würde gleich ein Velociraptor aus einem Versteck springen und ihn jagen.

     So sah er gerade aus. Dabei war Dejan sonst so selbstbewusst und mutig. Jetzt gerade wirkte er verängstigt und unsicher. Immer wieder huschte sein Blick zu den anderen, die ihn warm anlächelten.
     Doch dann musterte er Vaughn und seine Züge wurden steinhart. Jap... er mochte ihn nicht. Und ich wusste nicht, ob er ihn je mögen würde. Ich wusste es wirklich nicht. Dafür war vermutlich zu viel passiert. Zu viel, um ihn zu mögen.
     »Hallo«, begrüßte Dejan sie alle und sie alle echoten eine Begrüßung zurück. Roco musterte meinen besten Freund genauer und Dejan spürte seinen Blick. Er sah Roco an und zog herausfordernd eine Braue nach oben.
    Roco zwinkerte ihm zu, ehe er in der Küche verschwand. Verwirrt sah ich Roco hinterher und fragte mich, was das zu bedeuten hatte. Die anderen hatten es auch bemerkt, sagten aber nichts. Was hätten wir auch sagen sollen?

    Es war nicht unsere Sache und ging uns auch ganz sicher nichts an. Dejan sah Roco eine Weile nach, ehe er mich ansah und dann Vaughn, neben dem ich seit einer Weile stand und mir sein Geruch noch immer in die Nase stieg.
    Heute roch er besonders stark nach seinem Duschgel. Das gleiche wie immer. Und dieses Detail hätte mir sicher nicht auffallen sollen. Es hätte mir gleich sein müssen, nach was er roch und doch... und doch roch ich es.
    Roch ihn. Und das obwohl Roco schon seit einer Weile kochte und es im Innenraum der Yacht nach Pasta duftete, hatten meine Nasenlöcher anscheinend nur Platz für Vaughns Duft.

     Vaughn neben mir spannte sich unter Dejans bohrendem und stechendem Blick an und er trat von einem Fuß auf den anderen, nicht gerade erfreut, so von einem Freund von mir angesehen zu werden.
    Selbst Damir hatte Vaughn nicht so in Grund und Boden gestarrt. Dejan aber tat es, ohne mit der Wimper zu zucken.
    »Du bist also der Kerl, der Sita das Herz gebrochen hat und für den sie jetzt noch immer rennt, obwohl er das nicht verdient hat.« Dejans Worte waren hart wie Stahl und bissig. Eisig wie der Wind und nicht gerade das, was ich von ihm erwartet hatte.
     Dejan war sonst nicht so auf Krawall aus. Sonst war er ein harmonischer Mensch, auf der Suche nach Einklang und Frieden. Er suchte normalerweise nicht die nächstbeste Rauferei. Sondern Frieden. Von Frieden war hier aber nichts zu sehen. Stattdessen sah ich... Wut und Verzweiflung.

    »Der bin ich wohl«, sagte Vaughn und ich glaubte seine Stimme zittern zu hören, was absolut ungewöhnlich für ihn war. Er war nicht in Kampfhaltung, sondern sah eher so aus, als wollte er jeden Moment wieder unter Deck in seiner Kajüte verschwinden, wo niemand ihn belangen konnte.
     Als wollte er wieder unter die Dusche springen, in der Hoffnung, dass das Rauschen des Wassers jedes Geräusch der Welt übertönen konnte. Doch das würde ich nicht zulassen. Nicht erneut. Dejan hatte kein Recht so zu ihm zu sein. Nicht, wenn er ihn gar nicht persönlich kannte. Ich wusste, dass er mir nur helfen wollte. Wusste, dass er für mich sorgen wollte. Wusste, dass er wollte, dass es mir gut ging.
     Das alles wusste ich und doch konnte ich nicht zulassen, dass er so zu ihm war. Konnte nicht zulassen, dass er dafür sorgte, dass Vaughn wieder verschwinden wollte. Denn sich zu verstecken würde ihn nicht weiterbringen und ihn ständig zu beschuldigen auch nicht. Das hatte ich nun gelernt. Natürlich verstand ich, wieso Dejan das tat. Er hatte mich an meinen schlimmsten Tagen gesehen. Am Abgrund. Und er würde dies nicht so schnell vergessen. Vermutlich niemals.
    Vaughn wusste nicht, wie ich damals ausgesehen hatte und das war wohl auch besser so. Ich war eine wandelnde Leiche gewesen. Jeden Tag. Viel zu lange hatte ich im Bett gelegen, weil ich es nicht über mich hatte bringen können, aufzustehen. Wenn ich dann aufgestanden war, war ich aufs Klo gegangen, um dann auf seiner Couch zu liegen und irgendwelche Sendungen anzusehen, an die ich mich nicht mehr erinnern konnte.

Das Rätsel des VertrauensGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt