17. Kapitel

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    Nach dem ersten Gespräch entschieden wir uns für ein Spiel. Diesmal hatte ich in den Tiefen von Dejans Schrank nach etwas gekramt und gefunden. Cluedo. Ein Spiel, wo man mit Hilfe von Hinweisen herausfinden musste, wer der Mörder oder wer die Mörderin gewesen war.
    Es war tatsächlich erstaunlich lustig, dass mit Vaughn zu spielen. Er gab sich sehr viel Mühe. Wir beide hatten unseren Spaß und es fühlte sich so an wie früher, jetzt wo wir viele Dinge geklärt hatten. Es fühlte sich so an, als wäre nicht so viel Zeit vergangen. Als wäre nichts passiert.
    Zumindest in diesen Moment. Der Sturm draußen wütete noch immer und ich fragte mich immer wieder, wie es Dejan gerade ging und wo er war. Auf meine Nachrichten hatte er nicht geantwortet, was daran lag, dass er sein Handy hiergelassen hatte.
     Typisch Dejan. Er konnte ja nicht bei Sonne und schönem Wetter rausgehen, nein er musste bei diesem Wind sein und bald würde Regen einsetzten. Zumindest ließen das die dicken, dunklen Wolken vermuten, die den blauen Himmel bedeckte und alles in ein tristes, düstertes Licht tauchten.

    »Es war Dr. Bloom, mit dem Dolch, im Wohnzimmer«, sagte Vaughn, der gerade in das Wohnzimmer gelaufen war. Nur ein paar Züge schneller als ich. Damit hatte er das Rätsel aufgelöst. Vor mir. Ein Teil in mir seufzte, der andere aber freute sich für ihn.
    Wir spielten noch eine Runde, die ich gewann. Meine Freude hielt sich dabei aber in Grenzen, denn Dejan war noch immer nicht zurück. Er kam nicht. Egal was ich versuchte. Egal was ich tat. Er kam einfach nicht.
    Vaughn bemerkte meine Unruhe schnell. Vermutlich war es nicht zu verkennen, wie ich immer wieder auf den Knopf des Kugelschreibers klickte und dabei immer wieder einen Blick auf die moderne Uhr im Zimmer blickte, in der Hoffnung, dass diese mir verraten könnten, wo Dejan sich gerade befand.
     »Ich bin sicher, dass es ihm gutgeht. Und das meine ich ernst. Dejan kommt von hier. Er wird wissen, wann er das Haus verlassen und wann nicht.«

    Instinktiv wollte ich seinen Worten zustimmen, weil ich mir sicher war, dass es so war. Ich war mir sicher, dass er recht hatte und Dejan sich auskannte. Das wusste ich. Die Frage war nur, in wie weit mich das beruhigen sollte. Ich wusste nicht mal genau, wo Dejan war. Das war die Tatsache, die mich fertig machte.
    Wenn etwas passierte, würde ich ihn nicht mal erreichen können und außerdem würde ich nicht mal wissen, ob ihm etwas passiert war.
    »Du hast recht aber... ich weiß noch immer nicht, wo er ist und das macht mir zu schaffen. Er hat sein Handy ja hier gelassen. Wenn ich diesen Kerl erwische, dann beko-«, fing ich an, doch wurde von einer Tür unterbrochen, die ins Schloss fiel.
     »Was bekomme ich dann, liebe Sita?«, erklang Dejans Stimme und dann trat er ins Wohnzimmer. Seine Haare waren vom Wind zerzaust, doch sonst schien ihm nichts zu fehlen. Es ging ihm gut.
     Und ein freches Grinsen lag auf seinen Lippen, während er auf meine Antwort wartete. Doch die Worte wollten sich nicht mehr bilden. Gerade noch hatte ich sie alle im Kopf gehabt. Hatte an sie gedacht, hatte fest vorgehabt sie zu sagen und jetzt war mein Kopf leergefegt.

     Weil er vor mir stand, unversehrt und mich angrinste. Weil er wieder da war und meine Sorge sich in Luft auflöste und mit ihr die Worte, die ich ihm an den Kopf hatte werfen wollen. Nichts davon war mehr zu hören. Einen Moment lang sagte niemand etwas. Stille senkte sich über den Raum und man hörte nur das Tosen des Windes von draußen. Immer lauter, immer schneller.
    Bis Vaughn sich räusperte. »Ich weiß nicht, was sie sagen wollte, aber ich glaube, sie ist einfach erleichtert, dich gerade zu sehen.«
     Mein Blick glitt zu Vaughn, der Dejan ansah. Beide starrten sich kurz an, dann sah Dejan wieder zu mir. Ich erwiderte seinen Blick, während ich in meinem Kopf nach den Worten suchte, die ich ihm an den Kopf hatte werfen wollen.
     »Du bekommst eine Standpauke im Verhalten gegenüber Freunden. Erstens: Bei so einem Wetter sagt man immer genau, wo man hingeht. Zweitens: Man nimmt sein Handy mit, damit andere einen erreichen!« Wütend deutete ich auf sein Handy. Er zog die Schultern ein, das einzige Zeichen dafür, dass er verstanden hatte, wie wichtig mir es war.

Das Rätsel des VertrauensGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt