14. Kapitel

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     Zu meiner Überraschung legte sich Dejans Anspannung am Abend bei einem Kartenspiel. Nicht UNO, sondern Räuberrome. Es schien ihm Spaß zu machen und das ließ mich entspannen. Weil ich wusste, dass er nun nicht mehr auf böse Gedanken kommen würde. Nun wäre er ganz entspannt. Zumindest hoffte ich das.
     Die ersten Spiele gewann er, was den anderen ziemlich egal zu sein schien, denn alle hatten Spaß an der Sache und lachten. Das war die Hauptsache. Dass alle Spaß hatten.
     Dejan schien sich auch nicht mehr über die luxuriöse Einrichtung der Yacht aufzuregen und starrte nicht mehr die edlen, glänzenden Amaturen an, sondern lachte tatsächlich mal mit den anderen. Und das erfreute mein Herz.
     Es waren liebe Menschen und ich hoffte, dass er auch Vaughn vergeben würde. Irgendwann. Das musste nicht heute sein und auch nicht morgen. Aber eines Tages. Das wünschte ich mir. Denn ich wollte Vaughn zumindest als Freund. Als guten Freund. Zumindest rede ich mir das gerne ein. Irgendwie.

     Denn das... ich betete einfach, dass es helfen würde. Es musste einfach helfen. Mein Vertrauen in Vaughn war noch nicht sehr weit hergestellt aber es war zumindest da. Es war da und würde langsam wachen. Zumindest hoffte ich das.
     Viel konnte ich mir ja einreden. Musste es mir einreden. Denn sonst... würde das schlecht ausgehen. Zumindest für eine Person.
     Meine Gedanken schweiften erneut ab und fast hätte ich meinen Einsatz verpasst. Nur dank Rocos Räuspern, der neben mir saß, wurde ich an meine Aufgabe erinnert. Gut, dachte. Danke, wisperte ich leise.
     Dann zog ich meine Karte und seufzte. Die nächste doppelte Karte. Mist. Das konnte einfach nicht sein. Es war bereits die fünfte doppelte Karte und mir war klar, dass ich das nie schaffen würde. Ich würde dad Spiel nicht gewinnen. Niemals. Und so kam es auch. Dejan gewann das dritte Spiel in Folge und alle lachten, weil er jubelte. Alle freuten sich darüber.
     Und Dejan taute immer mehr auf. Nach weiteren zwei Runden hatte Dejan vier von fünf gewonnen und eine Roco. Dejan starrte Roco an, doch da war keine Feindseligkeit in seinem Blick, sondern etwas anderes, das ich nicht deuten konnte. Musste ich vermutlich auch nicht. Es ging mich nichts an. Es wurde langsam spät, aber Dejan zeigte keine Anzeichen, dass er gehen wollte. Also spielten wir noch zwei weitere Runden, die einmal ich und einmal Roco gewann. Dejans Siegesreihe schien für's Erste vorbei.
     Um 23:00 Uhr ungefähr gähnte er und stand auf. Ich musste nicht hinsehen um zu wissen, was er dachte. Ich wusste es auch so. »Lass uns nach Hause«, sagte er zu mir. Für einen Moment glaubte ich Enttäuschung auf Rocos Zügen gesehen zu haben, doch vermutlich hatte ich mich getäuscht. Schließlich kannte ich ihn nicht so gut und würde es auch so schnell nicht. Denn ich würde vielleicht nicht mehr so viel Zeit mit ihm verbringen wie gewünscht.

     Nachdem wir uns verabschiedet hatten, machten wir uns auf den Weg zurück. Ein sternenklarer Himmel bedeckte den Himmel und die Sterne schienen uns zuzuzwinkern. Der Mond erhellte den Himmel und spiegelte sich im dreckigen Hafenwasser.
     Eine kühle Priese machte das wett, was die Sonne heute getan hatte. Es war schön kühl und angenehm. Nicht mehr so heiß. Einfach schön.
     Zusammen liefen wir durch die Straßen und stellten fest, dass noch viele unterwegs waren. Paare, ältere Leute aber auch viele Familien. Manche sogar mit ihren Haustieren.
     Im Schutz der Nacht starrten die Menschen einen wenigstens nicht so an. Sie waren alle damit beschäftigt sich zurecht zu finden in der Dunkelheit. Was nur gut für mich war. Denn so starrten sie mich nicht an.
     Dejan sprach kein Wort. Er war beunruhigend still, während wir durch die Gassen liefen. Trotzdem wirkte er nicht wütend, sondern fast schon entspannt. Zufrieden. Nicht glücklich, aber zumindest zufrieden.
     Doch an seiner Haltung erkannte ich, dass er einige Sachen dachte, sie aber nicht aussprach. Er sprach sie nicht aus. Stattdessen behielt er sie für sich, vermutlich um mich nicht zu kränken oder andere Dinge. Da war ich mir nicht ganz sicher.

     Dabei wollte ich immer wissen, was Dejan dachte. Wollte immer wissen, wie es in seinem Kopf aussah. Denn das ging nicht spurlos an mir vorbei. Überhaupt nicht. Ich wollte immer wissen, wie es in seinem Kopf aussah.
     »Was denkst du gerade?«, fragte ich also. Ein Seufzen erklang aus den Tiefen seiner Brust, dann drehte er seinen Kopf zu mir. Im Schein der kleinen Laterne erkannte ich leider nur wenig von seinem Gesicht, doch es reichte, um einen gequälten Ausdruck auf seinen Lippen zu erkennen.
     »Ich... ich möchte dir nicht wehtun oder so. Wirklich. Es ist nur so... wieso genau bist du heute dahin zu Vaughn? Du hast mal gesagt, du würdest ihm nie verzeihen, weil er dir so wehgetan hat und jetzt warst du dort und als ich da sah... es wirkte so, als gehörtet ihr alle zusammen. Als wärt ihr bereits ein Teil und mit Vaughn... Vaughn hat dich so angesehen wie schon die ganze Zeit auf Cres. Ich denke, dass er mehr möchte als Freundschaft und das ist gefährlich für dich.«
     Nun holte ich tief Luft, da ich mich erst einmal sammeln musste. Mich sammeln musste, in der Frage, was ich nun tun sollte. Denn das sollte ich denn tun? Was sollte ich denn sagen? Er hatte zwar recht aber auch wieder nicht.

Das Rätsel des VertrauensGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt