Es war schwieriger als gedacht es aus Vaughn herauszubekommen. In dieser Hinsicht schwieg er wie ein Grab. Immer wieder lenkte er vom Thema ab, sprach über Dinge, die jetzt nicht von Belang waren oder wich meinen Fragen aus.
Gezielte Fragen, die ihn nicht so aus der Bahn bringen sollten, wie sie es taten. Vaughn wich all meinen Fragen aus. Antwortete auf keine einzige Frage bezüglich seiner Erfahrungen. Vermutlich war das eine große Wunde. Wie bei mir. Und momentan wollte er nicht darüber sprechen.
Zu zweit liefen wir wieder zu seiner Yacht zurück. Schweigen umhüllte uns und nur die Geräusche der Stadt waren zu hören, genauso wie die Wellen, die gegen die Kaimauer platschten. Ein Wind war aufgekommen. Wann genau, wusste ich nicht mehr.
Die Baumkronen wiegten sich unaufhörlich hin und her, doch es kamen keine Wolken. Zumindest noch nicht. Noch war alles in bester Ordnung. Und das war auch gut so. Es war perfekt. Denn sonst... ich wusste nicht, was sonst passiert wäre. Sonst wäre alles mögliche passiert.
Vaughn lief etwas angespannt neben mir. Ein Muskel an seinem Kiefer zuckte und ich ahnte, dass ich zu sehr mit meinen Fragen gebohrt hatte. In Wunden, die geschlossen hätten blieben sollen.
»Tut mir leid, falls ich zu neugierig war. Ich wollte keine Wunde aufreißen. Ich wollte nur... ich wollte einfach nur wissen, wie es für dich war. Das war alles. Wirklich.«
Eine Weile schwieg Vaughn, dann sah er zu mir und ein Lächeln lag auf seinen Lippen. »Schon okay, Sita. Wir haben früher nie darüber geredet, weil es nicht wichtig war. Lila war zu diesem Zeitpunkt wichtig. Ich glaub ich muss nicht viel sagen. Es war so, wie du es auch schon von vielen anderen gehört hast und auch selbst erfahren hast. Man wurde schräg angesehen, beleidigt und... na ja... in meiner Nachbarschaft gab es viele Schießereien, bei denen viele umgekommen sind. Sie wurden von Weißen erschossen. Wegen ihrer Hautfarbe. Das sind Dinge, über die ich nicht gerne spreche, weil ich so den Mut verliere. Die Hoffnung in diese Welt. Weil das Beispiele sind, die einem Angst machen. Weil sie nicht vorbei sind. Noch heute ist das so. Ich lebe nicht mehr da, doch ich weiß, dass es so ist. Und ich? Sieh mich an. Ich habe Geld und konnte nicht mal einem kleinen Mädchen beistehen. Ich spende das Geld, keine Frage, an Organisationen, die sich erwiesen um Kinder aus solchen Nachbarschaften kümmern und Eltern unterstützen. Doch reicht das wirklich? Ich meine, ich weiß, wie es dort ist. Und ich weiß nicht, ob es reicht.«
Nun verstand ich, dass sein Selbsthass weitaus tiefer ging, als erwartet. In seinen Augen lag tiefer Selbsthass. Und das erschütterte mich bis tief in die Knochen. Denn das hatte ich nicht kommen sehen. Das passte nicht zu Vaughn. Vaughn... ich kannte Vaughn nur voller Selbstbewusstsein. Doch davon war gar keine Spur zu sehen.
So langsam dämmerte mir, dass Vaughn oftmals sein Selbstbewusstsein aufsetzte, damit niemand erkannte, wie es unter seiner Schale aussah. Damit niemand erkannte, dass er unsicher war. Unsicher, tief verletzt und manchmal auch voller Selbsthass.
Er schien sich dafür zu hassen, es so weit geschafft zu haben, dabei hatte er es mit eigener Kraft geschafft. Er hatte sich aus seiner Siedlung gekämpft, hart gearbeitet und sein Geld verdient. Er hatte das getan.
Und ja, er konnte nicht allen helfen, aber das konnte man nicht ändern. Man konnte es nicht ändern. Vaughn versuchte es zumindest und das war viel mehr wert als das, was andere nur versprachen.
Er setzte sich bereits ein und das war alles, was zählte. Deswegen musste er sich nicht schlecht fühlen. Niemals. Nur wusste ich nicht, wie ich ihm das verständlich machen sollte. Wie? Ich wusste es nicht. Wusste nicht, wie ich es hätte schaffen sollen.
Denn Vaughns Gedanken hatten sich schon vor einer ganzen Weile festgesetzt. Seine Gedanken schienen nicht neu zu sein, sondern alt und es tat mir weh, dass er so von sich selbst dachte. Das machte in meinen Augen keinen Sinn.
Vaughn machte sich bereits Mühe und war nicht dieser reiche Kerl, den alle hassten. Er war der reiche Kerl, der mit seinem Geld versuchte Dinge zu ändern. Und das tat er. Er setzte sich dafür ein. So viel er konnte.
Und das war mehr als andere je taten. Es war mehr, als er dachte. Die Frage war nur, wie ich ihm das verständlich machen konnte.
»Vaughn... du setzt dich doch so gut ein, wie du kannst. Wieso also fühlst du dich so schlecht? Du benutzt dein Geld für etwas Gutes und du hast das Geld ja nicht im Schlaf bekommen, sondern durch harte Arbeit. Wieso also fühlst du dich so schlecht?«
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Das Rätsel des Vertrauens
RomansAbgeschlossen Sita kann Vaughn nicht ausstehen. Was daran liegt, dass ein Vorfall, der in der Vergangenheit liegt, die Zukunft der beiden überschattet. Bis jetzt hat sie es ganz gut geschafft ihm aus dem Weg zu gehen, doch eine verpasste Fähre nach...
