35. Kapitel

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    Mein Atem kam Stoßweise, während ich dorthin rannte, wo die Fähre ablegen würde. Online hatte ich mir dafür ein Ticket gekauft. Einfach um sicher sein zu können, es rechtzeitig zu schaffen.
     Trotzdem hatte ich noch Angst zu spät zu sein. Denn diesmal würde es niemanden geben, der mich einfach so mitnahm, wenn ich die Fähre verpasste. Zu meinem Glück verpasste ich sie nicht und etwas später stand ich auf der Fähre. Leute wuselten wild um mich herum, Autos hupten und alles schien ganz wild und hektisch zu sein. Woher das kam konnte ich nicht wirklich sagen. Ich wusste nur, dass ich jetzt noch im Trubel der Stadt war. Der Trubel würde aufhören sobald ich in Mali war. Sobald ich von dort nach Hause fuhr, würde alles wieder wie gewohnt sein. Ruhig und friedlich. Niemand würde mehr daran denken, was in Zadar passiert war.

     Um dem Trubel zu entgehen, kaufte ich mir im Shop was zu trinken und was zu Essen. Da die meisten noch unten beschäftigt waren, hatte ich hier freie Bahn. Was gut so war. Mehr als gut.
     Denn alles andere hätte ich sicher nicht genossen. Wirklich nicht.
     Meine Gedanken wanderten unweigerlich zu Vaughn. Daran führte kein Weg vorbei. Ich dachte einfach immer an ihn. Egal wie sehr ich mich wehrte. Meine Gedanken fanden immer zu ihm. Ob ich wollte oder nicht. Meine Gedanken fanden immer zu ihm. Gerade dachte ich an sein Lächeln und daran, wie sehr ich es vermisste. Und wie ich es vermisste. Sein Lächeln. Seine Worte. Seine Küsse. Einfach alles.

     In diesen Momenten schien ich seine Hilfe zu brauchen. Wollte seine Nähe. Doch ich wusste, dass ich sie nicht bekommen würde. Zumindest nicht so schnell. Doch ich betete, dass dieser Monat schnell vorbei sein würde. So wie die Fahrt vorhin.
     Die Fahrt nach Mali war nun etwas länger und ich vertrieb mir die Zeit am Handy oder mit einem Buch. Ich schrieb in die Gruppe, dass ich bald da war und alle sendeten mir ein Herz zurück.
     Dann schrieb ich Vaughn, dass ich auf der Fähre war.
     Er schickte mir sofort einen Daumen hoch zurück und fragte, ob sonst alles okay sei. Mir fiel nur eine Sache ein, die nicht okay war.

     Ich vermisse dich, tippte ich zurück und drückte auf senden, ehe ich mich umentscheiden konnte.
     »Oh je...«, murmelte ich, als ich erkannte, dass er die Nachricht gelesen hatte, aber nicht gleich antwortete. Dabei wollte ich doch, dass er genau das tat. Er sollte antworten. Am besten jetzt sofort. Und dann sah ich, wie er schrieb. Meine Gedanken drehten sich, während ich auf seine Antwort wartete. Bitte, dachte ich. Bitte.
     Und dann erschien seine Nachricht auf dem Bildschirm.

Ich vermisse dich auch.

     Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen und dann blickte ich nach oben zum Himmel, als ein Tropfen auf mein Display fiel, nur um zu erkennen, dass es eine Träne gewesen war und kein Regen. Lustig... einfach lustig.
     Eilig wischte ich mir die Tränen weg, da es eigentlich nichts gab, was mich zum Weinen bringen sollte. Eigentlich. Und doch saß hier und weinte schon wieder. Als hätte ich nicht genug geweint heute Morgen.
     Ein paar Leute sahen in meine Richtung, doch niemand fragte mich, ob alles in Ordnung war. Niemand.
     Was vielleicht auch besser so war. Denn was hätte ich gesagt? Was hätte ich getan? Keine Ahnung. Ich wusste es nicht. Und so schnell würde ich es auch nicht wissen.
     Ich seufzte tief und war froh, als alle ihre Blicke wieder abwendeten. Dann fiel mein Blick auf die Nachricht von Vaughn zurück und plötzlich überkam mich neuer Mut. Woher dieser kam wusste ich nicht. Doch plötzlich schien ich für einen kurzen Moment die alte Sita zu sein.
     Also schrieb ich: Natürlich vermisst du mich. Nichts anderes habe ich erwartet.

     Er las die Nachricht und für einen Moment hatte ich die Angst, dass ich zu weit gegangen war. Dass ich zu mutig gewesen war. Doch dem schien nicht so. Im Gegenteil. Vaughn schrieb eilig zurück und seine Nachricht sorgte dafür, dass sich Hitze in meinen Wangen bildete.
     Diese Sita habe ich gleich noch viel mehr vermisst. Du bist sehr sexy, wenn du so bist.
     Ich versuchte mir einen Reim darauf zu machen, wie er nur so sexy sein konnte. Und das in nur einer Nachricht. Doch das konnte ich nicht so ganz. Weil ich es selbst nicht so ganz verstand. Vaughn war nur ehrlich. Und in seiner Ehrlichkeit sorgte er dafür, dass er sexy war. Weil er einfach sexy war, wenn er das tat und sagte.

Das Rätsel des VertrauensGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt