Im ersten Moment war sein Kuss so ungestüm, dass er mit der Nase gegen meine krachte und dumpfer Schmerz schoss von dieser bis in meinen Kopf, doch nach ein paar Sekunden war der Schmerz verklungen und ich konnte mich nur noch auf seine Lippen konzentrieren, die sich auf meinen bewegten, als hätten sie nie etwas anderes getan.
Der Kuss war nicht süß, was ich auch nicht gewollt hätte. Der Kuss drückte das aus, was Vaughn die ganze Zeit zurückgehalten hatte. Vaughn hatte sich zurückgehalten. Die ganze Zeit über.
Jetzt konnte er seinen Gefühlen freien Lauf lassen, so wie ich. Sein Kuss fühlte sich fantastisch an. Verdammt gut. Ich liebte es, seine Lippen so auf meinen zu spüren. Besonders, da es sich noch immer wie in alten Zeiten anfühlte.
Seine Hände legten sich auf meine Hüfte und er zog mich näher an sich heran. Nur wage registrierte mein Kopf, dass er meine Speckröllchen fühlen konnte, doch das hatte Vaughn noch nie gekümmert. Im Gegenteil.
Vaughns Kuss wurde einnehmender und ich versank ganz in diesem Kuss, ganz in den Gefühlen, die er in mir auslöste. Ich liebte es. Dieses Gefühl. Ich konnte keinem sagen, wie sehr ich es liebte.
Das Kribbeln, das meinen Körper überzog, wurde immer stärker. Immer wilder. Die Welt um mich herum verschwamm. Statt den Wellen und den Stadtlärm, den ich eigentlich hören müsste, hörte ich nur mein wild pochendes Herz und das Keuchen von Vaughn.
Ich sollte die Wärme der Sonne auf meiner Haut spüren, spürte aber nur das heiße Prickeln auf der Haut, das wegen dem Kuss kam. Als Vaughn mich noch näher an sich zog und kein Blatt mehr zwischen uns passte, verflogen die meisten Gedanken.
Mein Kopf konnte sich nur darauf konzentrieren, wie nah er mir war und dass seine Brust gegen meine drückte. Wie von selbst spürte ich, wie meine Nippel steif wurden. Sein Geruch und seine Arme umhüllten mich, während ich langsam vergaß, welchen Tag wir hatten, welche Uhrzeit.
All das spielte keine Rolle mehr. Auch die Vergangenheit spielte in diesem Moment keine Rolle mehr. Alles, was wichtig war, war dieser Kuss und seine Nähe. Vor ein paar Monaten hätte ich gelacht, wenn jemand gesagt hätte, dass ich Vaughn küssen würde. Ich hätte gelacht, wenn jemand gesagt hätte, dass ich ihm verzeihen würde.
Doch jetzt war das alles mehr als klar. Denn ich spürte, dass ich nicht von ihm loskommen würde. Nicht mehr. Der Zug war abgefahren und ich wollte diesen Zug auch gar nicht mehr erreichen.
Als seine Zunge begierig über meine Unterlippe strich, entkam mir ein Keuchen. Vaughns Reaktion bestand daraus, mich noch näher an sich zu ziehen und mich spüren zu lassen, was mein Keuchen in ihm auslöste.
Röte schoss mir in die Wangen, doch ehe ich weiter etwas tun konnte, löste er sich schweratmend von mir und legte seine Stirn an meine.
»Tut mir leid. Das... das hätte nicht so sein sollen. Ich wollte dich nur küssen«, murmelte er, doch ich lächelte.
»Schön zu wissen, dass meine Küsse dich noch immer auf Hochtouren bringen.«
Vaughn lachte leise. »Das werden sie wohl immer.« Unsere Blicke verfingen sich und erneut verblasste die Welt. Wir waren in unserer eigenen Blase. Zusammen. Ohne das Gefühl haben zu müssen, dass etwas drängte. Denn das tat es nicht. Alles war gut. Alles war perfekt. Zumindest in diesem Moment.
Wir blieben eine Weile in unserer Blase, wo uns niemand etwas anhaben konnte. Niemand sagte etwas Böses. Nicht über meine Figur, nicht über seine Hautfarbe. Wir waren in unserer kleinen perfekten Welt, in der es keine bösen Kommentare gab, wo es niemanden gab, der uns verurteilte. In dieser Welt gab es auch keine Zweifel.
Mein Kopf war verdammt still. Gab keinen Ton von sich. Was vielleicht damit zusammenhing, dass in dieser Welt mein Herz die Überhand gewann. Mein Herz, dass mir sagte, dass alles schon in Ordnung war. Mein Herz, dass vor Freude und Glück fast übersprang.
Ich liebte es. Dieses Glück. Innerlich betete ich, dass ich es jeden Tag haben würde. Betete, dass es mich nicht wieder verlassen würde. Vaughn hielt mich weiter fest. Seine Hände lagen noch immer an meiner Hüfte und streichelten diese.
Eine Bewegung, die wie von selbst zu passieren schien. Unbewusst und automatisch. Wie lange wir hier standen, in unserer eigenen Welt, das wusste ich nicht. Ich wusste nur, dass es sich gut anfühlte, ihn so zu spüren. Wusste nur, dass mein Kopf endlich verstummt war und ich mein Herz sprechen ließ.
Irgendwann löste Vaughn sich leicht von mir und sah mich an. »Also lassen wir alles auf uns zukommen und schauen, wo es uns hinbringt? Ist es das, was du willst?«, fragte er vorsichtig.
Ich nickte. »Ja, das will ich.«
Vaughn sah mich lange an, ehe sich ein Lächeln auf seine Lippen legte. »Ich bin so froh, dass du das sagst. Ich hatte Angst, dass ich dich gestern verschreckt habe und du jetzt nie wieder etwas von mir wissen wolltest. Deswegen bin ich auch nicht an meinem Handy gewesen. Es liegt in meiner Kajüte. Ich wollte dir die ganze Zeit schreiben, wie sehr ich dich küssen wollte.«
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Das Rätsel des Vertrauens
RomanceAbgeschlossen Sita kann Vaughn nicht ausstehen. Was daran liegt, dass ein Vorfall, der in der Vergangenheit liegt, die Zukunft der beiden überschattet. Bis jetzt hat sie es ganz gut geschafft ihm aus dem Weg zu gehen, doch eine verpasste Fähre nach...
