Ironie des Lebens

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Levis Sicht

Stumm sitze ich allein in meinem Büro und starre auf die Dokumente der nächsten Expedition. 
Im Grunde spielte es keine Rolle, was in ihnen vermerkt ist. Sie sind sowieso nur reine Fassade. 
5 Jahre ist es jetzt beinahe her, dass Shiganshina und Maria fielen... 5 Jahre seid dem Vorfall, indem [V] unter den Trümmern des Hauses verschüttet wurde. Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag. Nicht als währe es gestern gewesen. Aber tatsächlich haben sich Teile dieses Tages deutlich in mein Gehirn gebrannt. Positive wie negative. 
Ich erinnere mich nicht mehr, wie lange ich nach ihr gesucht habe. Aber ich erinnere mich daran, was es gebraucht hat mich von dort weg zu bringen. 
Erst Tage später habe ich ihren Zettel in den Satteltaschen von Pegasos gefunden. Ein letztes Geschenk das sie uns hinterlassen hat... Ein Beweis, dass sie wirklich hier gewesen war.
Ich weiss immer noch nicht ob ich froh sein soll, dass ich ihre Leiche nicht finden konnte. Es gibt mir etwas Hoffnung, dass sie vielleicht doch in ihre Welt zurück gekehrt ist. Doch andererseits kann ich deswegen auch keinen Schlussstrich ziehen. Vielleicht war sie ja immer noch da draussen. Bei diesen Gedanken hole ich ihre Haarsträhne hervor, die ich immer noch bei mir trage. 
Morgen würden wir ein paar Kilometer hinaus reiten und Stellung beziehen, bis dieses Balg Eren seinen grossen Auftritt hatte. Warum das so wichtig war, wusste nur [V]. 
Aber nach wie vor, vertraue ich ihr. Alles was sie über den Fall von Maria und der Rückeroberung erzählt hatte, stimmte. 

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Ohne ein Wort schwinge ich mich auf mein Pferd und mustere meine Einheit. In den letzten Jahren habe ich Petra und Auruo in mein Team aufgenommen. 
Petras verständnisvolle und führsorgliche Art fügt sich eigentlich sehr gut ins Team. Doch Auruo geht mir zuweilen ziemlich auf die Nerven. Dennoch macht er seine Arbeit gut und darauf kommt es an. 

Wir sind schon ausserhalb von Trost und beziehen Stellung, als ich mich gelangweilt auf eines der Dächer stelle und mich an einem Schornstein anlehne. Jetzt heisst es warten.
Das Gehöft von damals ist nicht weit von hier. Es fällt mir wirklich schwer mich von einer Reise dorthin abzuhalten und mich auf unsere Aufgabe zu fokussieren.
Genervt stelle ich fest, dass Erwin mit dieser Problematik gerechnet hat. Nicht weit von mir steht Mike und versucht mich im Auge zu behalten. 
Wir beide hatten nie ein gutes Verhältnis gehabt, doch seid *dem Vorfall* hatte es sich nochmal drastisch verschlechtert. Er gab ganz offen mir die Schuld an dem was passiert ist und ich gab sie mir auch.
"Tch.. Als ob er mich aufhalten könnte." fluche ich leise vor mich hin. Doch dann landet Nifa bei mir und ihr Gesichtsausdruck reiss mich aus meinen Mordfantasien. 

Angespannt folge ich Nifa zu ihrem Team. Ihre Einheit war genau da stationiert, von wo ich mich krampfhaft fern halten musste. Keine 10 Minuten im vollem Galopp westwärts, kam das Gehöft zum Vorschein welches ich in den letzten Jahren so häufig verflucht hatte. 
Sie hatte mir nicht gesagt worum es ging und ich war mir nicht sicher ob ich fragen wollte. 
Doch jetzt reiten wir bereits in den kleinen Innenhof und mein Blick fällt sofort auf eine kleine Menschentraube vor dem eingestürzten Hauptgebäude.
Mein Magen krampft sich unwillkürlich zusammen. Der Ort hatte sich kaum verändert. Lediglich das Unkraut hatte sich über die Jahre ausgebreitet. Was für ein Drecksloch.

Abschätzend steige ich neben Nifa vom Pferd und gehe langsam durch die Anwesenden hindurch. Dabei mustere ich ihre Gesichter und bin über ihren verblüfften Ausdruck verwundert.
Doch nur Sekunden später verstehe ich ihn.
Vor dem Haus, auf dem niedergestürzten Geröll liegt [V] bewusstlos auf den Boden.
Für einen Moment möchte ich meinen Augen kaum glauben und stehe wie angewurzelt, während ein fast vergessenes Kribbeln durch meinen Magen huscht. Wie auf ein unsichtbares Signal mache ich einen Satz nach vorn und schiesse auf sie zu. Kurz darauf bin ich auch schon bei ihr. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, als ich langsam meine Hand nach ihr ausstrecke um einen Puls zu fühlen.
Ähnlich wie damals fahren meine Finger über ihre warme weiche Kehle. Doch diesmal suche ich sofort nach einem Lebenszeichen. Kurz nachdem ich ihren kräftigen und gleichbleibenden Puls am Hals gefunden habe, fällt mir auch auf wie sich ihr Brustkorb unter ihrer Atmung stetig hebt und senkt. Ohne Umschweife greife ich unter ihren Rücken und presse sie mit geschlossenen Augen an meine Brust.

Levi x Reader Ausflug ins ParadiesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt