Ein explosiver Streit

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Ich seufze nervös, während sich meine Miene schlagartig verändert. Mein Lächeln ist jetzt vollkommen verschwunden. Stattdessen blicke ich jetzt mit starrer Miene auf unsere Hände. Während ich spreche streiche ich mir mit meiner freien linken Hand unbehaglich über meinen rechten Oberarm. Diese Beichte ist für mich alles andere als einfach. "Du hast Recht.. Ich hab sie seid Orvud.. Jeden Tag.. zu jeder Zeit." beginne ich mit unsicherer Stimme. "Anfangs waren sie nur ein schwaches Echo und leicht auszublenden, aber jetzt sind sie stärker." Ich grüble einen Moment wie ich es besser beschreiben kann, als Levi mich unterbricht. "Ich hole Derric.. Er soll dir etwas geben." sagt er und ist schon im Begriff vom Bett aufzustehen. "Nein. Das bringt nicht." sage ich sofort und sehe ihn jetzt vielsagend an. "Es sind nicht *meine* Schmerzen.. Es sind *Ihre*." Seine Miene erstarrt genau wie sein Körper, als er meine Worte versteht. Wieder sehe ich stirnrunzelnd auf meine Hand und streiche mir mit der anderen Hand über meine angeschossene Schulter ehe ich weiter spreche. "Sie sind wie Phantomschmerzen.. Mal schlimmer.. Mal besser. Aber unabhängig von meinem Körper." Meine Stimme fängt jetzt leicht an zu zittern und während ich weiterspreche kämpfe ich gegen die aufsteigende Trauer an. "Ich fühle mich ihr näher, als jemals zuvor.. und.. Es gab Nächte in denen ich das Krankenhaus förmlich riechen konnte, wenn ich kurz vorm einschlafen war." Voller Unbehagen schließe ich die Augen und lege bei dem bloßen Gedanken daran meinen Kopf leicht schief.

Als sich zwei Arme um meinen Oberkörper legen, atme ich zitternd ein und aus. Levi zieht mich fest an seine Brust und während mich sein linker Arm fest umschlingt, rutscht seine rechte Hand hoch an meinem Hinterkopf. Eine ganze Weile sitzen wir einfach so da. Ich bin mir nicht sicher ob er darauf wartet, dass ich mich entspanne. Doch habe ich Angst sämtliche Selbstkontrolle zu verlieren, wenn ich es mir gestatte. 
Schliesslich löst er sich von mir und streicht mir zärtlich die Haare aus dem Gesicht, ehe er mein Gesicht erneut in seine Hände nimmt. Seine stahlblauen Augen ruhen fest auf meinen, als er mich stumm ansieht. Ich warte auf die obligatorische Frage, wieso ich nichts gesagt habe, doch kommt ihm nichts dergleichen über die Lippen. Dennoch habe ich das Gefühl, ihm eine Erklärung schuldig zu sein. "Nach all dem Chaos, ist das hier der erste Hauch von Normalität.. von einem geregelten Leben.." Ich beisse die Zähne zusammen und versuche mich zusammen zu reissen, als mir erste Tränen in die Augen schießen. "Du hast es mehr verdient, als jeder andere.. Ich konnte dir das nicht nehmen." Als Antwort seufzt er hörbar angespannt, ehe er mir einen Kuss voller angespannter Emotion gibt. Dann legt er seine Stirn an meine, während er mit seinen Daumen über meine Wangen streicht. "Hörst du mir denn gar nicht zu?! DU bist meine Normalität." 
Unwillkürlich lächle ich schwach, als er mich völlig ernst dabei ansieht. Doch dann lege ich meine Stirn erneut in Falten. "Levi...?." sage ich leise. "Hmm..?" "Versprichst du mir etwas?" frage ich ihn und sehe wie sich seine Miene skeptisch verzieht. "Egal was passiert.. Gib niemals auf.. Okay?!" Ich sehe wie seine Kiefermuskeln anfangen zu arbeiten. Dann schnaubt er resignierend durch. "Nur wenn du mir auch etwas versprichst.." Verwundert sehe ich ihn an und warte darauf, dass er weiter spricht. "Wenn es soweit ist... Lebe nicht für andere.. Auch nicht für deine Eltern.. Sondern verwirkliche deinen Traum!" 

Wie kann ich da nein sagen? Ich reisse mich zusammen und schenke ihm ein schwaches Lächeln, während ich nicke. Dann schlinge ich ihm meine Arme um den Hals und genieße seinen festen Druck um meinen Körper. Als er mich schliesslich loslässt, liegt sein Blick auf meinem Nachttisch. Seine zusammen gezogenen Brauen brauchen keine weitere Erklärung, also beantworte ich ihm seine stumme Frage. "Ich habe es wirklich von Derric.. Aber es ist für dich.." Ohne ein Wort zu sagen, fährt sein Blick zu mir. Seine Miene ist jetzt entschlossen und fokussiert, als er aufsteht und zu seinem Schreitisch geht. 
Für einen Moment beobachte ich ihn, wie er ein Dokument hervor holt und anfängt zu schreiben. Neugierig stehe ich auf und gehe zu ihm herüber. "Was machst du?" frage ich ihn und lese die erste verfasste Zeile, als ich keine Antwort bekomme. *Antrag auf Dienstbefreiung* "Levi!" sage ich entsetzt. "Das geht nicht! Die Expedition zum Hafen ist.." Er unterbricht mich umgehend. "Scheiss drauf! Ich lass dich jetzt nicht allein!" Seine Stimme hat seine alte Härte angenommen, während er unbeirrt weiterschreibt. Sachte lege ich ihm meine Hand auf den Arm und seufze. "Levi.. Sie werden den Antrag sowieso nicht bewilligen. Du bist nach wie vor für Eren verantwortlich und er muss zum Hafen um die Schiffe von Marley auszuschalten." Endlich hält er inne und senkt den Kopf. Seine Hand ballt sich angespannt zur Faust, während er mit einer Mischung aus Wut und Unsicherheit spricht. "Was für eine Wahl habe ich sonst.. Sags mir!" Ich setzte mich halb auf seinen Schreibtisch und als ich mit einem hörbaren schmunzeln spreche, sieht er irritiert zu mir auf. "Nimm mich mit! Ich war schon eine Ewigkeit nicht mehr am Meer." sage ich fast sehnsüchtig in seine jetzt überraschte Miene. Aus meinem schmunzeln wird ein breites Lächeln als er weiterhin schweigt. "Erinnerst du dich an meinem ersten Tag hier?" schwelge ich sofort in Erinnerung. Zu meiner Überraschung höre ich eine Spur sarkastischen Humor in seiner Stimme. "Du bist wie eine Irre über den Hof gelaufen, nur weil du es riechen konntest.." Ich fange an zu kichern und nicke. "Ich würde so gern dabei sein, wenn du es zum ersten Mal siehst.."

Levi x Reader Ausflug ins ParadiesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt