Bilder vom Tod

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Am gleichen Abend liege ich erschöpft von all den Eindrücken auf meinem Bett.
Tatsächlich hatte ich viel zum nachdenken. Allein das Gespräch heute morgen beinhaltete Informationen, die ein ganzes Semester gefüllt hätten. Aber dann waren da ja auch noch die Informationen der Anhörung und das Gespräch, welches ich zufällig mitgehört hatte.
Jetzt drehe ich den kleinen Ipod in den Händen, den mir Levi nach unserer Ankunft gegeben hatte. Anscheinend ist es meiner gewesen, als ich vor 5 Jahren das erste Mal hier war.
Wieder ein Punkt der mich stutzig macht.. Wieso hatte er sich die ganze zeit über in seiner Obhut befunden.
Vermutlich hatte ich die falsche Person gefragt, ob etwas zwischen uns gelaufen sei.. Obgleich Mikes Erklärungen mich zu dieser Frage verleitet hatten. Denn auch wenn Levi es mir heute nicht zeigte, so steckte in seinen Worten in der Kutsche echte Sorge um meine Sicherheit. Aber nicht nur das.. Sein Verhalten an meinem Bett passte zu seinem Wunsch mich nicht zu überfordern. Vielleicht war das alles nur seine Art mit dieser verzwickten Situation umzugehen.
Wenn wir morgen zu dem Hauptquartier aufbrechen würden, musste ich meinen Frust über seine ungerechtfertigten Vorwürfe runterschlucken und ein ruhiges Gespräch suchen.
Doch für jetzt würde ich mich mit etwas Musik entspannen.

Levis Sicht

Am liebsten würde ich diesen verdammten Tag einfach aus der Historie streichen. Hanji hatte Recht. Ich hatte wirklich etwas übertrieben, als ich Eren während der Verhandlung gemaßregelt hatte. Als ich sah wie [V] schon wieder litt und ich nichts für sie tun konnte, war die Frustration kaum auszuhalten. Doch als es dann schon wieder Mike war, der sie schützend in den Arm genommen hatte, kam mir Eren gerade Recht.

Kurz nach unserer Ankunft hatte ich mit Erwin meine Bedingungen verhandelt. Die erste war recht simpel. Niemand anderes sollte ihr von unserem damaligen Verhältnis erzählen.
Jetzt wo sie nichts über diese Welt und ihre Bewohner wusste, benahm sie sich viel zurückhaltender als ich sie kennen gelernt hatte. Ein Grund mehr sie nicht zu überfordern.
Über die zweite Bedingung hatte es Diskussionsbedarf gegeben. Natürlich wollte ich auch, dass sie ihre Erinnerungen zurück bekam. Doch anders als bei Erwin und Hanji war es mir wichtig, dass sie sich an ihr eigenes Leben erinnerte.
Dafür hatte ich ihr nach dem Gespräch mit Erwin ihren Ipod gegeben, in der Hoffnung ihre eigene Musik könnte ihr dabei helfen.

Jetzt gehe ich wie bei jede klaren Nacht für ein paar Stunden hinaus um auf andere Gedanken zu kommen. Doch anders als sonst, nehme ich heute einen Umweg an [V] Zimmer vorbei. Es konnte nicht schaden nach dem Rechten zu sehen.
Der kleine Lichtschimmer unter ihrer Tür lässt mich kurz inne halten.
War sie noch wach? Vielleicht sollte ich diesen Moment nutzen und mich für meine Worte entschuldigen. Ich überdenke noch meine Möglichkeiten, als ein alt bekanntes schmerzliches Wimmern von innen zu hören ist. Sofort spannen sich meine Muskeln an und ohne weiter darüber nachzudenken reisse ich die Tür auf. "[V]?" frage ich besorgt und sehe mich im Raum um.
Mein erster Blick fällt auf das leere Bett, als kurz darauf ein weiteres schmerzhaftes Wimmern und eine Bewegung meine Aufmerksamkeit vom Bett weg zieht.
In der linken Ecke, zwischen Wand und Kommode sitzt [V] auf dem Boden. Die Beine an den Körper gezogen und ihre Hände um ihren Kopf geklammert.
Wie in Trance wippt sie leicht vor und zurück, während ihr Gesicht deutlich von Schmerzen gezeichnet ist.

Als ich mit wenigen schnellen Schritten bei ihr bin und mich zu ihr runter knie, beisse ich angespannt die Zähne zusammen. Sie sieht völlig fertig aus und ihre Miene ist gezeichnet von Qual und Verzweiflung. Während ihr neue Tränen über die bereits nassen Wangen hinunterlaufen, zittert sie am ganzen Körper.
Ich mustere sie noch angespannt, als sie mich mit schmalen Augen ansieht und mit zusammengebissenen Zähnen spricht. "Bitte.." Ihre Stimme klingt brüchig. "Es soll aufhören. Ich halts nicht mehr aus.. Diese Schmerzen.. Schreie ... Bilder... und Blut.. überall Blut..."


Deine Sicht

Ich habe gerade erst ausgesprochen, da greift er bereits vorsichtig nach mir.
Sachte nimmt er meine Arme und legt sie sich um den Hals, ehe er mir unter die Knie greift und meinen Rücken stützt.
Mein Kopf ruht pochend auf seiner Schulter und mein Gesicht vergäbt sich in den Stoff seines Ascot. Sofort überkommt mich wieder das Gefühl eines Déjà-vus als er mich aus dem Raum den Gang hinunter trägt. Alles an dieser Situation kommt mir bekannt vor. Sogar sein Geruch.
"Halte noch etwas durch." flüstert er mir angespannt zu und ich spüre dabei, wie sich sein Griff um meinen Rücken festigt. Die hastigen Bewegungen machen die Kopfschmerzen nur noch schlimmer und der darauf folgende Knall, als er eine Tür auftritt lässt mich laut auf keuchen.
Mit schwummrigen Kopf und zusammen gekniffenen Augen spüre ich wie er mich sachte in einem Bett ablegt, ehe er sich wieder von mir löst. Automatisch möchte ich nach ihm sehen, doch ich bin nicht in der Lage meine Augen zu öffnen. Denn der Raum ist so hell, das es in meinen Augen schmerzt."Derric! Wo zur Hölle steckst du!" knurrt er angespannt über die Schulter. Kurz darauf sind schnelle leichte Schritte zu hören.

Levi x Reader Ausflug ins ParadiesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt