Vom Regen in die Traufe

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Levis Sicht

Mürrisch sitze ich an meinem Schreibtisch und zwinge mich durch die letzten Unterlagen. Es ist bereits dunkel und [V] sollte bald mit den anderen zurück kehren. Ihre Worte gingen mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf. Anfangs hatte ich sie für *zu Empfindlich* gehalten, doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr verstehe ich ihren Standpunkt. Noch heute Abend würden wir ein weitreichendes Gespräch führen.
Als es an meiner Tür klopft, schaue ich hoffnungsvoll auf und gebe ein ruhiges "Herein." von mir. Etwas enttäuscht stelle ich fest, dass es nicht [V] ist die eintritt, sondern Petra. Ihr Blick ist alarmiert und ihr Atem gehetzt. "Hauptgefreiter!" salutiert sie erschöpft. "Der Kommandant verlangt nach ihrer Anwesenheit.. Lara ist verschwunden."
Wie vom Blitz getroffen springe ich auf. "Was? Wie konnte das passieren?" Petra stottert erschrocken über die Intensität meiner Worte. "I-Ich weiss nicht. Abteilungsführer Mike hat sie allein in den Stallungen zurück gelassen, als sie meinte, sie brauche noch ein bisschen."
"Wenn ihr etwas passiert ist, bringe ich ihn um!" knurre ich als Antwort, als sich ein verdammt mieses Gefühl in meinem Magen ausbreitet.

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Deine Sicht

Mein Kopf dröhnt fürchterlich, als ich langsam wieder zu mir komme. Automatisch will ich mir an den Kopf fassen und seufze verwundert, als meine Hand sich nicht bewegt. Dann öffne ich langsam die Augen und erstarre augenblicklich als meine Erinnerungen zurück kommen. 2 der drei Männer sitzen nicht weit von mir entfernt, während ich in einem kleinen Lagerraum an einem Pfosten gebunden bin. "Wenn wir hier noch länger bleiben, werden sie uns früher oder später finden.." höre ich den kleineren zu den grossen Braunhaarigen sprechen. "Wir brauchen erst die Bestätigung." sagt der grosse und wirft mir einen Blick zu.
"Na sieh mal einer an wer wach geworden ist." grinst mich der grosse Braunhaarige an. Dann kommt er zu mir herüber. Ich versuche mir einen Überblick zu verschaffen und schaue hinauf zu den kleinen Fenstern unter der Decke. Der Lagerraum sieht aus wie jeder andere, aber draussen dämmert es bereits. Unsanft zieht mich der grosse auf die Beine und bleibt dicht vor mir stehen. "Erinnerst du dich an mich?" fragt er mich mit Triumph in der Stimme. "4 Jahre habe ich ununterbrochen nach dir gesucht.." Dann knallt er mir eine mit seiner verkrüppelten Hand, während sein lachen beinahe hysterisch klingt. "Und dann läufst du mir einfach so, direkt in die Arme." Mein Ohr klingelt leicht. Zum Glück hatte er seine rechte Hand benutzt. Aufgrund der Verkrüppelung schien er nicht fähig die Hand zu schließen.
Ich verstehe überhaupt nichts. "Wer sind sie überhaupt?" frage ich ihn angespannt und sein lachen erlöscht augenblicklich. Er legt mir seine linke Hand unangenehm hart an mein Kinn und zieht mein Gesicht zu sich hinauf. Dann hält er mir seine rechte Hand ins Blickfeld. "Wegen dir und deinem lieben Hauptgefreiten habe ich alles verloren, was ich hatte." Jetzt ist sein grinsen wieder zurück. "Also wirst du mir auch dabei helfen, es wieder zurück zu bekommen."
Meinem Hauptgefreiten? Ich brauche einen Moment um seine Informationen zu verarbeiten. Sein Gesicht kommt mir tatsächlich bekannt vor. Doch erst als mir die Zahnlücken auffallen, erinnere ich mich wirklich. "Das Bankett..." flüstere ich ungläubig. Ich kann es förmlich vor meinem Inneren Auge sehen, wie seine Zähne durch Levis Knie durch den Raum fliegen. "Richtig.." freue ich mich beinahe über diese Erinnerung. "Die Halbglatze und du... Er hat dir wegen mir die Hand zertrümmert..." Das darauf folgende Knie in meinem Magen kommt so überraschend, dass mir die Luft weg bleibt. "Hältst du das etwa immer noch für lustig..." Er drückt mein Kinn mit ganzer Kraft nach oben. "Ist das euer kleiner privater Scherz?" Mein lächeln hatte er ganz klar missverstanden. Als sich in mein Gesichtsausdruck wieder etwas Angst mischt, scheint er zufrieden zu sein. "Vielleicht sollten wir einfach da weiter machen, wo wir letztes Mal aufgehört haben... Immerhin haben wir ja noch etwas Zeit bis Karl zurück kommt." Er beugt sich zu mir hinunter und leckt mir über den gestreckten Hals.
Weitere Erinnerungen schiessen mir durch den Kopf. Das rote Kleid.. Der Tanz mit Levi.. und der wahre Grund wieso ich Erwin derart angegangen bin.
Fluchend versuche ich meine Hände aus den Fesseln zu lösen. Wenn mir nichts einfiel, würde er kein Halt machen bis er fertig war. Allein der Gedanke daran, lässt mir eine Welle Adrenalin durchs Blut schiessen. Körperlich konnte ich ihm nicht das Wasser reichen. Aber es gab noch einen anderen Weg. Wenn ich es schaffte ihn derart wütend zu machen das er das hier vergaß, würde er mich zwar schlagen... Aber alles war besser, als von ihm missbraucht zu werden. Ich reisse mich also so gut es geht zusammen, als seine verkrüppelte Hand unter mein Shirt zu meiner Brust rutscht.
"Ich weiss gar nicht was du hast." fange ich an. "Mit dieser Hand verdienst du doch bestimmt ganz gut als Jahrmarktsattraktion." sage ich und zwinge mir ein kleines Lächeln auf die Lippen. Er erstarrt in seiner Bewegung und sieht mir finster in die Augen. Ohne mit der Wimper zu zucken mache ich weiter. "Und die Zahnlücke erst... Du könntest sogar aus nem Strohhalm trinken ohne den Mund zu öffnen... Oder werft ihr in der Kneipe eher kleine Bällchen durch und der Verlierer muss die Zeche zahlen?" Die Wut in seinem Gesicht nimmt groteske Formen an. Doch erst als ich breit grinsen muss, weil mein Vorhaben zu gelingen scheint, läuft das Fass über. Tatsächlich lässt er seiner Wut freien Lauf und ich frage mich sofort, ob meine Idee tatsächlich so gut war wie ich dachte. Es kostet mich alle Kraft stehen zu bleiben um zu verhindern, dass er mir ins Gesicht treten kann.
Als ich schliesslich doch vor Schmerzen auf die Knie sacke, klopft es an der Tür und augenblicklich tritt ein dritter Mann hinein. Er ist ähnlich gross gewachsen wie der Braunhaarige, mit wilden schwarzen Haaren die er nach hinten trägt und mit einem Hut mit breiter Krempe fixiert. Sein Bart, der den Konturen seines Kinnes folgt, lässt sein Gesicht noch kantiger erscheinen. Seine Ausstrahlung ist derart anders, das ich nur einen Blick brauche um es zu erkennen. Im Vergleich zu ihm, sind meine Entführer harmlose Hundewelpen.
"Guten Morgen die Herren." Seine Stimme jagt mir sofort einen eisigen Schauer über den Rücken. Aber noch schlimmer ist: Ich kenne diese Stimme von irgendwo her. Geschockt reisse ich die Augen auf, als der kleinere meiner 2 Entführer aufschreit und blutend zusammen bricht. Ich habe nicht mal das Messer gesehen, was der Schwarzhaarige benutzt hatte. Lächelnd kommt er jetzt auf mich und den Braunhaarigen zu. "Wie ich hörte, ist euch ein wertvoller Fisch ins Netz gegangen. Es lohnt sich doch immer seine Freunde im Auge zu behalten."
Dann wirft er etwas so blitzschnell in unsere Richtung, dass ich nur noch reflexartig die Augen schliessen kann. Als ich das gurgelnde Stöhnen direkt vor mir höre, öffne ich zaghaft meine Augen und wünsche mir sofort es nicht getan zu haben. Der Braunhaarige ist mit dem Rücken zu mir auf die Knie gesunken. Völlig unter Schock bleiben meine Augen an der silbernen Messerspitze hängen, die Blutverschmiert aus seinem Nacken ragt. Mein Magen rebelliert und meine Ohren dröhnen jetzt so laut, dass ich kaum noch etwas hören kann. Selbst als sich meine Fesseln lösen und mich jemand vorwärts zieht, bleibt mein Blick starr auf den 2 toten Körpern haften, die reglos in einer immer grösser werdenden Blutlache mit aufgerissenen Augen liegen.

Levi x Reader Ausflug ins ParadiesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt