Harte Schale, weicher....

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Nachdem ich mir die Kufen noch einmal umgeschnallt habe, lasse ich mich zum Einstieg langsam über das Eis gleiten. Jetzt wo ich alleine bin, konzentriere ich mich voll und ganz auf mich selbst. Ich erhöhe das Tempo und fange mit einfachen Bewegungen an. Stück für Stück gleite ich in eine, meiner als Kind ausgedachten Choreo und versinke voll und ganz in meinem tun. Im Kopf stelle ich mir dabei die Musik vor, die ich so oft in meinen Kopfhörern gehört habe. Tatsächlich hatte ich bereits mit 6 derartiges Talent gezeigt, dass mein Onkel mehr als einmal darauf angesprochen wurde mich zu fördern. Meine Sprünge wie Lutz oder Rittberger hatte ich natürlich nur einfach ausgeführt. Dafür hatte ich aber auf anhieb ein Flair fürs Spinning. Doch nach meinem Umfall als Kind und mit der Reaktion meiner Eltern, spielte all das keine Rolle mehr. Zwar hatte ich über die Jahre bei unseren heimlichen Treffen an meinen Fähigkeiten anknüpfen, doch kaum mehr verbessern können. Dennoch war ich um längen besser gewesen als alle Amateure, die meinten sich mit mir messen zu müssen. Sicherlich gab es den ein oder andern, der mit genug Fleiß und Übung ähnlich gut war. Doch fehlte es ihn allen an Leidenschaft und Ausdruck. Sie lebten diese Freiheit auf dem Eis nicht so wie ich und dafür beneidete ich sie. Denn sie konnten ihr ganzes Leben lang sein wer sie wollten und stauten ihre Emotionen nicht so an wie ich es musste, um sie dann auf einen Schlag in dem kurzen Hauch von Freiheit auf dem Eis fliessen zu lassen.
Das war der Grund dafür, wieso ich lernte die kleinsten Dinge schätzen zu lernen und es schaffte so mich auch in den erdrückensten Momenten nicht unterkriegen zu lassen. 
Als ich feststellte das Tanzen genau das gleiche in mir auslöste, wechselte ich. Ich schmiss den Reitsport wegen all den falschen Schlangen als Freunde und baute mir meine jetzige Clique auf. 


Levis Sicht

Beiläufig rühre ich den unspektakulären Eintopf um, während ich [V] dabei beobachte wie sie so elegant über das Eis gleitet wie ich es kaum für möglich gehalten hätte. Sie lies ihre Bewegungen so einfach aussehen, dass ich automatisch an meinen eigenen Fähigkeiten zweifle. Bis jetzt hatte ich gedacht, mich ziemlich gut geschlagen zu haben. Aber jetzt wird mir klar.. Hier war ich der Klotz am Bein gewesen. Um so mehr freut es mich, sie jetzt so ungebunden zu beobachten. Nicht nur ihr Tempo ist jetzt viel höher. Sie beginnt auch Figuren zu fahren und sogar Sprünge mit einzubinden. Dabei scheint sie die Schwierigkeit mit jeder weiteren Figur zu erhöhen, denn der Anblick wird immer fesselnder. Doch als sie eine weitere Figur einleitet, verharre ich wie gebannt in der Bewegung. Sie fährt jetzt etwas langsamer und holt mit einem Bein zusätzlichen Schwung. Dann bleibt sie auf der Stelle stehen und dreht sich um die eigene Achse. Dabei lehnt sie sich so tief im Rücken zurück, sodass sie in die Kufe ihres angewinkelten Beines greifen kann. Als sich ihre Drehung verlangsamt, ändert sie nur ihr Haltung und verschnellert somit ihr Tempo wieder. Jetzt steht sie Kerzengerade mit angelegten Armen und dreht sich in einem lächerlich schnellen Tempo, sodass ich mir sicher bin das sie das Gleichgewicht verlieren wird.  Automatisch springe ich auf, als sie auch schon die Figur auflöst. Völlig gelassen und mit einem breiten Grinsen im Gesicht fährt sie in einer grosse Bahn weiter als währe nichts gewesen. Es dauert einen Moment, bis ich meine Miene wieder im Griff habe und langsam auf den zugefrorenen See zu gehe. Hatte ich anfangs nicht ihre Balance bemängelt? Tch... Wie falsch ich lag...

Auch wenn ich sie zum essen rufen möchte, will ich sie nicht unterbrechen. Der Anblick ihrer Bewegungen in der langsam untergehenden Sonne und wie sie gedankenversunken übers Eis gleitet lässt mich nur erahnen wie es aussehen musste, wenn sie tanzte. Zwar hatte ich vor 5 Jahren einen kleinen Einblick davon erhalten, aber noch nie in all der Zeit war sie so sehr sie selbst gewesen wie jetzt... Nur sie allein.. ohne irgendwelche äusserlichen Einflüsse. Ich kann nicht einmal festmachen woran es liegt, aber dieser Moment fühlt sich auf eine ganz spezielle Art und Weise unheimlich intim an. Als würde sie mit jeder einzelnen Bewegung ihr pures Herz sprechen lassen. Ein wundervoller Anblick der mich automatisch zum lächeln bringt...
Sie braucht eine ganze Weile bis sie mich am Ufer stehen sieht und völlig ausser Atem, aber mit einem strahlendem Gesicht auf mich zugefahren kommt. Ihr Grinsen im Gesicht ist beinahe ansteckend als sie einen Teil ihres Schwungs nutzt um mir um den Hals zu fallen. "Entschuldige.." lacht sie mich an. "Ich war völlig im Gedanken." Wieder schmunzle ich wie von allein, als mein Blick über ihre vor Kälte rot gefärbten Wangen wandert. Ich hätte sie aufziehen oder andersweitig necken können. Doch dieser Moment war für etwas anderes gedacht. Stattdessen lege ich ihr also meine Arme um und drücke sie leicht an mich, ehe ich antworte. "Das war beeindruckend." sage ich ehrlich, doch sie antwortet mit einem verlegenen Lächeln. "Ich bin etwas aus der Übung." Ich stimme in ihr leises Kichern mit ein und küsse sie anschließend leidenschaftlich. Sofort ist da wieder dieses tiefe Verlangen nach ihr und ich muss mich konzentrieren den Fokus nicht zu verlieren. Schliesslich löse ich mich von ihr um sie ansehen zu können. Dabei genieße ich es, wie sie mit ihren kalt gefrorenen Fingern über meine Stirn wandert und mir durch meine Strähnen im Gesicht streicht. 
"Hattest du Spass?" frage ich sie einleitend und verkneife mir eine Reaktion, als ihr Grinsen breiter wird. "Und wie!" Ihr Blick wird neckisch. "Von wegen nicht zu viel erwarten. Das hier ist großartig." Ein bestätigendes positives Schnauben kommt mir über die Lippen. "..und wenn ich dir sage, dass wir noch nicht fertig sind?" Verwirrt sieht sie mich an. "Was soll das denn noch toppen können?" fragt sie beinahe entgeistert als sich mein Blick abschätzend verändert.  "Levi.. das ist mehr als genug!" Abwarten.. denke ich mir und beobachte sie, wie sie sich von mir weg dreht um ihre Kufen abzunehmen. "Es ist gerade richtig.. Ich sagte doch, du verdienst jemanden der sich Mühe gibt es richtig zu machen." Sie kichert kurz leise, doch dreht sie sich nicht zu mir um. "Du hast dir mehr als genug Mühe gegeben." höre ich sie lächeln. Wenn das so ist, denke ich mir und knie mich hinter ihr zu Boden. Mit dem Ring, den ich ihr damals gezeigt hatte in der Hand, spreche ich jetzt ernster. "[V]/[N].." fange ich an und werde auf einen Schlag unsicher, als sie sich versteift und sich langsam zu mir umdreht. 
Hatte sie letztes Mal vielleicht nur zugestimmt weil ich sie überrumpelt hatte, oder sie glaubte den Besuch bei Pixis nicht zu überleben? Ich verdränge den Gedanken genauso schnell wie er gekommen ist. Doch reicht er aus um mich ins straucheln zu bringen. Für einen Moment zögere ich über meine Wortwahl. Mach mich zum glücklichsten Mann der Welt? Viel zu kitschig! Erweis mir die Ehre? Was für ein Quatsch.. Nicht das es nicht stimme würde.. Aber..  Was hatte ich nur letztes Mal gesagt?

Levi x Reader Ausflug ins ParadiesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt