Kapitel 17

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𝗠𝗼𝗿𝗴𝗮𝗻

Habe ich damit gerechnet, dass ich mich auf einer Party weinend an Cameron Mendoza schmiegen würde, der auch noch für meinen Vater arbeitet und einer von Onkel Hanks Spielern ist? Nope.

Habe ich damit gerechnet, dass ich danach im Bett der Schwester eines weiteren Spielers meines Onkels aufwache, der auch noch ziemlich schräg ist? Nein.

Und habe ich damit gerechnet, dass ich auch noch in ein und dem selben Haus an der Küchentheke sitzen würde, während Cameron Mendoza mir nur in einer locker sitzenden Jogginghose Frühstück zubereitete? Niemals!

Und doch ist alles passiert, und ich sitze wirklich in der Küche der Claytons, in einem kitschigen rosa Pyjama, der auch noch viel zu dünn ist, während Cam summend am Herd steht und Eier mit Speck brät.

Ich bin kurz davor zu flüchten und mich aus dem Fenster zu stürzen. Bloß dieser peinlichen Situation entkommen. Immerhin fehlen mir noch genug Erinnerung an letzte Nacht, dass ich nicht wissen kann, was ich alles zu Cam gesagt haben könnte.

Oh Gott! Was ist, wenn ich ihn geküsst habe?

Schlagartig fällt mir wieder der Moment am Beckenrand ein. Wie nah Cam und ich uns waren. Wie jede Stelle an meinem Körper gekribbelt hat, über die Cams Finger hauchzart gestrichen haben. Diese verwirrenden Gefühle sind nicht gut. Überhaupt nicht. Ich kenne Cam immerhin nicht mal ein paar Tage – die meiste Zeit habe ich ihn sogar ausschließlich gemieden. Jetzt umwickelt er mein geschundenes Herz mit seiner Fürsorge und seinem süßen Lächeln, bei dem man nicht anders kann, als es zu erwidern.

Eine leise Stimme in meinem Hinterkopf flüstert, ob es denn wirklich so verkehrt wäre, Cams Nähe zuzulassen. Doch mein Verstand übertönt dies mit lauten Warnsignalen.

Ich habe nicht bemerkt, dass Tristan und ich so große Probleme hatten und mir eingebildet, dass alles gut lief. Ich habe nicht mal gesehen, dass er und Jaycee etwas miteinander angefangen haben! Sie war meine Freundin, ich habe ihr vertraut. Niemals hätte ich gedacht, dass sie mich so verraten könnte und sich meinen Freund schnappen würde.

Was sagt mir dann, dass ich mir diese kribbelnden Gefühle nicht auch einbilde? Vielleicht sorgt er sich wirklich nur um mich, weil ich die Tochter seines Chefs bin oder die Nichte seines Coach, bei denen er auf keinen Fall ins schlechte Licht fallen darf? Vielleicht ist dieses Glitzern, das letzte Nacht seine Augen jedes Mal erstrahlen lassen hat, wenn sich unsere Blicke begegnet sind, bloß pure Einbildung gewesen. Vielleicht ist dieses Kribbeln, das seine Finger auf meiner Haut ausgelöst haben, nur der Auslöser der Trauer und Einsamkeit, die zurzeit mein Herz im Griff haben?

Wenn ich ihn dann auch noch geküsst haben sollte in meinem betrunkenen Zustand, während er bloß nett war, ein Freund an meiner Seite, um auf mich aufzupassen, will ich am liebsten hier und jetzt im Erdboden versinken. Auf der Stelle.

Vielleicht sollte ich wirklich einfach aus dem Fenster springen, während er beschäftigt mit Essen machen ist.

Ich schiele zur großen gläsernen Schiebetür, die ein paar Schritte entfernt von mir liegt, als mir plötzlich ein Teller vor die Nase gestellt wird. Der Duft nach gebratenen Speck steigt mir in die Nase und verführt mich. Die Flucht kann noch ein paar Minuten warten.

»Hunger?« Cam schmunzelt. Wahrscheinlich sieht er, wie mir buchstäblich das Wasser im Mund zusammenläuft beim Anblick von dem köstlichen Essen, das er extra für mich zubereitet hat.

»Und wie!« Ich warte keine Sekunde länger und schaufle mir das brütend heiße Ei in den Mund. Mein Dad würde mit dem Kopf schütteln, könnte er meine Tischmanieren jetzt sehen. Ich habe noch nicht einmal abgewartet, bis Cam sich selbst einen Hocker geschnappt hat und sich zu mir gesetzt hat.

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