Kapitel 22

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𝗠𝗼𝗿𝗴𝗮𝗻

Cameron war der Meinung, dass es besser wäre, wenn wir die genauen Details unserer Fake-Beziehung noch besprechen, weswegen ich nun erneut auf den klebrigen Lederpolstern des Cheesy's sitze und nervös mit dem Bein auf und ab wippe.

Was ein Déjà-vu.

Den ganzen restlichen Tag bin ich Cam so gut es ging ausgewichen. Ich habe mir als Grund rausgenommen, dass ich uns nicht aus Versehen entlarven wollte, weil wir eben noch nicht über die Regeln dieses ganzen Schauspiels geredet haben. Aber der eigentliche Grund ist, dass die Vorstellung, so zu tun, als wären Cam und ich in einer Beziehung, mir Angst macht.

Immerhin sind wir Freunde. Er hat mir mit Tristan geholfen, als er behauptet hat, ich sei seine feste Freundin. Kein großes Ding in dem Moment, doch die Konsequenzen holen uns viel zu schnell ein.

Ab jetzt auf verliebt zu tun, mit ihm auf den Fluren Händchen halten zu müssen oder ihn womöglich zu küssen, um glaubwürdig zu wirken? Mein Herzschlag beschleunigt sich bei der Vorstellung.

Wir haben in den vergangenen Wochen viel Zeit miteinander verbracht. Ich habe jedes Mal das Kribbeln beiseite geschoben, wenn wir zusammen waren; es ist sogar beinahe in den Hintergrund gerückt, weil alles langsam wieder seinen Rhythmus gefunden hat und ich mich so wohl in seiner Gegenwart und der seiner Freunde gefühlt habe. Es ist eine alberner kleine Schwärmerei für den netten, gut aussehenden Eishockeyspieler. Für ein paar Monate nun seine Freundin spielen zu müssen? Das könnte alles verkomplizieren. Und ich will Cameron auf keinen Fall als Freund verlieren, weil wir für die Augen der anderen auf verliebtes Pärchen machen müssen.

Und was, wenn Cam die Vorstellung mich küssen zu müssen, total schlimm findet?

Ich vergrabe stöhnend meinen Kopf in den Händen. Mein Schädel brummt vom ganzen Gedankenwirrwarr.

Ich muss mich zusammenreißen. Er hätte diese ganze Sache nicht vorgeschlagen, wenn er die Dinge, die damit einhergehen, so schrecklich finden würde, oder nicht? Er hätte auch einfach darauf bestehen können, alles richtig zu stellen. Immerhin war er ja sogar derjenige, der die Vorteile an einer Fake-Beziehung aufgezählt hat, um mich zu überzeugen. Und sein größter Vorzug war natürlich, Tristan eins reinzuwürgen. Was ich total nachvollziehen kann. Das ist genau der Punkt, der mich auch überzeugt hat.

Und nicht die Vorstellung Cameron Mendoza küssen zu können?

Argh! Mein Hirn macht mich fertig!

»Ähm, ist alles okay?«

Die argwöhnische Stimme des Kellners lässt mich erschrocken aufsehen.

»Alles super«, sage ich mit viel zu hoher Stimme. Schnell setze ich mich wieder gerade hin, halte den Blick aber auf die Speisekarte gerichtet, die offen vor mir liegt. »Könnte ich vielleicht schon einen Erdbeerkiwi-Softdrink bekommen? Bitte?«

Der junge Kerl nickt langsam, sieht mich allerdings immer noch stirnrunzelnd an, als er hinter der Theke mein Getränk mixt.

Okayyy. Das war unangenehm.

»Warum sieht der Kellner dich an, als würde er erwarten, dass du jeden Moment irgendwas illegales tust?«

Mir entfährt ein kurzer Aufschrei, als Cam plötzlich neben mir steht. Seine verengten Augen liegen auf dem Kellner hinter der Theke, der, als er Cams warnenden Blick bemerkt, sofort woanders hinsieht.

Ich lache ein wenig hysterisch. »Ich sah wohl nicht sehr labil aus, als er meine Bestellung aufnehmen wollte.«

Cam zieht ein dunkle Braue hoch, sagt aber nichts weiter, als er sich mir gegenüber auf die Sitzbank gleiten lässt.

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