𝗠𝗼𝗿𝗴𝗮𝗻
Die Sonne ist inzwischen dem Mond gewichen und die lustigen Anekdoten, die um das Lagerfeuer herum erzählt werden, wurden zu Horror-Storys. Ich fühle mich langsam wieder komplett trocken, bis auf mein nasses Haar, dass ich vorhin in einen Dutt auf meinem Kopf gewickelt habe. Widerstrebend muss ich auch noch zugeben, dass das wärmende Gefühl nicht allein vom Feuer kommt, sondern so gut wie alles mit Camerons Hoodie zutun hat, der sich wie eine gigantische Decke um mich hüllt, und dessen Geruch nach herber Seife und Lavendel meine Sinne umflutet. Ich stecke wirklich tief in der Scheiße.
»Morgan?« Eves geflüsterte Worte sind beinahe so leise, dass ich sie kaum gehört hätte, wenn wir nicht so eng aneinander gekuschelt wären. »Mhm«, mache ich und drehe mein Gesicht zu ihr. Eve schaut unsicher zu Cameron herüber, der mit Deacon und Sawyer neben unserer Decke auf Klappstühlen sitzt, alle drei mit jeweils einem Bier in der Hand. »Kann ich mit dir über etwas reden?« Nervös spielt sie mit einer Kordel von Cams Hoodie.
Ich rutsche etwas näher an sie heran. »Klar. Was ist los?« Ich passe mich extra ihrer gesenkten Stimme an, weil ich bemerkt habe, dass sie nicht will, dass jemand unsere Unterhaltung mithört.
Eve pustet ein paar mal ihre Wangen auf, bevor sie leise ausstößt: »Dan möchte mit mir schlafen.«
Meine Augenbrauen wandern in die Höhe, und ich brauche einen kurzen Moment, um die richtigen Worte zu finden. »Oh.«
Toll, nicht gerade hilfreich, Morgan.
Eve nickt mit gesenkten Kopf.
Ich starrte einen neuen Versuch und greife dabei nach ihrer Hand, die noch immer mit Cams Hoodie spielt. »Wie kommst du darauf?«
Sie kaut auf ihrer Unterlippe herum. »Ähm, wir, also, wir waren bei ihm und seine Eltern waren nicht da... Wir, also, wir haben ein bisschen rumgemacht, und irgendwann...« Eve hält inne, bläst wieder ihre Wangen auf und lässt den Atem wieder los. »Seine Hände sind ein bisschen... gewandert. Und es war schön, also, versteh mich nicht falsch, es hat mir gefallen, bis Dan sich dann irgendwann zurückgelehnt und mich gefragt hat, ob er ein Kondom holen soll.«
Wieder brauche ich einen Moment, um zu überlegen, was ich sagen soll. Eve ist jünger als ich, und Sawyer verhält sich sehr beschützerisch um sie herum, doch im allgemein wirkte sie immer sehr glücklich mit Dan, und auch sehr erwachsen. Doch wo sie gerade vor mir sitzt, so unsicher und verlegen, kommen alte Gefühle hoch. Ich weiß, wie Eve sich gerade fühlt.
Sanft frage ich: »Du willst also nicht mit ihm schlafen?« Nach ein paar verstreichenden Minuten, in denen Eve bloß auf ihre Finger gestarrt hat, nickt sie unmerklich. Mitgefühl steigt in mir auf. Ich nehme ihr Gesicht in meine Hände, damit sie mir in die Augen sieht. »Willst du denn noch mit Dan zusammen sein?«
Eve macht große Augen. »Natürlich!« Dann, ein kurzer Blick über meine Schulter: »Ich denke schon.«
Ich lasse ihr Zeit, damit sie überlegen kann, ob sie mir mehr sagen möchte. Wieder senkt sie den Blick, doch sie spricht weiter. »Ich mag Dan. Ich habe ihn wirklich, wirklich gern; er ist so lieb und fürsorglich, schüchtern, aber er kommt auch aus sich raus, wenn wir zusammen sind.«
»Aber?«, hake ich vorsichtig nach.
Eves Schultern sacken nach unten, wieder ein Blick über meine Schulter. »Ich fühle mich wohl bei ihm, ich will ihn nicht verlieren. Aber... Es fühlt sich irgendwie nicht richtig an, diesen Schritt mit Dan zu tun.« Als sie mir wieder in die Augen sieht, schimmern Tränen in ihnen. »Das ist doch unfair. Dan ist so toll, er behandelt mich so gut, warum fühlt es sich dann so falsch an, wenn ich daran denke, mit Dan zu schlafen?«
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The Pact
Teen FictionHorror. Der absolute Horror. Das ist es für Morgan, als sie plötzlich nicht nur von ihrem jahrelangen Freund fallengelassen wird, sondern auch noch von ihrer gesamten Clique hintergangen. Alleine muss sie sich nun dem täglichen Schulalltag und dem a...
