Kapitel 31

694 31 6
                                        

𝗖𝗮𝗺𝗲𝗿𝗼𝗻

Sie hat nicht übertrieben.

»Ich hoffe für dich, dass du den nicht selbst gekauft hast.«

Etwas verloren starre ich auf die Weinflasche. »Was? Ja, nein! M-meine Mom hat sie für mich besorgt.«

»Von deinem Geld, nehme ich mal an? Oder hast du deine Mutter dafür bezahlen lassen?«, kommt es von einem anderen Mann mit Tattoos, die sich aus seinem dunkelblauen Hemdkragen winden. Er hat seine Ärmel ein Stück hochgekrempelt, was mir auch dort seine Tattoos präsentiert. Höchstwahrscheinlich um mich einzuschüchtern.

Es funktioniert.

Jeder einzelne von ihnen jagt mir einen Heidenrespekt ein. Ich wusste zwar bereits, dass Morgan eine große Familie hat, aber sie alle auf einen Schlag kennenzulernen, ist eine vollkommen andere Sache.

»Ich habe dafür bezahlt«, stelle ich richtig und versuche nicht, wie ein achtjähriger zu schlottern.

»Hast ja auch nicht umsonst einen Job, hm?« Ein Kopf taucht aus der Küche auf, und ich sehe Joe Sullivan, einen meiner Chefs, wie er mir mit einem verschmitzten Grinsen mit seinem Bier zuprostet.

Meine Muskeln entspannen sich ein wenig. Bei Joe weiß ich, wo ich stehe. Er übernimmt den Umzugsteil in der Firma von ihm und seinem Bruder; er ist ein lockerer Chef, hat immer ein Schmunzeln auf den Lippen und geht fair mit seinen Mitarbeitern um. Ich bin froh, dass seine freundliche Art nicht umschwenkt, sobald es ums Kennenlernen des Freundes seiner Nichte geht.

Des fake Freundes.

»Da kann man ihn auch ganz leicht wieder rauswerfen«, murmelt Cal Sullivan, der am Ende des Tisches sitzt und einen finsteren Blick aufgesetzt hat. Hier kommt der schwerste Brocken des Abends.

»Dad«, warnt Morgan, worauf Cal bloß an seinem Bier nippt. Scheinbar ist jeder von ihnen bereits ausgestattet. Wie spät bin ich?

»Hast du nicht gesagt fünf Uhr?«, flüstere ich an Morgan gerichtet. Wenn ich meinen ersten Fehltritt bereits durch Verspätung unterzeichnet habe, habe ich sowieso schon verloren.

»Pünktlich auf die Sekunde«, erklingt eine glockenhelle Stimme. »Und was sind das für hübsche Blumen! Vielen Dank! Mit Blumen bekommst du uns Damen mit einem Fingerschnipp.« Eine hübsche Frau mit rotblonden Haaren kommt auf mich zu und nimmt mir den Blumenstrauß ab.

»Morgan wohl eher mit einer Packung Donuts«, rutscht es mir raus, doch die Frau, die höchstwahrscheinlich eine von Morgans Tanten ist, grinst breit und sieht dann ihre Nichte an. »Da kennt dich jemand aber gut.« Sie zwinkert mir zu, bevor sie eine Vase für die Blumen sucht.

»Tante Laurie hast du schon mal auf deiner Seite«, murmelt Morgan und zieht mich an meinem Hemdärmel rein ins Getümmel.

»Den nehme dann mal ich.« Eine braunhaarige Frau mit einer großen Vintagebrille auf der Nase, die ich bereits öfter auf der Arbeit gesehen habe, taucht plötzlich vor mir auf und nimmt mir den Wein ab.

»Das ist Tante Gretchen, Joes Frau«, steckt mir Morgan, und ich vermerke es mir in der imaginären Schublade für Morgans Familie.

»Onkel Eric und Onkel Perry.« Morgan führt mich zu dem tätowierten Mann, dessen eine Hand nun in der von einem blonden Mann in lachsfarbenen Poloshirt liegt.

»Nett, dich kennenzulernen, Cam.« Der, den Morgan Perry genannt hat, steht plötzlich auf und nimmt mich stürmisch in die Arme. »Wow, was ein großes Kerlchen.« Morgans Onkel kichert und zwinkert Morgan dann zu, worauf diese rot anläuft.

»Freut mich auch.« Ich schenke ihm ein verlegenes Lächeln, bevor ich mich seinem Mann zuwende und ihm die Hand entgegenstrecke. »Freut mich, Sir.«

Eric betrachtet meine Hand mit einem abschätzigen Blick, bevor er stumm seine Hand wieder in die von Perry legt und sein Glas zum Trinken ansetzt.

The PactWo Geschichten leben. Entdecke jetzt